Die Reformation in Braunschweig

Die Reformation in der Stadt Baunschweig


Konfessioneller Wandel in Braunschweig als Auseinandersetzung

zwischen Rat und Bürgerschaft in den Jahren 1522-1530

I n h a l t

Einleitung

Kap. 1 Städtische und kirchliche Verfassung zu Beginn des

16.Jahrhunderts.

1.1 Die politische Stellung Braunschweigs im Reich und

im Herzogtum.

1.2 Die Sozialstruktur der fünf Weichbilde.

1.3 Organisation des Rates.

1.4 Soziale Aufstände und Unruhen.

1.5 Die Pfarrkirchen und Klöster am Vorabend der

Reformation.

Kap. 2 Der Einfluss der lutherischen Reformation auf das

politisch-soziale Gefüge der Stadt.

2.1 Die Forderungen nach kirchlicher Reform.

2.2 Die Befreiung aus der religiösen Bevormundung.

2.3 War die Reformation auch eine Revolution?

Kap. 3 Die Verbreitung der Reformation in Braunschweig

3.1 Reformatorische Zirkel

3.2 Der Mönch Gottschalk Kruse in St. Aegidien

3.3 Der niedere Klerus predigt die Reformation

3.3.1 Die Abschaffung altkirchlicher Zeremonien an

verschiedenen Kirchen.

3.4 Bildung von Bürgerausschüssen und deren soziale

Zusammensetzung.

3.4.1 Autor Sander und die Aufstellung der 18 Artikel

3.4.2 Die Verhandlungsbereitschaft des Rates

3 4 3 Der Einsatz Heinrich Winkels zur Organisation des

neuen Kirchenwesens.

3.4.4 Die Entsendung Bugenhagens aus Wittenberg.

3.5 Bugenhagen und die neue Kirchenordnung.

3.5.1 Die Einrichtung von Armenkasten

3.5.2 Die Wahl der Pfarrer

3.5.3 Der Ruf nach Bildung und die Einrichtung von Schulen.

3.5.4 Das neue Eherecht und die Rolle der Frau.

3.6 Die Folgen für das Stadtregiment

3.6.1 Beteiligung des Patriziats und der Gilden an der Reformation.

Kap. 4 Übernahme der Klöster und Pfarrkirchen durch den

Rat der Stadt.

4.1 Die Auflösung der monastischen Lebensformen.

4.2 Änderung der Patronatsrechte an den Kirchen.

4.2.1 Aufgabe des Pfründenwesens und Umwandlung der Stiftungen

4.3 Innere Streitigkeiten - Zwinglianer, Täufer und Schwärmer.

4.4.1 Disputationen und Colloquien

Kap. 5 Vergleich mit anderen Städten.

5.1 Die Städte im Umfeld Braunschweigs - Göttingen -

Hildesheim - Lüneburg.

5.2 Die Reformation in den Hansestädten gleicher Prägung:

Bremen, Hamburg und Lübeck.

5.3 Die süddeutschen Stadtreformen unter dem Einfluss Zwinglis.

Kap. 6 Schlussfolgerungen

Literaturangaben

Quellen

Gedruckte Quellen

Darstellungen

Einleitung


In dieser Arbeit soll versucht werden, die Wandlungen des religiösen Lebens in der Stadt Braunschweig, vor allem aber die Wirkung der beginnenden lutherischen Reformation auf das politisch-soziale Gefüge der Stadt zu untersuchen. Das ist nicht möglich, ohne vorher einen Blick auf die allgemeine politische Bedeutung der einsetzenden Reformation zu werfen. Keine geistige Neuorientierung vorher oder nachher hat in dem Maße auch gesellschaftliche Veränderungen herbeigeführt wie die zunächst nur als Kritik an der Kirche beginnende reformatorische Bewegung.

Da kirchliches und soziales Leben noch eine Einheit bildeten, waren die Wirkungen Luthers und seiner Anhänger nicht nur auf die päpstliche Kirche von großer Bedeutung. Die Neuordnung des Kirchenwesens leitete vor allem eine Änderung der Besitzverhältnisse an den Kirchengütern in den Städten ein.

Da, wo die bürgerliche Freiheit am größten war - in den Städten - konnte das reformatorische Gedankengut nicht nur verbreitet, sondern die eigentliche Reformation auch ausgeführt werden. Die religiöse Freiheit begann in den Städten.


Die traditionelle Forschungsliteratur über das konfessionelle Zeitalter bzw. die Reformation ist, wenn von Kirchenhistorikern der protestantischen Seite stammend, von einer Parteinahme und mitunter von emphatischer Hervorhebung der Reformatoren gekennzeichnet. Im von katholischer Seite aus veröffentlichten Schrifttum werden zwar Reformen als notwendig erachtet, die die Kirche ja auch einleitete, im ganzen gesehen jedoch wird die Bewegung, vor allem die Folgen der spätere Kirchenspaltung betreffend, als negativ angesehen.Was jedoch ein in der historischen Beurteilung von Ereignissen der Vergangenheit generelles Problem sein dürfte.

Die neuere Forschungsliteratur, die Stadtgeschichtsschreibung betreffend, besonders die angelsächsischer Autoren hebt hingegen die soziale Bedeutung, die politischen Ursachen der Reformation hervor, während die religiöse, geistesgeschichtliche Komponente weniger Beachtung findet.

Ist zu den übergeordneten Themen und Fragen, die alle Städte gemeinsam berühren, wie Antiklerikalismus, ständisch-genossenschaftliches Selbstverständnis, spätmittelalterliche Bürgerbewegungen und die Auseinandersetzungen der Elite mit der Reformation, eine Fülle von Literatur vorhanden, so steckt die Reformationsgeschichtsschreibung einzelner Städte erst in den Anfängen. Eher noch ist Entsprechendes für den süddeutschen Raum vorhanden.

Spezielle Reformationsliteratur zu Braunschweig findet sich abgesehen von dem Buch von Rehtmeyer, 1710 erschienen, und die späteren Abhandlungen von Lentz, Hessenmüller und Jordan, erst wieder bei Klaus Jürgens, Probst der evangelischen Stadtkirche, in seinem Aufsatz, der in der Reformationsschrift des Jahres 1978 erschien. Seine Auswertung der Angaben von Hänselmann über die Beteiligung von Gilden und Gemeinden sind ein Ausgangspunkt für sozialgeschichtliche Forschung.

Wie in anderen Städten so dringen auch in Braunschweig seit dem 14. Jahrhundert weltliche Obrigkeit und Bürger in die ursprünglich kirchlichen Zuständigkeitsbereiche ein. Die Stadt war bemüht, Aufsicht über den kirchlichen Besitz zu gewinnen; Klöstern und Spitälern wurden weltliche Pfleger und Verwalter beigeordnet. Die ständigen Bemühungen des Rates, die Immunitätsrechte der Kirche innerhalb des Stadtgebietes zurückzudrängen, führte zu häufigen Auseinandersetzungen mit dem Klerus. Der Einfluss, den man an den städtischen Pfarrkirchen auf die Wahl der Pfarrherrn zu nehmen suchte sowie die Bemühung zur Einrichtung von kirchlicher Autorität befreiter Schulen, löste 1413 den "Papenkrich" aus Diese Expansion wurde durch die Reformation weiter vorangetrieben. Sie gab den eigentlichen Anstoß für eine bereits seit langem sich abzeichnende Änderung und Erneuerung der kirchlichen Ordnung und somit des religiösen Lebens.


Dazu kam die zunehmende Kritik am Klerus und am Pfründenwesen seitens der Bürger, meist solcher, die noch nicht am Stadtregiment beteiligt waren. Hier führte die Reformation zu einer Auseinandersetzung um die Stadtverfassung und schließlich zu einer Umbesetzung des Rates

Umstritten ist der Einfluss des Bauernkrieges und seine schließliche Niederschlagung auf den Fortgang der Reformation.. Immerhin gehörte zu den ersten Forderungen der Bauern das Mitspracherecht am Einsatz der Prediger. Der Bauernaufstand wiederum wies als einer seiner Ursachen die zunehmende Verarmung der Bevölkerung seit Beginn des Jahrhunderts auf. Auch in den Städten kam es zu Aufständen "der Armut", hervorgerufen unter anderem durch eine Verteuerung der Getreidepreise, welches auf eine Reihe von Missernten infolge schlechten Wetters zurückzuführen war. Zu fragen ist hier nach einem Zusammenhang zwischen diesen kurz vor Einsetzen der Reformation stattfindenden Unruhen und der reformatorischen Bewegung selbst.

Auffällig ist vor allem der große Anteil unterer Bevölkerungsgruppen, wie Bedienstete, Lohnarbeiter und kleinere Handwerker, die sich der lutherischen Lehre anschlossen. Hier erstaunt besonders die umfangreiche Bibelkenntnis an sich schreib- und leseunkundiger Menschen. Zu deren materieller Not kam die Unzufriedenheit mit den Missständen der Kirche, welche die religiösen Bedürfnisse nicht nur der unteren und mittleren Volksschichten nicht mehr befriedigen konnte. Teile des Patriziats, Fernhandelskaufleute und die akademisch gebildete Intelligenz in den Städten, wie Ärzte, Lehrer, Juristen und Künstler, letztere gemeinhin noch zu den Handwerkern gerechnet, hatten sich bereits dem Humanismus geöffnet, ohne den die Reformation nicht denkbar gewesen wäre.

Die traditionellen Herrschaftsgruppen der Stadtregierung tendierten meist dazu, Vorteile für ihre eigenen Interessen im Rat zu erlangen, wenn auch der gewaltsame Aufstand Ende des 14. Jahrhunderts "Die große Schicht" eine Verfassungsänderung gebracht hatte, dahingehend, dass jetzt auch die Vertreter der Gilden an den Entscheidungen des Rates maßgeblich beteiligt wurden.

Für große Teile des Patriziats brachte die traditionelle Verbindung zum päpstlichen Klerus für beide Seiten Vorteile. Diese Gruppen versuchten zunächst die Bewegung zu verhindern, konnten jedoch dem Druck "von unten" nicht lange standhalten.

Die sozialgeschichtliche Städteforschung im letzten Jahrzehnt ist sich darin einig, dass es generell in den Städten keine "Ratsreformation" gegeben hat, sondern dass die Volksbewegung der auslösende Faktor war. Unter "Volk" ist hier die Gesamtheit der Einwohnerschaft zu verstehen: Die Patrizier, die "aristokratischen", ratsfähigen Gilden, die mittlere Bürgerschaft. die kleineren Handwerker und Gewerbetreibenden sowie Teile des hohen und niederen Klerus Die Frage ist hier allerdings, wie weit war die städtische Reformation auch als Teil einer "frühbürgerlichen Revolution" anzusehen. Zumindest ist die konstruktive Beteiligung der Bürgerausschüsse bei der Aufstellung der neuen Kirchenordnung auch als demokratische Bewegung anzusehen, die allerdings mit der Etablierung der neuen Kirche ihr Ende fand.

Obwohl es speziell über die Stellung der Frau in der Stadt noch keine Untersuchung gibt und auch kaum Quellen vorhanden sind, soll wenigstens in einem mentalitätsgeschichtlichen Ansatz die Wirkung der Reformation auf die Familie und die Rolle der Frau im allgemeinen berücksichtigt werden. Hier wird auf schon vorliegende Untersuchungen, auch aus dem angelsächsischen Raum zurückgegriffen. Für die Nonnenkonvente wurde beispielhaft die Auflösung des städtisches Klosters "Zum Hl. Kreuz" ausgewählt.

Die Quellenlage für die Auseinandersetzungen des Rates mit der Bürgerschaft ist in Braunschweig außerordentlich günstig. Hier liegen bereits ausgewertete Ratsprotokolle von Ludwig Hänselmann über Verhandlungen der Bürgerschaft mit dem Rat vor.

Zum Ende folgt ein Vergleich mit der Reformation in anderen Städten Niedersachsens bzw. der Hanse angehörenden.


Kap. 1 Städtische und kirchliche Verfassung zu Beginn des 16. Jahrhunderts.

Braunschweig lag auf dem Gebiet weltlicher Fürsten, war weder freie Reichsstadt noch Landstadt, gehörte seit Mitte des 13. Jahrhunderts der Hanse an der Hanse an und war eine der größten Städte Norddeutschlands mit einer ungefähren Einwohnerzahl von 14.000 - zu der damaligen Zeit eine Großstadt, bestehend aus den fünf Weichbildern Altstadt, Hagen, Neustadt, Sack und Altewiek.

Seit dem 13. Jahrhundert hatten die Herzöge der Welfen mehr und mehr von ihren angestammten Rechten verloren.Finanzielle Schwierigkeiten zwangen sie, auf politische und materielle Forderungen der Bürgerschaft einzugehen. Innenpolitisch selbständig wurde die Stadt durch die Erlangung der städtischen Gerichtsbarkeit.Ebenfalls noch im 13. Jahrhundert gingen auch die militärischen Rechte an die Stadt über.


Bereits im Mittelalter hatten Bestrebungen der Stadt begonnen, in allen kirchlichen Angelegenheiten Selbständigkeit zu erlangen. Mitten durch die Stadt verlief die Grenze der Zugehörigkeit zu den Diözesen Halberstadt und Hildesheim, was Gelegenheit gab, die jeweiligen Bischöfe zum Vorteil der Stadt gegeneinander auszuspielen. Seit 1255 besaßen diese auch das Recht nicht mehr, ohne besonderen Befehl des Papstes die Exkommunikation oder das Interdikt über die Stadt auszusprechen 1389 erreichte man von Papst Bonifacius IX. die Freiheit, dass das geistliche Gericht nur innerhalb der Stadt von geistlichen Richtern ausgeübt werden konnte.Ein eigens zu diesem Zweck eingerichtetes Sondergericht - das Offizial - nahm die Aufgaben wahr. Es stand in Konkurrenz zum Vogteigericht und beschäftigte sich mit Vergehen, die unter den Begriff der "Sünde" fielen, wie Gotteslästerung, Häresie und Ketzerei. Bis zum Sieg der Reformation - 1530 erfolgte eine Justizreform - wurden hier auch Fälle von Meineid, Ehebruch, Bigamie und Unzucht verhandelt.

Die "Vogtei"-Gerichte tagten kursorisch als Untergerichte in den einzelnen Weichbilden im mündlichen Verfahren. Das Obergericht der Stadt bestand aus einem Gerichtskollegium mit Vorsitz jeweiliger Richterherren. Ein Syndikus mit juristischen Kenntnissen und politischen Fähigkeiten vertrat die Stadt bei den auswärtigen Gerichten. Das herzogliche Obergericht mit Justizkanzlei und Hofgericht in Wolfenbüttel suchte bei Entscheidungen den Rat beiseite zu schieben. Bei Appellationen wurde zudem das Verfahren durch die Zahlungen hoher Gebühren ("Poen") erschwert.


Da der höhere Klerus der Stadt zumeist aus ansässigen Patrizierfamilien stammte - man versuchte jedenfalls, die einträglicheren Kirchenämter den Bürgersöhnen vorzubehalten - waren weitere Freiheiten von großen Vorteil: Seit 200 Jahren entrichtete er keine Dienstgelder, Steuern, regelmäßigen Geschenke und Liebesgaben an die Bischöfe mehr.Die bischöflichen Rechte wurden zudem nun von den lokalen geistlichen Würdenträgern wahrgenommen bzw. den Archidiakonten überlassen.

Die Patronatsrechte an den Kirchen und Klöstern waren ein kompliziertes Gebilde aus herzoglichen und städtischen Rechten, teilweise noch aus dem Mittelalter aus der Zeit der Kirchengründungen stammend. Es bestand darin, anzustellende Geistliche auszuwählen und sie mit einer weltlichen Pfründe zu beleihen.


Die Pfarrherrn bestimmten zur Verwaltung der Kirchen sog. Heuerpfaffen oder mercenarii, die dieses Amt gegen eine jährliche Pension ausübten. Diese wiederum hielten Praedikanten und Kapläne, die die Predigten und die eigentliche Seelsorge übernahmen.Als Vorkämpfer der Reformation sollten sie eine bedeutende Rolle spielen.

Zwischen Kirchengemeinden und dem Kapitel St. Blasius herrschte Uneinigkeit. Die Domherren verfochten ihre Gerechtsame gegen den Rat und sahen die Pfarrherren der Stadt und die Predigermönche zusammen mit dem Rat gegen das Kapitel auftreten.

1.1 Die politische Stellung Braunschweigs im Reich und im Herzogtum

Im 15. Jahrhundert zeitweise als frei und keinem Landesherrn unterworfen, wurde die Stadt 1521 aus der Reichsmatrikel gestrichen. 1506 war die Stadt zum letzten Male zur Beratung von Reichsangelegenheiten nach Konstanz gerufen. Trotz der Zugehörigkeit zum Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel, blieb die Stadt in Handel und Gewerbe unabhängig. Der Zutritt des Landesherrn zur Stadt war genau geregelt:

Im "Großen Brief" von 1515 und im "Kleinen Huldebrief" aus demselben Jahr sind die Rechte der Stadt und die Verpflichtungen gegenüber dem Herzog bekräftigt: Zollfreiheit im gesamten Fürstentum, freie Zufahrt auf den herzoglichen Straßen, Befreiung von der herzoglichen Gerichtsbarkeit, Verzicht auf weitere Klostergründungen in der Stadt. Die dem Herzog unterstehenden Stifte St. Blasius und St. Cyriacus sollen darauf verzichten, sich städtische Pfarren zu inkorperieren. Gleichzeitig verpflichtet sich der Landesherr, die Rechte der Stadt zu bessern und nicht zu verletzen.

Die Hoheitsrechte waren schon im 14. und 15. Jahrhundert an die Stadt übergegangen Ihm blieb also nur die Huldigung.

Vorangegangen waren zahlreiche Streitigkeiten, die in zum Teil kriegerische Auseinandersetzungen und Belagerungen ausarteten, zwischen der Stadt und dem Herzog, sowie seinem Vorgänger Heinrich d. Älteren. Dieser verfolgte eine Politik der gebietsmäßigen Machterweiterung. 1493 forderte er nach einer neunmonatigen Belagerung die Stadt Braunschweig auf, ihm die Ämter und Rechte zurückzugeben, die seine Vorfahren an die Stadt verpfändet hatten. Seinem bewaffneten Heer fielen Dörfer und Güter in die Hände. Die Hanse entschloss sich zu Hilfsmaßnahmen, und als die Stadt Hildesheim Waffen und Lebensmittel entsandte, konnten die städtischen Söldner die herzoglichen Truppen schlagen. Der Friede kam mit Kompromissen auf beiden Seiten zustande. Die Stadt huldigte dem Herzog erst, nachdem ihre Rechte bestätigt waren, verlor aber eine Reihe von außerstädtischen Besitzungen.

Kurz vor der Reformation wurde die Stadt durch die "Hildesheimer Stiftsfehde" schwer in Mitleidenschaft gezogen.Bischof Johann von Hildesheim versuchte, die an den Adel verlorene Herrschaft über sein Fürstentum zurückzugewinnen, in dem er die großen Pfandschaften kündigte. Die Ritterschaft erhob sich und verbündete sich mit den alten Feinden des Stiftes, unter ihnen Herzog Heinrich d. J und Herzog Erich d. Ä. von Calenberg. Der Bischof hingegen konnte den seinen welfischen Vettern verfeindeten Herzog Heinrich d. Mittleren von Lüneburg auf seine Seite ziehen. Im darauf folgenden Krieg, der 1519 ganz Niedersachsen ergriff, verlor die Stadt wertvolle Gebiete, wie Dörfer und Pfandschaften an der Straße nach Hildesheim, die ihr vom Herzog gegen eine Geldanleihe überlassen waren. Auch der Forderung nach Waffenhilfe ihres Stadtherrn konnte sich nicht mehr entzogen werden. Verheerende Plünderungen der gegnerischen Söldner erstreckten sich bis in die Nähe der Stadtmauern. Bemerkenswert an dieser noch vom Wesen des Mittelalters geprägten Fehde, war die Ausdehnung der welfischen Gebiete auf Kosten des geistlichen Territoriums.

1.2 Die Sozialstruktur der fünf Weichbilde.

Siedlungsgeschichtlich bedingt gliederte sich die Stadt seit alters her in einzelne Weichbilde, deren soziale Zusammensetzung von großen Unterschieden geprägt war. In der Altstadt mit dem ehemaligen Burgbezirk, den großen von der Bürgerschaft gegründeten Kirchen, waren Patrizier, Fernhandelskaufleute und Handwerker ansässig. Im angrenzenden Bezirk Hagen vornehmlich Tuchmacher, Wandschneider, Goldschmiede, Wechsler und Kaufleute, dem einflussreichen und ratsfähigen Stande angehörend. Die Neustadt war von Handwerkergruppen geprägt wie Schmiede, Beckenwerker, Glockengießer, und von ärmeren und einfacheren Handwerkern wie Gerbern und Schustern die auch im Weichbild Sack anzutreffen waren. Sie stellten kleinere Gebrauchsgegenstände her und erledigten notwendige Flick- und Reparaturarbeiten. Ihnen war die soziale Anerkennung und damit die Vertretung im Rat der Stadt versagt. Eine ähnliche Sozialstruktur fand sich in Alte Wiek. Gerade hier ergab es sich jedoch, dass die Reformation ihre erste größere Anhängerschaft erwerben konnte und der Bürgerausschuss konstruktiv an der neuen Kirchenordnung mitarbeitete. Bugenhagen griff die Anregungen der Bürger auf und der Rat musste sich mit ihren Forderungen auseinandersetzen.

Zur "Unterschicht" der Bevölkerung in den einzelnen Stadtteilen gehörten nicht nur die kleinen Handwerker, sondern auch Tagelöhner, Arbeiter, Dienstmägde und Knechte, sowie verwitwete und unverheiratete Frauen. Handwerksgesellen waren in eigenen Gesellenverbänden organisiert. Für sie bestand die Möglichkeit, durch Heirat einer Meisterswitwe das Zunftrecht zu erhalten. Die Hälfte der Einwohnerschaft war zu diesen ärmeren Gruppen zu rechnen.

Jedes der fünf Weichbilde hatte nicht nur ein eigenes Rathaus, eigene Kirchen, sondern teilweise eigene Mauern und jeweilige Sonderrechte. Auf grund der scharfen sozialen Trennungen der einzelnen Stände traten innerhalb der Weichbilde, aber auch der Weichbilde untereinander Konflikte auf, die zeitweilig zu Unruhen führten.

Bei dem Anteil der Schoßpflichtigen stand die Altstadt als größtes Weichbild an der Spitze, gefolgt von den der Reihe nach angegebenen.


Da in jedem der Weichbilde ein eigener Rat mit sog. "kleinem" Bürgermeister existierte, und dieser wiederum in den Stadtrat entsendet war, kam ein breites Spektrum verschiedener Interessengruppen zusammen. Der Vorteil lag darin, dass die Belange der einzelnen unterschiedlichen Weichbilde vertreten wurden. Nachteilig war anscheinend, dass gerade durch diese Zusammensetzung besondere Rivalitäten auftraten und sich keine soziale Stabilität ergab.. Auch konnten die weniger bedeutenden Gilden der ärmeren Stadtteile nicht d e n Einfluss erreichen, den die alten Geschlechter ausübten. Hierin mag eine der Ursachen für die besonders zahlreich auftretenden Aufstände liegen.

1.3 Organisation des Rates.

Die Voraussetzung der Ratsfähigkeit der Einwohner war das Bürgerrecht Die einflussreichsten Mitglieder des Stadtregiments entstammten den alten Patrizierfamilien, deren Existenzgrundlage der Fernhandel und Pfandgeschäfte war. Sie bildeten eine geschlossene Oberschicht, verfügten zumeist auch über Landbesitz und pflegten einen adligen Lebensstil.

Bei Auseinandersetzungen erwies es sich jedoch, dass sie keinen Block bildeten, so dass die Anhängerschaft dieser Gruppen und Familien auf beiden Seiten der Kontrahenten zu finden waren.

Im Jahre 1269 traten die Räte der Weichbilde, zunächst von Altstadt, Hagen und Neustadt zusammen. 50 Jahre später wurden auch Altewiek und Sack an der Leitung der Stadt beteiligt; sie gelangten pfandweise gegen Entgelt aus der Gewalt der welfischen Landesherrn an den nun eine Einheit bildenden Gemeinen Rat. Die Einzelräte wurden in ihrem Einfluss immer mehr zurückgedrängt. Nach den großen Aufständen beteiligten sich auch die Gilden an der Zusammensetzung des Rates, nachdem das altstädtische Patriziat, nun zurückgedrängt, einer Verfassungsänderung zustimmen musste. Während die Gildevertreter, es waren zumeist die der aristokratischen Gilden der Wandschneider, Lakenmacher, Goldschmiede und Wechsler als Vertreter ihre sozialen Schicht auftraten, waren die Geschlechter ohne gildemäßigen Zusammenschluss. In ihrer überkommenen Bindung an das Weichbild vertraten sie ihre "Gemeinde". Zudem besaßen sie das Selbstergänzungsrecht.


Gewählt wurde in den Weichbilden durch die Korporationen der Bürger, die 14 Gilden und 5 Gemeinden. Die Einrichtung der "Bürgerhauptleute" sollte unbemittelte Bürger vertreten, indem sie deren Ratsvertreter ernannte Auch diese Änderung war erst auf massiven Druck hin erfolgt, durch die "Schicht der unhorsem borger" 1445/46, bei der die Bürger selbst versuchten ("sulwold") sich mit Gewalt ihr Recht zu verschaffen. Bemerkenswert ist, dass die Aufrührer zwar in den meisten Fällen bestraft wurden, aber dass sie ihre Interessen auch durchsetzen konnten. Wenn man einmal davon absieht, dass "indirekte Steueren" und andere Teuerungen erst bis zur Grenze des Erträglichen erhoben wurden. Der Rat hatte dennoch die Pflicht, die Klagen der Bürger vor dem Rathaus anzuhören ("uplop").

Der Rat, dem 103 Personen angehörten, bestand aus einem "Sitzenden" und einem "Ruhenden" Rat, d. h. nur jeweils ein Drittel der Mitglieder beteiligte sich am Regiment.Im dreijährigen Turnus bestimmte dann der Sitzende Rat nach erfolgter Ratswahl den neuen Rat der folgenden Ratsperiode. Auch hier war der Anteil der Ratsmitglieder aus der Altstadt am größten, gefolgt von den übrigen Weichbilden.Zahlenmäßig standen die Vertreter der "Gemeinden" (Geschlechter) an der Spitze, gefolgt von den Gilden der Wandschneider, Wechsler und Goldschmiede, während die Gilden der Gerber, Schuster, Schneider, Knochenhauer, Bäcker und Schmiede den geringsten Anteil bildeten. Die jüngeren Gilden organisierten sich aus der Gesamtstadt. Aufsteiger rekrutierten sich aus Angehörigen bestimmter gewinnbringender Gewerbe oder des Kaufhandels. Die entscheidenden Ämter blieben immer in der Hand der traditionellen Elite.

1.4 Soziale Aufstände und Unruhen.

Der Ausbruch städtischer Konflikte hatte seine Ursache zum einen in unterschiedlichen Interessengegensätzen innerhalb der Stadt selbst, zum anderen konnten Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Territorialherrn ihren Einfluss auf innerstädtische Belange ausüben, wenn Einbußen oder neue Zugriffsmöglichkeiten entstanden. Auch kriegerische Auseinandersetzungen, in die das Reich verwickelt war, und zu deren finanzieller Beteiligung die Stadt durch Abgaben verpflichtet wurde,wirkten sich auf das städtische Leben aus, zumeist jedoch von dem einfachen Bürger, dem "Hans hinter der Mauer" als ursächlich dem Rat zugeschoben.


Ungelöste Konflikte, wobei zwischen Interessen- und Wertkonflikt unterschieden werden muss, weiteten sich zur Unruhe aus. Schlugen Lösungsversuche fehl oder waren unzureichend, brach Unruhe aus, die außerinstitutionell zur Lösung drängte. Die Unruhe konnte sich zum "Auflauf" (uplop) oder als weitere Folge zum Aufruhr oder gewaltsamen Aufstand ausdehnen.


Die Aufstände in der Stadt Braunschweig reichen von der "Schicht der Gildemeister" 1293/94 über die bedeutsame "Schicht des rades" in den Jahren 1374 bis 1386, die eine Änderung des Rates zur Folge hatte, die "Schicht der unhorsem borger" 1445/46, die Schicht "Ludeke Hollands" 1487-1489 bis zum "Aufruhr der Armut". Allen gemeinsam waren Unzufriedenheit unter den Bürgern auf grund von fiskalischen Belastungen, Zwietracht unter den vornehmen Geschlechtern und Auseinandersetzungen innerhalb der Gilden. Von einer Konfrontation "sozialer Schichten", oder einer Revolution der "unterdrückten Klasse", einem Gegensatz Geschlechter - Handwerk ist die Rede in marxistischen Positionen.

Immer auch haben sich benachteiligte Mitglieder des Rates oder von ihm ausgeschlossene die Erregung der Volksmassen zunutze gemacht, sich an die Spitze dieser Bewegung gestellt, um an die Macht zugelangen.


Die "Schicht Ludeke Hollands" führte zu einer kurzzeitigen Etablierung eines neuen Regiments, in dem der Einfluss der Ratsherren aus den patrizischen Geschlechterfamilien zugunsten neuer Männer aus dem Handwerk, vor allem Kürschner, Gerber, Beckenwerker und Knochenhauer zurückgedrängt wurde. Die alten Verhältnisse wurden zwar 1491 wieder hergestellt, jedoch unter Integration eines Teils der Unruhestifter. Ausgangspunkt waren außergewöhnliche finanzielle Belastungen der Bürger durch fiskalische Maßnahmen.

Zur besseren Kontrolle des städtischen Finanzwesens wurden schließlich Gildevertreter ernannt, die sog. "Zehnmänner" und "Geschickten"


Auch persönliche Rivalitäten der Ratsmitglieder untereinander sowie Konflikte innerhalb der Gilden zwischen einflussreichen Meistern und einfachen Mitgliedern kamen hinzu.

Die Forderungen, die in diesen Aufständen zum Ausdruck gelangten, waren entweder mehr Beteiligung am Stadtregiment oder, wie im "Aufruhr der Armut", die Änderung oder Beseitigung bedrückender Lasten.

Hier hatte die Stadt infolge von Geldnot durch militärisches Engagement und Fehden die Verdoppelung der Schoßzahlungen verfügt, ebenso eine Erhöhung des Mühlenpfennigs für das Mahlen von Getreide und Malz an den städtischen Mühlen, was besonders indirekt die ärmeren sozialen Grippen und einige Gewerbe empfindlich traf.Daraufhin rotteten sich die allerärmsten der Gilden, wie Zimmerleute, Lehmkleiber, Schweinetreiber, Steindecker, Schuhflecker, Hopfengräber und Kohlenträger, Badeknechte und Schlächter zusammen und stürmten zum Hagenhause, wo ein Teil des Rates auf die Bürger wartete, um ihnen den Schoßeid abzunehmen. Sie erschlugen den ihnen entgegentretenden Henning Grünhagen und zogen zum Rathaus, während Bürgermeister und Rat aufs Gewandhaus und in die Altstadt flohen. Auch das Barfüßerkloster und verschiedene Häuser der Reichen wurden geplündert. Da diese Gruppe ihre Forderungen nicht selbst artikulieren konnte, wählten sie ein Ratsmitglied, welches seit einem Jahr unter Hausarrest stand zu ihrem Fürsprecher. Der Rat zeigte sich verhandlungsbereit, war bereit, den Schoß zu erlassen und den Mühlenpfennig wieder herabzusetzen, sogar unter der Versicherung, dass niemand wegen des Auflaufs verfolgt werden würde. Diese berieten erneut einen Aufstand. Währenddessen schwuren Rat, Gildemeister und Hauptleute einen Eid, dass sie einander beistehen wollten und jeden weiteren Auflauf bestrafen wollten. Man bewaffnete sich, überzog die 5 Weichbilder und nahm drei Aufrührer fest, die bald darauf hingerichtet wurden.


Ob der Rat sein Versprechen gehalten hätte, ist fraglich; immerhin waren schon Vertragsbriefe aufgesetzt. Die finanziellen Schwierigkeiten wurden aufgefangen durch die Erhebung einer Beisteuer bei Gilden und Gemeinheiten, die Reichen muten dem Rat unverzinsliche Darlehen gewähren und der Mühlenpfennig wurde nur um ein Geringes angehoben.

Die Zugeständnisse des Rates zeigen, dass man auf jeden Fall Straßenunruhen vermeiden wollte, aus Sorge um die Sicherung der Handelswege. Es war im Interesse der Geschlechter, dass Zufriedenheit in den "Meinheiten" herrschte.

1.5 Die Pfarrkirchen und Klöster

Das Patronatsrecht über die beiden großen Stiftskirchen St. Blasius (Dom), im Burgbezirk gelegen, und St. Cyriacus, dem südlich der Stadtmauer gelegenen Kloster zugehörig, übte der jeweilige Landesherr aus, ebenso über das Kloster St. Aegidien. War letzteres der Stadt weitgehend integriert - die jeweiligen Äbte pflegten als Söhne ihrer Stadt gute Verbindungen zum Rat - , so war um den Stift St. Blasius ein steter Kampf zwischen Bürgergemeinde und dem Herzog In diesen drei "Freiheiten" galt kein Stadtrecht. Zu Beginn der Reformation sollte es jedoch recht unterschiedliche Reaktionen an diesen Stiften geben. Während im Kloster St. Aegidien und an der nahe gelegenen St. Magni Kirche die ersten lutherischen Predigten gehalten wurden, mussten am Dom per Dekret des Rates der evangelische Gottesdienst eingeführt werden.


Zu den drei Institutionen gehörten zahlreiche Kanonikate, Vikarien und Kapellen, sowie Zehntdörfer, Renten, Patronate und Propsteigut in der Stadt und im Sprengel bis in das Harzgebiet, nach Helmstedt und im Norden über Gifhorn hinaus. Während St. Aegidien heute noch als katholische Kirche der Stadt existiert und St. Blasien unter Hoheit der Landeskirche steht, ist das Kollegiatstift St. Cyriacus im Jahre 1545von den Bürgern der Stadt zerstört und eingeebnet worden. Man wollte dem Herzog, der nach seiner Vertreibung durch den Schmalkaldischen Bund, sein Land zurückerobern wollte, keine Gelegenheit geben, sich in unmittelbarer Nähe der Stadt festzusetzen.

In östlicher Richtung vor den Toren der Stadt befand sich das Kloster Riddagshausen, ein sehr reiches Kloster, einst von Zisterzienser Mönchen unter der Schutzherrschaft Heinrichs d. Löwen gegründet.Hier wurde Bruchgebiet urbar gemacht und Fischteiche angelegt. Neben umfangreichem Landbesitz bestand ein Außenhof in der Stadt, der "Graue Hof". In den Kämpfen der Stadt um ihre Selbständigkeit bildete das Kloster naturgemäß den Standort des Belagerungsheeres; in der Reformation war es Bollwerk der Katholiken, dass Hass und Wut der Bürger hervorrief.

Der Bettelorden der Franziskaner widmete sich der Seelsorge der Stadtbevölkerung und auch der Armenpflege. Am Bohlweg hatten die Dominikaner ihr Kloster. Ihre Gebäude wurden nach der Reformation anderen Zwecken zugeführt.

Das wichtigste Nonnenkloster befand sich ebenfalls außerhalb der Stadtmauern in Richtung Hildesheim. Von den Benediktinerinnen gegründet nahmen sie Anfang des 15. Jahrhunderts die Zisterzienserregel an In diesem Konvent, welches sich Hl. Kreuz nannte, lebten Nonnen, die überwiegend aus Patrizier- und Ratsfamilien stammten. Ihr Verhältnis zum Rat war bis Beginn der Reformation ungetrübt. Sie unterhielten auch gute Beziehungen zum Fürstenhaus, obwohl oftmals Beschädigungen und Räubereien der herzoglichen Soldaten ausgesetzt. Sie erhielten Schenkungen von vogteifreien Hufen, konnten Mühlen erwerben und Anteile an der Lüneburger Saline. Mehrfach gerieten sie in Auseinandersetzungen mit dem Bischof in Hildesheim wegen einer Beisteuer und dem Chorherrenstift in Peine. Auf grund von Missständen sollte das Kloster im 15. Jahrhundert reformiert werden. Man warf den Nonnen Konspiration gegen die Geistlichen vor, Ungehorsam und unklösterliches Leben und Simonie. Bei den verschiedenen Aufständen stand das Kloster meist auf Seiten der Stadt.


Bei der Belagerung der Stadt durch Herzog Heinrich d. Ä. musste das Konvent in den "Grauen Hof", den Stadthof der Zisterzienser flüchten, da das Kloster besetzt wurde. Der Einführung der Reformation widersetzte man sich.

Die sieben Pfarrkirchen der Stadt, zumeist auf Gründungen im 12. Jahrhundert zurückgehend, wurden im 13, Jahrhundert zu großen Hallenkirchen umgebaut. Es war die Zeit, als Braunschweig der "Hanse" beitrat. Zu den Kirchen gehörten zahlreiche Capellen; in den Kirchen selbst jeweils eine Anzahl von Altären, die auf Stiftungen und Schenkungen zurückgingen. Damit verbunden war oft Landbesitz oder Zinserträge an Grundstücken.

So stiftete der Bürger Wasmond v. Kemme im Jahre 1434 an der Martinikirche in der Altstadt die St. Annencapelle nebst einem Altar darin. Er war mit folgenden Gegenständen ausgestattet: 2 Meierhöfe mit 10 Hufen Land, 2 Kothöfe mit 1 Hufe Land. Die Witwe des Stifters gab im Jahre 1460 noch 70 Mark Silber und 180 Rh Gulden hinzu, welche insgesamt 8 Mark und 15 Pfennige zinsten, wofür Memorien, Messen und Fest durch einen dazu angestellten Geistlichen gehalten werden sollten.

1484 stiftete Heinrich Becker durch Testament ein geistliches Lehen aus 600 Rh Gulden. Das Patronatsrecht wurde jedoch dem Rat der Altstadt für immer überlasen.


Seit dem Mittelalter versuchte der Rat, die Rechte der Stadt massiver und geschlossener gegenüber der Geistlichkeit zu vertreten. Wie man sieht, waren die Bürger angehalten, bei Schenkungen zum Wohle der Kirche die Rechte der Stadt mit einzubeziehen. Der geistliche Grundbesitz sollte begrenzt werden.


Da der Kirche zugefallene Liegenschaften hinfort der Stadt keine Steuern mehr einbrachten, verfügte man bereits 1325, dass kirchlicher Neuerwerb "binnen Jahr und Tag zu verkaufen sei".

Um den Grundbesitz der Kirche zu kontrollieren, begann man 1376 mit der systematischen Erfassung aller der Kirche gehörenden Liegenschaften. Um einen Überblick über den geistlichen Grundbesitz als Grundlage für die Besteuerung zu erhalten, legte man 1404 ein Verzeichnis, das "Goddeshusebok" an. Es war ein Register aller Immobilien, Renten und Kapitalien aller stadtbraunschweigischen Pfarrkirchen, Spitäler und Kapellen. Erfasst waren nicht nur die Rechte und Güter innerhalb der Stadtmauern, sondern auch schoßpflichtige und solche die befreit waren außerhalb der Mauern, ebenso alle Rechte aus Erb- und Hauszinsen. Dabei stellte sich heraus, dass der Anteil der vom Schoß befreiten Güter außerordentlich hoch war; eine lückenlose Erfassung war zudem nicht möglich.

Die Übertragung der Pfarrechte vom Blasiusstift auf die Bürger der Altstadt mit ihren 3 Kirchen St. Martini, St. Michaelis und St. Petri erfolgte durch Kaiser Otto IV. im Jahre 1204.

Die Bürgerschaft besaß das Recht, die Pfarrer selbst zu bestimmen und zu wählen. Da jedoch auch die Vermögensverwaltung der Kirchen in von der Stadt eingesetzten "Aelterleuten" oder Provisoren war und diese meist dem Patriziat entstammten, war kaum eine Einflussnahme der Kirchengemeinde an sich möglich.


Zahlreiche vom Pfarrherrn Abhängige lebten und arbeiteten an einer Kirche: Heuerpfaffen, Praedikanten, Pfarrschüler, Chorschüler, "Schlafschüler"; diese schliefen in der Kirche und hielten Sicherheitswache, Opfermänner, die für die Verwahrung der heiligen Geräte und Öffnung und Schließung der Kirche verantwortlich waren und Glöckner.. Die Einnahmen der Priester erfolgten aus Renten an den Capitalien, mit denen die ihnen verliehenen Altäre dotiert oder beschenkt waren, Gebühren für Totenmessen, Memorien und Seelmessen.

Die von der Stadt eingesetzten Älterleute (olderlüde) gingen auf eine Auseinandersetzung zwischen Stadt und Klerus zurück, den sog. "Papenkrich" (1413-1424/25). Der Grund der Streitigkeiten waren Kompetenzschwierigkeiten bei der Besetzung der Pfarrämter zwischen päpstlich orientierten Geistlichen und denen, die dem Rat nahe standen. Die Einrichtung städtischer Schulen versuchte der Klerus umsonst zu verhindern, denn im Jahre 1419 bekräftigte der Papst durch eine Urkunde ausdrücklich die Gründung zweier Latein- Schulen: St. Martini und St. Katharinen.


Durch den Streit um die pastorale und sakramentale Versorgung wurden die Gläubigen direkt in den Papenkrich mit einbezogen: sieben Jahre lang blieben die meisten Kirchen der Stadt geschlossen. Der Konflikt weitete sich aus: Die Stiftsvikare stritten sich mit den Kanonikern von St. Blasien und St. Cyriacus um die Gestaltung kirchlicher Feste. Währenddessen besetzten Vertreter der Kurie die Kirche, den Vikaren ebenso wie den Stiftsherren bliebt der Zugang versagt. Der Stadtrat suchte zu vermitteln. Nach einem vergeblichen Eingreifen des Landesherrn, an den sich das Stift gewandt hatte, kam die Angelegenheit vor das Konzil von Konstanz. Auf grund des Urteilsspruchs konnte die Stadt für sich Erfolge verbuchen.


War dieser Konflikt Ausdruck von Kämpfen auf Seiten der Stadt um mehr Einfluss auf die Patronatsrechte, um Besteuerung des Klerus und um Beschneidung des Grundbesitzes der Kirche, so war es doch kein Angriff auf die Kirche als solche. Niemand bezweifelte sie als Institution. Die Einheit von Kirche und Stadt blieb, nur ihre Sonderstellung sollte eingeschränkt werden. Die Kleriker kollidierten mit dem neuen städtischen Gemeinschaftsgedanken, des "gemeinen nutzens".

Kap. 2 Der Einfluss der lutherischen Reformation auf das politisch-soziale Gefüge
der Stadt.

Für Für Luther lag die Kirche im argen. Als Mönch suchte er das Heil; ihn quälte vor allem die Frage: "Wie kriege ich einen gnädigen Gott?" Nicht durch gute Werke allein konnte der Mensch zu Gott finden, sondern allein durch den Glauben und die Gnade Jesu Christi. Politische Fragen waren für ihn von untergeordneter Bedeutung. Mit seiner Schrift gegen den Ablasstraf er jedoch die päpstliche Kirche an ihrer empfindlichsten Stelle.


Neben dem in der kirchlichen Praxis üblichen gegen Geld gekauften Nachlass der Sündenstrafen fanden in ganz Deutschland regelrechte Ablasskampagnen für bestimmte Zwecke, meist waren er kirchliche Bauten, statt. Der päpstliche Gesandte Kardinal Peraudi rief in Großveranstaltungen die Gläubigen zur Buße auf. Auch in Braunschweig fand 1502 eine große Prozession bis zum Dom statt. Ablassbriefe wurden ausgegeben. Gleichzeitig war es anscheinend notwendig, für die Kirche zu werben und der zunehmenden Kritik zu begegnen:

Wer an allen Feiertagen und Festen die Kirche St. Blasien besuchte und derselben hilfreich die Hand gab, sollte auf 100 Tage von der auferlegten Buße freigesprochen sein.

Der Kirche in St. Cyriaci wurde ein neues Marienbild gestiftet. Ablass erhielten auch diejenigen, die davor die Knie beugten und sonst ihre Devotion verrichteten.


Derartige Praktiken trafen nicht mehr das religiöse Lebensgefühl der Bürger. Die lange geglaubte Ansicht, dass das Reich Gottes käuflich ist, führte zwar zu einem Anstieg der Stiftungen und Schenkungen für kirchliche Zwecke, gleichzeitig auch zu einem Zwang zur Leistung von guten Werken, da sonst das Seelenheil versperrt war. Ohnehin konnten diese Leistungen auch nur von Begüterten erfüllt werden. Luthers Rechtfertigungslehre n. Die materielle Veräußerlichung durch Bilder, Prozessionen und Altäre forderte Kritik heraus und führte zur Umkehr,

Luthers zweite große Schrift "An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung"enthielt weitere Punkte, die tief in den geistlichen, kirchlichen, politischen, sozialen und ökonomischen Bereich gerade auch der Städte eingriff. Das religiöse Leben, auf jahrhundertealten Traditionen beruhend, sollte sich radikal ändern. Neben der neuen Gestaltung der kirchlichen Zeremonien, wie der Messe, waren es vor allem folgende Bereiche, die Luther angriff:

- gegen Wallfahrten, Wallfahrts- und Feldkapellen.

- gegen neue Bettelklöster - die Klöster haben keine kirchliche

Funktion - sie sind u. U. als Schulen zu verwenden.

- Aufhebung des Zölibats einschließlich der Konsequenzen für die

Pfarrbesoldung.

- Änderung des Eherechts und der Speisegebote

- gegen Seelenmessen und Messstiftungen

- gegen Interdikt und Bann

- gegen Feste und Jahrmärkte, und gegen den

Heiligendienst

- gegen Bettelei und Bruderschaften.

- Reformierung von Universitäten und Schulen.

Die Lehre von der Priesterschaft aller Gläubigen bedeutete weitere wichtige Eingriffe in die Autorität der Kirche, denn dadurch war die schon geforderte Eingemeindung des Klerus nach dem Gleichheitsprinzip geboten, wenngleich auch unter anderen Gesichtspunkten. Die Pfarrwahl sollte aus der Gemeinde selbst erfolgen, was den Forderungen nach mehr Einfluss auf die Patronatsrechte im Hinblick auf die Besetzungen von Pfarrerstellen durch den Rat entgegenkam.


Bernd Moeller sieht in Luthers Lehre das theologische Fundament für die Idee der Genossenschaft in der Stadt. Der Gemeinde wurde dadurch eine angemessene Ideologie geschenkt. Und die Wiederbelebung des ursprünglichen Christentums führte das städtische religiös-politische Bewusstsein auf seine eidgenössischen Ursprünge zurück.

Die Erfüllung dieser Forderungen kam Obrigkeit sowie Bürgerschaft der Stadt sehr entgegen. Einiges war schon seit langem selbst in Angriff genommen worden: Die Einflussnahme bei Stiftungen von Seelmessen, Mess- oder Altarpfründen, zu deren Kontrolle nicht mehr Archidiakon oder bischöfliche Behörde berufen, sondern vom Rat abhängige und von ihm eingesetzte Kirchenpfleger. Der weiteren Gründung von Klöstern hatte sich die Stadt bereits im Jahre 1307 widersetzt.

Kap 3 Die Verbreitung der Reformation in Braunschweig

Hatten die vorreformatorischen Aufstände in der Stadt gezeigt, dass eine Anpassung des politischen Systems an die jeweiligen materiellen Bedürfnisse der Bewohner und die Befriedigung ihres Mitspracherechts für den sozialen Frieden innerhalb der Stadt notwendig war, so zeigte die reformatorische Bewegung, dass die Anerkennung einer neuen religiösen Mentalität ebenso die hierzu notwendigen rechtlich-verfassungsmäßigen und institutionellen Veränderungen erforderte. Die Reformation war keine politische Revolution, da die ersten Protestanten keine gewaltsame politische Revolte anstrebten, aber sie gewannen politischen Einfluss.


Die Durchsetzung der Reformation war vor allem davon abhängig, wann und in welcher Form die politische Elite bereit und in der Lage war, die reformatorischen Forderungen der Bürgerschaft aufzunehmen, denn wenn sie von seiten des Magistrats keine Unterstützung findet, kann sie sich innerhalb der Schranken der Sozialkontrolle nicht entfalten, außer sie wird zur oppositionellen Bewegung, in dem sie durch Störung der bestehenden Ordnung auf Erfolg hofft. Dann läuft sie aber Gefahr, mit sozialem und politischem Aufruhr identifiziert zu werden.


Im Gegensatz zu den bisher aufgezeigten Interessenkonflikten kann die Reformation als Wertkonflikt angesehen werden, in der es um grundsätzliches Infragestellen von Wertvorstellungen ging.


Bei der Betrachtung der Reformation in Braunschweig ergibt sich ein vielfältiges Bild. Weder kann von einer "Volksreformation" noch von einer "Ratsreformation" gesprochen werden. Eine soziale Konfrontation von obrigkeitlicher Ratsherrschaft und städtischer Gemeinde war nur kurzfristig vorhanden, da sich auch intellektuelles reformatorisches Potential in den Kreisen der bürgerlichen Führungsschicht ausgebreitet hatte. So konnte die Auseinandersetzung mit den reformatorischen Gruppen auf vorwiegend verbaler Ebene erfolgen


Die Reformation entwickelte sich von der Verbreitung der evangelischen Predigt (Auslegung der Hl. Schrift) über die Formierung teilweise militanter Volksbewegung, deren Äußerungen aber in programmatische Appelle und rationelle Argumente übergingen, bis zur Festigung durch das Stadtregiment, welches sich teilweise in der Zwangslage befand, die Reformation unterstützen zu müssen, um Unruhe und Anarchie zu verhindern, teilweise aber auch Reformer in den eigenen Reihen fand, die von der Notwendigkeit eines Wechsels überzeugt waren.

Vom Beginn der Reformation bis zu ihrer Etablierung durch den Rat lassen sicheinzelne Phasen von der Struktur her erkennen:

1. Auftreten von Missständen in der Kirche. Krisenbewusstsein.

Sozial mobile Bürger tragen Kenntnisse über das Geschehen in

Wittenberg und Luther in die Stadt. Anhängerschaft unter denBürgern.

2. Prediger, hauptsächlich Prädikanten, zumeist in Wittenberg

studiert, initiieren aus der Hl. Schrift und sorgen für die Verbreitung.

3. Artikulation des Protests. Bildung von Bürgerausschüssen.

4. Eingreifen des Magistrats und Konsolidierung. Institutioneller Wechsel

3.1 Reformatorische Zirkel und beginnende öffentliche Diskussion.


Im folgenden werden die einzelnen Phasen in chronologischer Abfolge ausführlicher dargestellt.

Bereits im Jahre 1518 tritt der Braunschweiger Drucker Hans Dorn als Verleger lutherischer Schriften auf.

Nicht nachzuweisen ist die Wirkung der zu dieser Zeit bereits zahlreich erscheinenden Flugschriften gegen den Klerus und die Papstkirche im Allgemeinen. Möglich ist auch das Bekannt werden Luthers durch Fernhandelskaufleute. So ist Bertram vom Damm, Mitglied einer wichtigen Ratsfamilie ab 1523 Kontakt zu Lutheranern nachzuweisen. Die Erkenntnis, dasjenige abzuschaffen, was seine Bedeutung verloren hatte und statt dessen Einrichtungen ins Leben treten zu lassen, die auf einen besseren Zustand berechnet war, setzte sich noch bei vielen anderen durch: so bei Johann Laffards, Rector des Martineums, dem Zöllner Marsilius, bei Nicolaus Decius, Probst von Steterburg, dann Lehrer der Katharinenschule und Heinrich Stappensen, später Hofmeister bei Herzog Julius.


Ebenfalls in diese Zeit fällt die Vertreibung des Antonius Corvinus aus dem Kloster Riddagshausen. Er wurde der Anhängerschaft Luthers bezichtigt. In den Klöstern bildeten sich offensichtlich vereinzelt Widerstände gegen die alte Lehre. Anzahl und Namen der Mönche und Nonnen sind noch wenig bekannt, außer sie tauchen später als Theologen, Pfarrer oder Reformatoren auf. Von Corvinus ist bekannt, dass er 1528 in Goslar als Pfarrer tätig ist, später wirkt er mit bei der Reformation in Northeim, Lippe und Hildesheim und wird Superintendent bei der Herzogin Elisabeth von Calenberg-Göttingen, als diese 1542 in ihrem Territorium die Kirchenordnung einführt.

Bekannt geworden ist auch, dass Thomas Müntzer sich von 1514 bis 1522 in der Stadt aufhielt. Er predigte an der St. Martinikirche, indem er am dortigen Marienaltar ein Altarlehen innehatte.

Auch nach seinem Weggang pflegte er Kontakt zu Braunschweiger Fernhändlern, so zu Hans Pelt. Diese standen dem Rat nahe oder hatten Ratsämter inne. Über den Grund des Weggangs Müntzers ist nicht bekannt.

1523 kam ein weiterer Anhänger Luthers in die Stadt. der bereits als Dichter scharfzüngiger Epigramme bekannt war: der Arzt und Humanist Euricius Cordus. Aus Erfurt kommend war er einem Ruf des Rates gefolgt, um bei einem festen Jahresgehalt als Stadtphysikus zu arbeiten.In einem Brief an seinen Freund Lange, den Reformator Erfurts gibt er seine Eindrücke wieder.Er klagt über den horriblen Aberglauben, über die Unwissenheit und Verstocktheit in religiösen Dingen, die Priesterschaft und Volk beherrsche; alle Fabeln würden geglaubt, nur Christus sei dem Volk eine Fabel. Das Evangelium könne man dem Volk auf keine andere Art bringen, als das man es unter ihr Lieblingsgetränk, die "Mumme" mische. Auch stellten sich Patienten und Zahlungen nicht so ein, wie erhofft. Die Mönche würden Geheimmittel verkaufen und Kurpfuscher ihm die Patienten rauben. Auch berichtet er von Verfolgungen der Bürger, "die geächtet und verprügelt werden, die in dieser Sache nur den Mund auftun". Er befürchtet einen Tumult, "denn täglich wachsen die Aufstände gewisser Bürger, die Anstoß nehmen an der allzu gottlosen und strengen Bestrafung der Evangelischen durch die Herrschenden. Verbreitet werden Flugschriften gegen die Priester."
Er selbst bekennt sich offen als Luthers Parteigänger, da "jene lutherische Partei, wie auch immer sie jetzt beschaffen sein mag, auch durch die Macht des Kaisers und des Papstes weder vernichtet noch eingeschränkt werden kann, ja dass sie täglich mehr und mehr sich ausbreitet." Er gibt den Rat, freien Zugang zu dieser Sache zu gewähren, Dadurch allein könne die auf eine Erneuerung der Dinge begierige Menge befriedigt werden. Dieser Brief gibt einen anschaulichen Einblick in die ersten öffentlichen Auseinandersetzungen. Cordus hatte indessen durch seine Parteinahme schwere Anfeindungen zu ertragen. Er rächte sich mit einer Fülle satirischer Epigramme.
Zwei seiner Bücher entstanden in der Braunschweiger Zeit, sowie ein umfangreiches Gedicht an Kaiser Karl V., in dem er Luther verteidigt. Cordus verließ bald darauf die Stadt, obwohl sich hier das Bild gewandelt hatte und die lutherische Fraktion anwuchs. Aber auch sein in die Stadt kommender Freund Levin von Emden, der 1526 als erster Syndikus angenommen wurde, konnten ihn nicht am Fortgang hindern.

3.2 Der Mönch Gotschalk Kruse in St. Aegidien und seine Anhänger.

Von herausragender Bedeutung in den Anfangsjahren der Reformation war der Mönch Gottschalk Kruse. Aus einer Bürgerfamilie der Stadt stammend war er als Kind im Jahre 1508 in das Kloster St. Aegidien gegeben worden. Nach Ablegung der üblichen Gelübde sandte ihn der Abt nach Erfurt, wo er nach dem Studium an der Artistenfakultät sein Bakkalaureats-Examen ablegte. Nach eigenen Darstellungen in seiner Rechtfestigungsschrift, der "Unterrichtung, warum er aus seinem Kloster gewichen", hat er dort "die Erkenntnis rechter göttlicher Wahrheit nicht finden können". Nach der Rückkehr geriet er in schwerste Gewissensqualen. Ein Braunschweiger namens Peter Hummel wies ihn auf die Schrift Luthers gegen den Ablass hin, worauf er in Zweifel geriet, ob "die Päpste denn irren können".
Der Prior des Klosters Hermannus Boekheyster hatte Luthers Auslegung des 110. Psalms gelesen. Cruse "schämte" sich, sie zu lesen, da sie in deutsch geschrieben war, fühlte aber dort "mehr Geist und Wahrheit als in anderen Büchern und begehrte mehr zu lesen. Seine Freunde wollten nun, dass er seine Studien mit dem Doktorat abschließen solle, und so wurde er 1520-21 in Wittenberg immatrikuliert. Es war die Zeit, als Luther seine Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen" veröffentlichte, die Bannandrohungsbulle verbrannt wurde und Luther nach Worms aufbrach. Für Kruse bedeuteten diese Monate die Wendung zum lutherischen Theologen und Reformator.


Nach seiner Rückkehr ins Kloster gestattete man ihm, biblische Vorlesungen zu halten, durchaus nicht mit der Zustimmung aller Konventualen. Diese Vorlesungen, er erklärte das Matthäusevangelium, waren etwas Aufsehenerregendes; man kannte zwar die Schriften Luthers, aber das ein Mönche für Luthers Lehre eintrat und in seinem Sinne die Bibel auslegte, war neu. Zunächst nur für die Novizen gedacht, beteiligten sich bald auch "scholemester myt synen gesellen", andere Priester und selbst fromme Laien, sodass die Vorlesungen in den Remter verlegt werden mussten.


Es dauerte nicht lange, so wurde er verdächtigt, eine "Ketzerschule" aufgemacht zu haben. Die "unio cleri", der Zusammenschluss der weltlichen und geistlichen Prälaten in der Stadt brachten die Angelegenheit vor den Landtag in Salzdahlum, der am 2. Januar 1522 abgehalten wurde. Der Abt beteuerte die Unschuld Kruses. Doch wenig später erließ der Herzog sein Edikt gegen die Lutherische Ketzerei nur wenig später als das Wormser Edikt. Danach gebietet er, bei "den zwölf Artikeln des Glaubens und den Ordnungen und Satzungen der heiligen christlichen Kirche zu verharren, entgegen den vielen Artikeln, die Martinus Luther ausschreibt und anzeigt, wodurch unter dem gemeinen christlichen Volk Irrung und Missbrauch aufstehen möchte. Niemand soll sich hierdurch auf andere Wege bringen lassen, denn als unsere christlichen Vorfahren und Eltern bisher getan haben, noch sich anders zu halten, was Aufruhr und Zwietracht gebären möchte, bey Vermeidung unser peinlichen und schweren Strafe".


Die Auswirkungen des Edikts bekam Kruse bald in aller Schärfe zu spüren. Um Abt und Konvent nicht schädlich zu sein, begab sich Kruse nach dem zum Kloster gehörenden Dorf Volkmarode, welches damals zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg gehörte, und setzte seine Vorlesungen fort.Ein ebenfalls vertriebener Bürger, der Brauer Hans Horneburg suchte ihn dort auf. Kruse verfasste dort seine erste Schrift "Van adams und vnsem valle vnd wedder vperstandinghe", die er seinem Braunschweiger Freunde und Gönner Hinrik Reynhusen widmete. Nach einem erneuten Aufenthalt in Wittenberg wurde er noch einmal ins Kloster zurückgerufen, wo ihm nun auch die Doktoratsstelle und damit die "Remterlektion" übertragen wurde.Doch der Abt musste im Februar 1523 die Vorlesungen, die jetzt den Römerbrief behandelten, einstellen, da erneute Verleumdungen auftauchten, dass im Kloster ketzerische Lehren verbreitet würden. Kruse besuchte mehrmals den verbannten Hans Horneburg in Volkmarode.
Im März griff der Herzog ein, indem er mit 25-30 Reitern in Volkmarode einfiel, einen der Ordensbrüder verwundete und Horneburg ergriff und ihn in Wolfenbüttel gefangen setzte. Kruse, der sich zu der Zeit in Braunschweig aufgehalten hatte, verließ nun die Stadt und tauchte 1524 in Celle auf, wo er sich an der dortigen Reformation beteiligte. In der gleichen Zeit verfasste er seine "Unterrichtung", in der er sich vor allem mit dem Vorwurf, er habe Ärgernis erregt, auseinandersetzt.
Er unterscheidet zweierlei Ärgernisse: Das eine besteht darin, dass Christus das Evangelium von der freien Gnade verkündet und damit die Heuchelei und Werkgerechtigkeit der Pharisäer gebrandmarkt habe. Das andere besteht darin, dass statt des Glaubens falsche Lehren und Werke gepredigt würden. Zum Schluss bekennt er, er wolle lieber das allergeringste Handwerk ausüben, als ein Mönch oder Pfaffe sein.


Aus diesen Ereignissen geht hervor, dass die Lehre Luthers großen Einfluss ausübte und sie in allen wichtigen Punkten von einem Mönch verkündet wurde. Sie zeigen auch, dass die neue Lehre unter maßgeblichen Bürgern Anhänger gefunden hat.

Der Rat steht dieser Entwicklung defensiv gegenüber. Maßnahmen wie das Verkaufsverbot "lutherischer" Bücher und die Verhängung von Geldstrafen und Verbannung gegenüber Bewohnern der Stadt.

3.3 Der niedere Klerus predigt die Reformation. Abschaffung alt- kirchlicher Zeremonien.

Wie sehr auch die Union den Verlust der Anhängerschaft für die traditionelle Kirche fürchtete, beweist ein Beschluss, dass alle geistlichen Personen sich in ihrem Leben so verhalten sollten und in ihrem "Essen , Trinken und Kleidung", damit sie bei niemandem Ärgernis erregten.


Wie eindringlich die Öffentlichkeit an theologischen Auseinandersetzungen interessiert ist, zeigt eine Disputation 1524 anlässlich eines Provinzialkapitels der Franziskaner, die hier zusammenfassend auf grund einer Schilderung von Jürgens wiedergegeben werden soll: Dabei ging es um die Verteidigung der Heiligenverehrung und des Messopfers gegen die lutherischen Angriffe. Die Disputation sollten der Franziskaner D. Eberhard Runge einerseits und der Dominikaner D. Andreas Lüder andererseits führen. Da griffen eine Reihe von Bürgern ein und trieben die Mönchsprediger durch ihre gründliche Kenntnis der Heiligen Schrift in die Enge. Dabei tat sich zum ersten Mal der Rechtsgelehrte Autor Sander hervor.


Verboten wurde auch der Besuch auswärtiger Gottesdienste in dem Dorf Adenbüttel, welches schon im Lüneburgischen lag und wo die anscheinend reformationsfreundlichen Barone von Marenholtz das Patronatsrecht ausübten. Viele Braunschweiger sollen zu diesem Dorf gewandert sein, wo der Prediger Johan bereits das Abendmahl in beiderlei Gestalt austeilte. Eine evangelische Predigt in diesem Territorium war wohl nur möglich, da der Landesherr, Herzog Ernst, der Bekenner, bereits versuchte, hier die neue Lehre einzuführen.


Es waren zuerst die Predigten, im Unterschied zu den sonstigen Kommunikationsmitteln, wie Bücher und Flugschriften, die die Nichtleser der städtischen Bevölkerung erreichten. Pfarrer, Prädikanten und Mönche, durch die Lektüre lutherischer Schriften veranlasst, predigten von der Kanzel die neue Heilslehre, verkündeten Gottes Wort allein aus der Bibel und traten für die Abschaffung der Messe ein. Hauptthema der Predigten ist der Glaube im Zusammenhang mit der Rechtfertigungslehre. B. Moeller spricht von einem aggressiven Wahrheitsanspruch und pathetischer Überzeugungskraft dieser frühen Prediger.


In der Stadt gärt es. Flüchtlinge aus Schwaben und Thüringen, aus dem Bauernaufruhr, und entflohene Mönche und Nonnen aus den Klöstern tauchen auf.Während der schon erwähnten Disputation tritt der Prädikant Großkopf an St. Ulrici offen für das Luthertum ein. An der Kirche St. Magni predigt der Prädikant Curt Grotewahl zu Beginn der Fastenzeit 1525 gegen die Fastengebote. Beide werden von der Union verklagt, ihres Amtes entsetzt und aus der Stadt gejagt.

Doch die Bewegung greift weiter um sich. An einem Festtag wird in St. Martini von Petersen ein deutsches Lied angestimmt, sogar in der Schuhstraße singen Handwerker deutsche Kirchenlieder. worauf "die Pfaffen in die Häuser einfielen und die Leute schlugen". An der Stiftskirche St. Blasien ließ ein unbekannter Kaplan am 1. Ostertag 1526 ein Lutherlied, d. h. ein Lied in deutscher Sprache anstimmen. Angesichts dieser Kühnheit trat die Union und der Rat zusammen und berief sämtliche Prediger der Stadt auf das Kapitelhaus von St. Blasius, wo ihnen bei Strafe der Amtsentsetzung befohlen wurde, alle kirchlichen Neuerungen einzustellen. Den Vorsitz führte der Abt von St, Aegidien, Mag. T. Koch, der einstige Befürworter von Gottschalk Kruse.

Jürgens sieht im häufigen Auftreten von lutherisch gesinnten Predigern den Grund darin, dass diese auf Beschluss der Pfarrherrn nur für ein halbes Jahr angenommen wurden. Trotzdem erhalten auch Männer, die für ihre evangelisch ausgerichtete Predigtweise bekannt waren, neue Anstellungen, was auf einen Sinneswandel der Pfarrherrn schließen lässt. Dabei wechseln sie von Pfründenkirchen, die noch streng altgläubig sind, zu Pfarreien, die beginnen, die Kritik an der Heilspraxis zumindest zu dulden.


Im Frühjahr 1525 erhält der aus dem Zisterzienserkloster Riddagshausen entwichene Mönch Konrad Dume eine Prädikantenstelle an St. Andreas. Im gleichen Jahr wird an St. Martini Ludolf Petersen aus der Neustadt Prädikant. Auch an einer der ältesten Kirchen der Stadt. St. Michaelis, stellt der Pfarrherr Tiele Krüger, obwohl zu den höheren Stadtgeistlichen der Union gehörend, den Prädikanten Heinrich Lampe an.Lampe, ausgebildet an der St. Andreaskirche und an der Stiftsschule St. Blasien wurde 1524 Kaplan an St. Katharinen, bevor ihn Tiele Krüger annahm. Er weiß sich lutherisches Schrifttum zu beschaffen, obwohl er von seinem Pfarrherrn auf die Gefahr hingewiesen wird. Nach Jürgens hat er "mit Sicherheit nicht mehr die althergebrachte Predigtweise der scholastischen Erörterung oder der Nacherzählung von Legenden geübt, sondern biblische Auslegung geboten".


Auch an zwei Hospitälern der Stadt wirken lutherische Prediger: Johann Kopmann am Spital "Unserer Lieben Frauen" und Johann Bessel an der Siechenkapelle St. Leonhard.Die Prädikanten waren dabei ganz auf sich gestellt, denn sie hatten "von der Evangelischen Lehre noch keine sonderliche Anleitung" und nahmen daher das Neue Testament, wobei sie dann "nach Gelegenheit der Papisten Missbräuche allmählich entdeckten".Rehtmeier soll hier mit einigen Sätzen wörtlich wiedergegeben werden:
"Solche Art zu predigen kam dem Volk gantz neu und frembd vor, weil gar wenig Leute die Bibel oder deren Historien gesehen oder gelesen hatten, wurden also von den Fabuln ab- und zu den Texten der Bibel angeführet. Welches denn vielen Anlass gab, das Neue Testament und andere Christliche Bücher an sich zu kauffen, dieselbe fleißig zu lesen und nachzuschlagen... Und nachdem sie es also wahr befunden, giengen sie fleißiger denn vorhin zur Kirchen, dadurch die Hitze und Durst zur wahren Evangelischen Lehre immer zunahm, die Papistische aber immer tieffer in Verachtung geriet".


Sind solche Worte auch von Enthusiasmus geprägt, geben sie doch einen Eindruck von der Kritikfähigkeit, dem Bildungshunger und dem Eifer der Menschen. Der Widerstand war erwacht trotz Edikt des Herzogs, Verbot des Rates und Festhalten an der alten Lehre seitens des höheren Klerus. Diese erwiesen sich als vollkommen wirkungslos.


1527 kommt es in der Fastenzeit zu Zusammenrottungen Braunschweiger Bürger, wenn man den Aufzeichnungen eines westfälischen Mönches Glauben schenken darf, der von seinen Reisen, u. a. nach Braunschweig, wo er im Auftrage des Chorherrenstiftes Böddecken bei Paderborn Renten einzukassieren hatte. Er schreibt:

"Am Abend St. Gregor, es war Mittwoch nach Laetare, ritt ich in die Stadt mit großer Sorge und Furcht... Da stand es auf den Straßen nicht wohl... Denn wer mir entgegenkam bespottete und belachte mich ... und sie warfen mich mit Steinen und Dreck... Item bei Br. lag ein Dorf; dort war der Pastor auch in den Irrtum gekommen, so dass er auch den Leuten seines Kirchenspiels das heilige Sakrament in beiderlei Gestalt gab...Und es waren viele Bürger, die auch dahingingen...Der Rat wurde das gewahr und verbot das seinen Bürgern. Und als ich dort war, da waren von ihnen 20 bis 40, die hatten sich zusammengetan und wollten sämtlichst vor den Rat gehen, dass sie das ebenso bestellten...und sie wollten sehen, wer ihnen das verwehren würde. Und da möchte wohl ein großer Unwille von kommen, den Gott der Allmächtige zum besten fügen wolle; denn sie waren ganz angesteckt mit der neuen Ketzerei".


Der Klosterbruder bestätigt hier die Überlieferung, dass Bürger zum Dorfe Adenbüttel wanderten, um dort lutherische Predigten zu hören, und dass der Rat durch ein entsprechendes Mandat dieses zu verhindern suchte. Dergleichen Versammlungen sind sonst erst vom Ende des Jahres bekannt. Auch das Abendmahl wurde Ostern 1527 noch nicht in beiderlei Gestalt gereicht. Möglicherweise war man aber in dieser Richtung beim Rat vorstellig geworden.


Die Dinge gerieten jetzt in Bewegung. In einem Bericht Heinrich Lampes, inzwischen Prädikant an der Magnikirche, heißt es, dass sich am Karfreitag der bereits erwähnte Autor Sander und eine Reihe von Bürgern an den Rat in der Altewiek wandten, mit dem Ersuchen, man möge darauf hinwirken, dass auch Lampes Kollege, Johann Grove das reine Wort Gottes predigen möge.


An der St. Magni-Kirche entstand ein neuer Mittelpunkt der Reformation. Aus allen Weichbilden strömten die Menschen, um Lampes Predigten zuzuhören.Grove war zweiter Prädikant und predigte im alten Stil mit häufiger Zitierung scholastischer Theologen und antiker Philosophen. Der Weichbildrat von Altewiek hatte offenbar eine andere Einstellung, denn er forderte Grove tatsächlich auf, sich nach dem Verlangen der Zuhörer zu richten.

Als Grove am 1. Ostertag um 12 Uhr seine Kanzel bestieg meinte er, das Hausgesinde sei schon am frühen Morgen in der Kirche gewesen. Offensichtlich war er der Annahme, nur von dieser Gruppe ginge das Begehren aus. So predigte er noch nach seiner Art lateinisch und zitierte Aristoteles. Als er diesen Namen nannte, stand ein Schuster namens Becker auf und begehrte von ihm, dass er ihm die Wächter-Glocke läuten helfen sollte, um den Aristotelem zu vertreiben, den sie nicht mehr in der Kirche leiden wollten. Nachdem die Glocke geläutet, entstand eine Meuterei in der Kirche. "Darauf ward Herr Johann verzagt, stieg von der Kanzel hinunter, ging zur Kirche hinaus und kam nicht wieder".


Die Zuhörer hatten Grove also kontrolliert, und es gelang ihnen, über den Rat unmittelbaren Einfluss auf die inhaltliche Ausrichtung der Predigt zu gewinnen und den Prediger abzusetzen.

Bemerkenswert ist auch die Einstellung des Weichbildrates; in ihm waren offenbar genügend Anhänger der neuen Lehre, so dass auf das Begehren der Bürger eingegangen wurde.


Im Rat der Gesamtstat waren indessen die konservativen Kräfte noch in der Mehrzahl, obwohl er keine Geschlossenheit mehr aufweist, wie das Verhalten der Ratsherren aus der Alten Wiek in der Frage der Predigt bekundet.

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To allen Christgelouigen fromen mynschen beßondern der statt Brunswygk/ D. Godschalci Crußen Worumme hee gheweken uth synem kloester eyn vnderrichtunghe", vermutlich im Jahre 1523 in Wittenberg gedruckt. In: G. Zimmermann, Der Mönch G. Kruse, Initiator der reformatorischen Bewegung in Br.,1978

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Steinacker, Karl, Vom verschollenen u. verschwundenen Br., in: Vaterländische Geschichten

Täubrich, R.,Herzog Heinr. d. Jüngere v. Br.

Vogel, H., Euricius Cordus in seinen Epigrammen, Diss. 1932.

Vogler, G., Th. Müntzer u. die Städte, 1989

Walter, J., Rat u. Bürgerhauptleute in Br. 1576-1604

Wernsdorf, H.-G. v., Der für die Kinder deines Volkes steht. 800 Jahre Geschichte d. St. Michaeliskirche zu Br. 1157-1957. 1957

Zeidler, Monika, Chronik der Stadt Braunschweig

 

 

 


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