Grenzstreifen in Berlin
Helga Gillmeister
E-mail an die Autorin  

Der Lichtenrader Grenzstreifen.


Entwicklung seit der Maueröffnung


Anfang der neunziger Jahre ist noch alles kahl


Beschrieben wird das Gebiet an der Grenze zur Gemeinde Schönefeld, welches an den Ortsteil Lichtenrade-Ost angrenzt. Es ist die Grenze zur ehemaligen DDR, bzw. dem Land Brandenburg, also nicht Berlin-Ost. Jenseits der Mauer gab es auch hier den sog. "Todesstreifen" mit den achttürmen, dann der Panzersperre, einen ausbetonierten Graben, dann ein schmaler Asphaltweg mit einem weiteren Streifen unbebauten Bodens, der schließlich von einer Reihe Birken eingegrenzt in Ackerland überging.
Alle 100 m stand ein Wachtturm, und auch nachts war der Streifen hell erleuchtet. Die Bewohner der oft nur 10 -20 m weit entfernten Hochhäuser brachten zumeist Jalousien an den Fenstern an, da die Soldaten der besetzten Wachttürme sich einen Spaß machten und mit ihren Ferngläsern in die Wohnungen zu spähen pflegten.

Weit erstrecken sich die Felder bis nach Buckow, wo man die hochhäuser der Gropiusstadt erkennen kann. Auf den Äckern wächst abwechselnd Korn und Mais in Monokultur. Man sah Rehe grasen. Links und rechts der Straße nach Groß Ziethen vereinzelt häuser, deren dächer sich grau zwischen den Bäumen zeigten. Die ganze Gegend machte einen einsamen, verlassenen und auch trostlosen Eindruck.

Nach der Wende wurde diese Straße dann geöffnet und in Straße des Friedens umbenannt. Die ersten Besucher gingen zu Fuß in Richtung des Dorfes. An einem Sonntag im November gingen Hunderte diesen Weg entlang. Bald bevölkerte sich auch der Grenzstreifen mit Wanderern und Radfahrern.


kurz nach der Maueröffnung

Der Asphaltstreifen, so gut mit dem Fahrrad zu befahren, wurde leider eingeebnet. In der ersten Zeit war man noch mißtrauisch und blieb auf dem Streifen. Ganz allmählich eroberten sich die ersten Pflanzen, wie Ackerschachtelhalm und Vogelknöterich den Boden. Selbst die Hunde gingen vorsichtig und schnupperten an der oberfläche der Erde. Vielleicht war Unkrautvertilgungsmittel gestreut worden oder es lagen andere Gegenstände vergraben.


Die Mauer wird schnell bemalt

Die Mauer verschwand rasch durch Abtragung. Weithin hörte man die Hämmer, die den Beton losklopften. Vor allem Jugendliche waren damit beschäftigt. Es war faszinierend anzusehen in seiner Einmailigkeit. Von innen war die Mauer bald von Sprayern mit großen bunten Mustern und Aufschriften versehen. Die Linie der eigentlichen Grenze, wo die Mauer stand, war bald nicht mehr gerade abgegrenzt. Gebüsch breitete sich aus. Je nach dem, was in den angrenzenden gärten stand oder die Anlagen der großen Siedlungshäuser säumt: Pappeln, Haselsträucher, Kastanien oder Ahorn, hat sich auf dem Boden eingefunden. auch kleine Eichen, Kiefern und Lärchen beginnen sich durchzusetzen.


Lastwagen an der Straße nach Gr. Ziehten

Die Pflanzen und Bäume sind im Laufe der Jahre so gewachsen, wie sie wollten, ohne menschliches Zutun. Aber auch hier haben Menschen es nicht lassen können, Unrat hinzuwerfen, Matratzen, Plastiktüten, Flaschen und Dosen. Kinder bauten sich Buden und entlang der Mauergrenze haben sich die Gärten ausgebreitet. Manche Hausbesitzer haben stillschweigend Tannen angepflanzt, auch Kiefern, Koniferen, sogar Lärchen, Kastanien und Korkenzieherweiden sind gewachsen und Brombeerhecken haben sich ausgebreitet.


Ein gut gepflegtes Stück Garten

Drei Wege gibt es: einen in ca. 2 m Entfernung der Grenzlinie, dann in der Mitte einen breiten Weg. Hier wo zuerst kaum etwas angewachsen war, nur niedriges Gras, Klee und Moos, war dann schnell anstelle des Asphaltstreifens ein ausgetretener Weg entstanden wo zuerst nur eine kahle Fläche gewesen war. Dann gibt es den Pfad am Feldrand zwischen den Birken, die sich hier sehr stark ausgebreitet haben.


Birken am Rande des Feldes

Sah es zuerst noch recht kahl aus, kann man nun fast von einem Birkenwäldchen sprechen. Der Pfad ist mit Gras und Moos bewachsen. Die Zweige der Birken hängen noch tief. Dazwischen stehen Wacholderbüsche, Heckenrosen und Hasel.


Die Vegetation wird dichter

Von hier aus sieht man über die Felder Richtung Klein-Ziethen. Inzwischen sind einige dächer rot und die Fenster leuchten weiß. Nach und nach sind Reihenhäuser entstanden, Ponyhöfe und Ausflugslokale. Die weißen Gebäude der Gartenstadt heben sich vom blauen Himmel ab.


Von der Nahariya-Siedlung aus.
Ende der 90iger Jahre

Nach starkem Regen bilden sich Pfützen. Trotzdem sind auf den Wegen Radfahrer, Jogger und Spaziergänger unterwegs. Für Hunde ist es ein Auslaufparadies ohne Leinenzwang.


Noch sind die Bäume nicht hochgewachsen

Wenn man sich nach rechts wendet, kommt man nach einigen hundert Metern an einen Weg, der über das Feld führt. Zuerst nur als Trampelpfad angelegt, ist er nun festgetreten und mündet in einen etwas festeren Feldweg, der sich nach rechts und links gabelt. Diesen Weg mag es lange vor dem Bau der Mauer schon gegeben haben.

Um die weite Feldfläche zu unterbrechen und der Bodenerosion vorzubeugen, hat man hier und einige hundert Meter weiter parallel dazu, Schichtholzhecken angelegt. Es sind Reste von gefällten Bäumen, große Holzstümpfe, Zweige und zersägte Stämme sind aufgetürmt. Sie geben Kleintieren und Vögeln Schutz, sollen aber auch die Monokultur auflockern.





Es handelt sich um ein Projekt der Umweltinitiative Teltower Platte, der weitere Vereine und Verbände angehören, wie auch das Forstamt. Ist man an der Schichtholzhecke, in deren Mitte sich bereits früh alle möglichen Sträucher und Kräuter einfanden, vorbei, so führt links ein Weg, teilweise mit Schotter befestigt durch hohe Sträucher von Holunder, Hasel, Heckenrosen und vielen anderen nach Groß- Ziehten, wo man bald einige Einfamilienhäuser erreicht. Durch die Hecken hindurch sieht man eine weide mit Pferden. auch einige Wohnwagen und Zelte sind abgestellt. Das ganze macht einen etwas verwahrlosten Eindruck an sich. Auch ein Esel grast dort; Hunde laufen herum.

Inzwischen sind festere Unterstellmöglichkeiten für die Tiere entstanden. Auch wohnen dort anscheinend im Sommer einige Menschen. Sie sind wie Cowboys gekleidet und verbringen dort ihre Zeit mit Pferden und Ponys. Die Esel hört man zuweilen schreien. In diesem Sommer 2001 sieht man große Wigwams von den Balkons in der Nahariyasiedlung. Anscheinend haben sich diese Menschen, die einen etwas abenteuerlichen Lebensstil mögen, der Wild-West-Romatik verschrieben.

Wenn man sich an der Weggabelung nach rechts wendet sieht man n der Mitte des großen Feldes eine Baumgruppe in einer Senke.


die beiden Eichen am Rande der Obstplantage

Links ist eine Obstplantage eingezäunt. Am Weg entlang hat man eine Reihe von Bäumen, wie Linden, Kastanien und Ahorn eingesetzt, die leider nicht alle anwachsen. Kurz bevor der Weg in einen schmalen Waldstreifen einmündet, findet man einige große Eichen. Links geht der Weg in Richtung Schönefeld und rechts wieder zurück auf den Mauerstreifen. Die Felder hier werden von den Berliner Stadtgütern Waßmannsdorf bewirtschaftet.

Der Flughafen ist nicht weit. Groß:e Maschinen starten und lassen einen starken Kerosingeruch zurück. Wenn der Flughafen - je nach dem wie man sich einigt - erst zum Groß:flughafen ausgebaut ist, wird es noch ärger werden.




Die Schichtholzhecke
Aus dem Wald herauskommend, gelangt man wieder an eine Schichtholzhecke, die schon länger steht. Auch hier haben sich Büsche und andere Pflanzen angesiedelt, teilweise von den abgeworfenen Bäumen selber stammend. Das Holz und die Zweige sind in sich zusammengesunken. eines Tages wird nur noch ein Heckensaum von den H&ozuml;lzern künden. Leider werfen hier die Gartenbesitzer ihren Abfall ab, und Jugendliche zünden oft die Äste an, die dann schwarzverkohlt sind.




Hier sollen einmal Büsche emporwachsen

Der Weg, auf dessen anderer Seite sich der Acker bis zum Wald ausstreckt, ist unbefestigt. Es sind Birken angepflanzt, die jedoch relativ ungeschützt stehend, nicht recht wachsen wollen. Auch hier eine reiche Artenvielfalt. Neben Brennesseln, Beifuß und Rainfarn, die große Königskerze, die blaue Wegwarte, der Odermennig, die unechte Kamille und viele andere mehr.

Auch finden sich hier mehr und mehr Vogelarten ein. Neben Spatzen, Lerchen und Krähen, gibt es die Blaumeise, Amseln, Stare und sogar den seltenen Neuntöter. Der Weg an der Schichtholzhecke mündet in die Wittelsbacher Straße in Lichtenrade. Hier wurde Sand aufgeschüttet und ein Bmx-Platz errichtet. Auf den vielen kleinen Hügeln, mal steil, mal flach, kann man mit Mountainbikes fahren, was bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt ist.

Auch nach links Richtung lichtenrader Wald und Mahlow geht es in gleicher Weise weiter, nur daß es hier nur noch einen ausgefahrenen Weg gibt. An den Einfamilienhäusern ist ein etwas gepflegterer Wiesenstreifen entstanden, auf dem verschiedene angepflanzte Gehölze stehen: u. a. Lärchen.









Der neu angepflanzte Wald beginnt zu wachsen

Auch an die Reiter ist gedacht. Blauweiße Schilder weisen extra Reitwege aus. Einer davon führt an dem neu angelegten Hertateich vorbei.




der Herthateich nach dem Aushub

Dieser Teich war immer schon vorhanden, wurde jedoch zur Zeit des Mauerbaus zugeschüttet. An der gleichen Stelle hat man dann ein Stü:ck tief ausgebaggert, bis das Grundwasser sich wieder ansammelte. Zunächst sah es recht kahl aus, und es mußte auch nochmals ausgebaggert werden. Dann wurde das Ufer mit Schilf bepflanzt und an der Böschung Sträucher gesetzt.




einige Jahre später


Heute ist alles dicht bewachsen. Doch um das Ufer zu schützen, mußte der Teich gesperrt werden, da Hunde das sandige Ufer zu zerstöen drohten.

Der neu angelegte Wald reicht bis an die Straße nach Mahlow.






Auf der anderen Seite von Lichtenrade, welches wie ein Zipfel in das Bundesland Brandenburg hineinragt, befindet sich der gleiche Grenzstreifen. Er dehnt sich teilweise noch weiter aus bis an die Marienfelder Höhe, und zwischen den Ortschaften Heinersdorf und Birkholz befinden sich riesige Felder, auf denen überwiegend Mais angebaut wird. Hier hat man ein Betonband stehen lassen. Rechts und links davon sind ebenfalls Bäume auf eingezäunten Gebiet angepflanzt. Es hat alles einen etwas anderen Charakter.

Auf der Seite Richtung Gropiusstadt liegt ebenfalls ein breiter unberührter Streifen mit Birken am Ackerrand, einem unbefestigten mehrspurigen Weg und einem breiten Streifen Wiese, von Sträuchern und Gebüsch durchzogen. Teilweise haben sich auch hier Ahorn, Birken und zahlreiche andere Gehölze eingesamt und wachsen einträchtig nebeneinander. Dieses Gebiet wollte man bereits nutzbar machen, da es sich im Privatbesitz befindet. Doch eine Bürgerinitiative konnte sich bisher erfolgreich dagegen zur Wehr setzen.



Herbst 2001




die Nahariya-Siedlung hinter den kahl werdenden Baäumen

Die letzten Fotos stammen hauptsächlich von einem Spaziergang im Sommer 2001. Es folgen Aufnahmen von Ende Oktober. Die einzelnen Routen werden hier nicht nochmals beschrieben. Man kann je nachdem, woher man kommt, ob zu Fuß oder per Rad, kurze, mittlere oder ganz weite Strecken zurücklegen.


die Birken, andere Bäume und Gehölze entwickeln sich zu einem jungen Wald. Gerade die Unberührtheit ist reizvoll. Der unbefestigte Weg kann ohne weiteres mit dem Fahrrad befahren werden



es wurde viel Boden aufgefahren für den BTX-Fahrplatz, der viel genutzt wird.


Das Maisfeld an der Schichtholzhecke ist fast abgeerntet.


An der südlichsten Ecke von Lichtenrade-Ost Richtung Kirchhainer Damm

An der Unterführung der B 96, die sehr stark befahren ist

Der Betonplattenweg durch die Anpflanzungen


Ein langer Weg, der Richtung Marienfelder Feldmark führt

Die S-Bahn-Strecke bei Mahlow



April 2002



Das Frühjahr war bis jetzt recht kühl, jedoch im ganzen gesehen, auch gut ausgewogen. Mal Regen, mal Sonne. Es fielen genügend Niederschläge.



Einige Fotos von einem Spaziergang. Die Rapsfelder fangen an zu bühen. Raps hat die Maisanpflanzung abgelöst.

Im Hintergrund die Gartenstadt Groß Ziethen, die immer mehr anwächst. Nicht nur Einfamilienhäuser, sondern 2 stöckige Reihenhäuser. Die Straße durch den Ort ist sehr belebt.

Die Schichtholzhecke ist immer mehr am Zusammensinken. Leider werden die dort liegenden Baumstämme immer wieder von Jugendlichen angekokelt, so daß die Feuerwehr einschreiten muß



Wie mir ein Mitarbeiter der Büurgerinitiative Teltower Platte sagte, hätten sie schon einmal verlangt, die Stämme wegzuräumen. Diese wurden dann aber nur zu größeren Haufen zusammengeschoben und in den Zwischenräumen Bäume angepflanzt.




harzheide.de/blog

Gästebuch

[www.HarzHeide.de] [Vordorf] [Waldveränderungen] [Papenteich] [Till Eulenspiegel] [Elisabeth] [Courasche] [Ref.i.Braunschweig] [Grenzstreifen in Berlin] [Stromboli] [Wahrheitstheorien] [Bilder] [Impressum] [Fotos] [Katzen]