Waldveränderungen
Helga Gillmeister
Waldweg 3
38533 Vordorf
E-mail an die Autorin

 

Wald - Veränderungen

 


 1995
1996 / 97
1998 / 99 / 2000
 Frühling 1995  27. April 1996  5. April 1998
 21. Mai 1995  Pfingsten 1996  15. März 1999
 31. Mai 1995  Weihnachten 1996  6. April 1999
 9. Juli 1995  Ostern 1997  Pfingsten 1999
 6., 8., 12. August 1995  Pfingsten 1997  20. Juni 1999
 10. September 1995  15. Juni 1997  1. - 15. August 1999
  5. November 1995  5. Juli 1997  26. September 1999
 10. Dezember 1995  5. Oktober 1997  6. November 1999
  Heiligabend 1995    5. Februar 2000
 Weihnachten 1995    
  28. Dezember 1995    

 


 

 

F r ü h l i n g (30. April 1995)

Das Stück Wald, das hier beschrieben werden soll, liegt nördlich von Braunschweig an der Bundesstraße 4, nördlich des Mittellandkanals, auf der Grenze zum Landkreis Gifhorn. Als Feldmark "Sundern" bezeichnet liegt es nördlich und südlich zwischen Thune und Vordorf, östlich und westlich zwischen Meinholz und Eickhorst.

Es ist Landschaftsschutzgebiet und über verschiedene Wege aus den jeweiligen Dörfern zu erreichen. Nördlich von Thune steigt man eine kleine Anhöhe herauf, erreicht ein großes Feld, welches einschnittartig in den Wald hineinragt und von einem Weg durchtrennt wird, der sich nach Osten in den Wald fortsetzt. Im Westen reicht der Wald bis nahe an das Dorf Eickhorst heran und von Vordorf aus kann man ihn über den Mühlenweg und den Waldweg über eine Feldmark, früher "Tolln" genannt, erreichen.



Waldweg


Das an der B 4 gelegene Waldstück besteht zum größten Teil aus Eichen von mehr oder weniger umfangreicher Stammstärke. Im Frühjahr lange feucht, wurde früher "Schweineholz" genannt, da man hier in diesen Zeiten vom Dorf aus die Schweine hineintrieb, damit sie Eicheln fraßen. Dieser Teil des Waldes ist nur durch einen Weg zu erreichen, der Richtung Meinholz führt. Man gelangt über den Waldweg, der als "Sackgasse" bezeichnet, das Ende der Autostraße ankündet, über die Fortsetzung zunächst zum Waldrand. Am letzten Stück stehen Schlehenbüsche, Heckenrosen und Himbeersträucher. Wendet man sich rechts, führt ein kleiner Pfad an einer ehemaligen Eichenschonung vorbei, der dann in ein großes mit Gras bewachsenes Stück einmündet und auf ein Feld stößt. Hier ist der Waldrand mit einem tiefen Graben versehen, der sich in den Wald hinein weiter verzweigt.

An seiner Spitze befindet sich eine große Buche, die gleichzeitig als Jägersitz dient. Ein grünes Metallgestell führt den Baum hinauf. Ein weiterer Jägersitz, nicht so groß, steht am Waldrand.

Auf dem Graben tummelt sich eine Ente. Ein sehr seltener Anblick. Er zeugt davon, daß der Graben, im Gegensatz zu früheren Jahren und Jahrzehnten, kaum austrocknet und auch den Sommer über genügend Wasser bietet, so daß hier ein Entenpaar sich ansiedeln kann.

Um in den Wald hineinzugelangen, wendet man sich ein wenig nach links und kann dann einen geraden, grasbewachsenen Weg entlanggehen, nicht ohne an einer Sperre für größere Fahrzeuge entweder am Rand eines weiteren Grabens vorbeizugehen oder sie zu übersteigen. Nach einigen hundert Metern gelangt man an eine Abzweigung. Rechts führt ein kleiner Pfad in den Wald hinein, links wird der größere Weg als Forstweg weitergeführt, der schließlich sich wieder gabelt an einem Weg über das Feld - man sieht in einigen hundert Metern die Autostraße und auch die wenigen Häuser der Siedlung Meinholz. Geht man links weiter, kommt man schließlich wieder aus dem Wald heraus. Der Weg führt an einem Feld vorbei und an einer Weide. Er ist mit Birken und Buschwerk umsäumt.

Um den Graspfad zu erreichen, der tiefer in den Wald hineinführt, muß man einen Graben überqueren, d. h. man kann ihn eigentlich nur überspringen. Man sucht eine schmalere Stelle, die man nach Bedarf mit Hölzern abdeckt und macht einen großen Schritt. Der nun folgende Weg ist auch im Sommer meist feucht. Das saftige hohe Gras überdeckt schlammige Pfützen, denen man ausweichen muß, indem man sich rechts in den Wald begibt und zwischen den Stämmen über Laub und Unterholz sich einen Weg sucht. Der Eichenwald wechselt nun zum Buchenwald. Links des Grabens wächst eine Kiefernpflanzung. Die Bäume stehen dicht, fast berühren sie sich oben über dem Weg. Die Buchen haben ihre Knospen ausgetrieben, klein und hellgrün, während die Eichen nur erst wenig grün zeigen.
Lediglich das Unterholz ist weiter ausgetrieben. Im Eichenwald lichtet es sich. In den letzten Jahren hat man hier kräftig ausgeholzt. Die verbliebenen Stämme haben sich noch nicht ausgebreitet, es ist hell im Wald.



an der Weggabelung Richtung Eickhorst

Der Weg endet, indem er auf einen größeren, fast eine Straße stößt, die sich gabelt, und die im Bogen entweder geradeaus oder nach links führt. Ein großes Dreieck markiert diese Stelle. Rechts ist eine Anpflanzung zu Ende, eine schmale Schneise führt zum Waldrand, den man jedoch kaum ausmachen kann. Früher befand sich ein hölzerner Jägerstand unter den Bäumen. Nach und nach will man diese wohl gegen stählerne auswechseln.

ein alter Forstweg mit Jägerstand


Der Wald verändert hier sein Gesicht. Linker Hand geht man nun an dem Kiefernstück entlang. Unter den hochgewachsenen Stämmen wachsen Farne. Während auf dieser Seite nur ein niedriger Graben das Gebiet einsäumt, befindet sich auf der anderen Seite ein tieferer breiter, in dem zumindest am vorderen Stück sich zumeist Wasser befindet. An der Ecke dieses Stückes, welches aus einem Mischwald besteht, wachsen einige Lärchen, hoch und dick. Sie müssen ein beträchtliches Alter aufweisen, denn ihre Stämme sind knorrig und die Äste hoch.

Kleinere Forstwege, meist stark durchnäßt, gehen links und rechts vom befestigten Weg ab. Der zweite Weg links führt zu einem Bienenstand. Ist man längere Zeit nicht dort gewesen, befindet man sich im Zweifel, ob es der richtige Weg ist. Beide Wege enden auf dem Feld, man kann ein Stück den Waldrand entlanggehen, doch dann hört der Weg auf und man muß über das Feld laufen, um dann wieder auf einen der Wege zu gelangen, die die Felder gegeneinander abgrenzen.

Der Bienenstand besteht aus einem niedrigen Zementbau und streckt sich lang hin. Es sind massive Häuser, nach Süden hin für die Bienen mit Schlupflöchern versehen. Wagt man es, in die Nähe zu gehen, kann man auf einer kleinen Bank Platz nehmen und den fliegenden Bienen zusehen.

Wieder zurück auf dem Weg, führt dieser nun wiederum an eine Kreuzung, an der sich links auf moosigem Boden ein kleiner Pavillon befindet. Geradeaus wird der Weg immer spärlicher um sich schließlich im Wald zu verlieren. Um weiter zu kommen, geht man rechts entlang; es geht etwas bergab. Unter den Stämmen wachsen hier besonders viele Buschwindröschen. Am Ende des Weges führt es wieder etwas bergauf, was zwischen den Stämmen seltsam anmutet, fast als hätte man eine Wand zwischen den Bäumen aufgerichtet. Der Blick schweift über das Feld. Gegenüber ein Waldstück und nach Süden zu die Ortschaft Thune, etwas weiter die großen Raffinerietanks am Mittelland-Kanal. Es sind in den letzten Jahren mehr geworden; lange Zeit waren es nur zwei. Auch die Häuser des Dorfes dehnen sich weiter Richtung Wald hin aus. Reihenhäusersiedlungen sind entstanden. Warum nur immer eine Einschränkung der Natur, des Waldgebietes, warum nicht mal eine Ausdehnung?

Thune



Jedesmal, wenn ich wieder den Wald betrete - mindestens einmal im Monat gehe ich wenigstens bis zum Waldrand - zumeist aber an mehreren Tagen hintereinander dann die verschiedenen Wege, die ich auch manchmal verlasse. Ich kenne den Wald so gut, daß ich mit Sicherheit wieder auf einen der Wege stoße.

Am Feld angekommen kann man wählen zwischen einem Grasweg am Waldrand und dem Weg zwischen den Feldern hindurch, der an der anderen Seite wieder hinauf in den Wald führt. Die entgegengesetzte Richtung führt dann in das Dorf Thune. Hier ist der Weg asphaltiert. Geht man diesen nach rechts hinauf in den Wald, so sieht man Weiden, auf denen sich zuweilen mehrere Pferde befinden. Zu dieser Jahreszeit befanden sich noch keine Tiere dort. Oben angekommen, gabelt sich der Weg. Er führt am Rande entlang, bzw. hinter eine Reihe von ca. drei bis vier Bäumen. Der Weg ist breit und glatt gefahren. Auch hier wieder Sperren und der Hinweis "Forstweg". Auch das dreieckige Schild, grünumrandet mit der Aufschrift "Landschaftsschutzgebiet" befindet sich wieder dort, nachdem es einige Jahre verschwunden war. Man hatte es beschmiert, entfernt und zunächst nicht wieder erneuert.

Landschaftsschutz und Forstwirtschaft


Geht man rechts entlang, so kommt man bald wieder zu der Stelle, die in den sumpfigen Grasweg mündet, es sei denn, man geht einen breiten Weg hinunter, der dann schließlich eine Knick macht und aus dem Walde hinausführt, wo man über den "Mühlenweg" wieder in das Dorf Vordorf gelangt.

Wendet man sich nach links, so schlängelt sich der Weg, es ist mehr ein Pfad, durch Bäume hindurch, über Wurzeln hinweg, vorbei an einem Dickicht aus Tannen. Dann wird der Weg wieder breiter, man gelangt an eine Waldwiese, auf der eingezäunt so ab Mitte Mai Ponies grasen. Ende April war es noch zu kühl dazu. Der Weg ist schattig, die Zweige der Bäume haben sich ausgebreitet. Der Weg liegt stellenweise tiefer als der Wald. Dann mündet er wieder an einer Lichtung auf der sich linkerhand ein kleiner Teich befindet. Als Feuerlöschteich angelegt, oder einmal ein Bombenloch gewesen. Seit ich denken kann, befindet sich dieser Teich dort. Doch niemals zuvor war er so voll gefüllt mit Wasser, wie in diesem Frühjahr. Auch hier ist ein Entenpaar ansässig geworden, das es wohl sonst kaum in den Wald verschlagen hätte, wäre nicht eine konstante Wassertiefe sicher oder ist über einen längeren Zeitraum so entstanden.

Der Feuerlöschteich ist oder zumindest war von einem Holzgeländer umgeben, jetzt schwimmen die Hölzer auf der Oberfläche herum.

Eickhorst


Vom Teich aus kann man auf einem kleinen Pfad nach Eickhorst gelangen, der sich zwischen den Bäumen hindurchschlängelt, von mal zu mal breiter werdend bis zum Waldrand hin, an dem ein Friedhof liegt. Auch hier ist eine Häuserreihe von Neubauten entstanden. Die Menschen, die dort ansiedelten, sind wahrscheinlich froh, so ein idyllisches naturnahes Plätzchen gefunden zu haben, doch die Ruhe des Waldes wird gestört, die Blick kann nicht mehr frei über Felder schweifen, wenn man herauskommt und das ist eine Einschränkung. Die Gefahr, daß ein paar Bäume gefällt werden ist groß - es verschwinden mehr Bäume, als angepflanzt werden - hier jedenfalls, das ist sicher. So hat man vor einigen Jahren eine ganze Reihe von Bäumen gefällt, um eine Lichtleitung entlangzuziehen. Heute sind zwar Büsche nachgewachsen, doch die große Oberlandleitung, inzwischen von einer zweiten Parallelleitung begleitet, stört das Landschaftsbild.

Im Teich wuchern Wasserpflanzen. Vor einigen Jahren war dort eine Seerose, doch sie trocknete ein, als das Wasser zu niedrig stand. Es ist anzunehmen, daß der Wasserstand mal wieder fällt, jedoch war der Wald noch nie so sumpfig. Überall auf Baumstümpfen und Ästen breitet sich Moos aus, was hübsch aussieht, doch fragt man sich, ob es dem Wald zuträglich ist, wenn ein großer Teil der Bäume monatelang unter Wasser steht. Auch Frösche und Kröten beherbergt der Teich. Ein breiter Weg führt Richtung Vordorf. Er läuft etwas erhöht entlang zwischen Gräben, die entwässern sollen. Auch hier hat man kräftig ausgeholzt. Längere Zeit lag das Holz, riesige Eichen- und Buchenstämme, am Weg entlang in den Gräben gestapelt, jetzt ist es endlich entfernt worden. Ich halte Ausschau nach markierten Bäumen. Werde weitere folgen? Doch hier ist wenigstens ein Fortbestand gesichert. Kleinere Bäume wachsen bereits nach und Gebüsch breitet sich aus. Auch hier riesige Mengen von Buschwindröschen, dann auch Efeu, welches sich teilweise die Stämme hinaufwindet.
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einige Häuser von Eickhorst reichen bis an den Waldrand



Wieder gabelt sich der Weg; es geht geradeaus weiter und auch nach rechts, wo man auf die Straße nach Eickhorst gelangt. Der Weg führt ziemlich gerade durch den Wald. Trotzdem ist es nicht langweilig, ihn entlang zu gehen. Der dunkle Weg, an dessen Rändern sich kleine Pflanzen angesiedelt haben, Huflattich, Gräser und Veilchen und auch natürlich auch Brennesseln, dann der Graben. Der Blick geht über Baumstümpfe, trockene Äste, niedriges Gehölz. Hier und da kommen schon die Blätter des Maiglöckchens hervor und auch wenige Pflanzen des Waldmeisters, der sich etwas zurückgezogen hat. Himbeergestrüpp, auch Brombeeren an den etwas helleren Stellen wachsen hier. Eine Jägerhütte steht vor einer Kiefernschonung. Die Fensterläden sind geschlossen.

Doch der Weg zurück nach Vordorf gibt wieder den Blick auf eine Absperrung frei, der man auf einer ausgetretenen Stelle etwas abschüssig ausweicht, vorbei an einem alten Grenzstein mit den Buchstaben K. H. (Königreich Hannover). Entweder geht man nun den Mühlenweg zurück oder aber wieder in östlicher Richtung auf den Eichenwald zu, um auf den Waldweg zu kommen. Der Mühlenweg ist geteert. Einige kleinere Eichen stehen am Rande. Früher waren hier ausgedehnte Viehweiden, heute wächst auch hier eine Siedlung von Fertighäusern weiter in die Landschaft hinein. Die Häuser stehen dicht bei dicht und durch die Kahlheit der Gärten ist es ein backsteinrotes kleines Häusermeer, welches sich am alten Dorfrand ausweitet.
 


 

 

 21. Mai 1995

Die hellgrünen Blätter der Bäume sind größer und voller geworden. An der Fortsetzung der Straße "Waldweg" steht einige hundert Meter nach dem letzten Haus eine uralte Eiche, die zu meiner Kinderzeit bereits knorrig war. Es sind eigentlich zwei Eichen. Sie stehen so dicht nebeneinander, daß sie von weitem wie eine einzige aussehen, wenn man näher kommt, wie Zwillinge. Sie ist nicht sehr hoch, dafür jedoch mit breit ausladenden Zweigen und Ästen. Sie stand früher an einer Viehweide, die nun zum Feld wurde. Ihr Stamm ist beschädigt, da Pferde sich daran stießen und schuppten. Dann hat man ihren Stamm mit feinem Draht umgeben, was heute nicht mehr notwendig ist. Der eine große Ast zum Weg hin ist fast völlig trocken; man hat hier auch einen großen Ast weggesägt, da er wahrscheinlich beim Durchfahren mit Erntemaschinen störte.


der Waldrand

Der Wald ist nun von weitem wie eine große grüne, dichte Wand. Das Gras an dem geraden Weg am Beginn ist höher geworden. Es wächst nicht nur Gras dort, sondern eine Vielfalt von anderen Kräutern, Stauden, Blumen und kleinen Gehölzen. Von der Brennessel bis zum Huflattich, von der gelben Sumpfdotterblume bis zum Löwenzahn. Vom Rainfarn bis zum Klatschmohn und der Kornblume, die an den Rändern des Getreidefeldes wachsen. Auch die violetten Kerzen des Weidenröschens strecken sich empor, Taubnesseln mit weißen Blüten stehen dichtgedrängt vor den Schlehenbüschen. Schafgarbe, Johanniskraut und Kletten stehen am Rande des Grabens. Mädesüß und Engelwurz, Sauerampfer und Schachtelhalm, Klee und Knöterich, Beifuß und Wegerich, Eisenkraut und Disteln, Bibernellen und Pastinak, Gänsefingerkraut und viele andere mehr, deren Namen ich nicht kenne.

Die Gräben sind fast ausgetrocknet, so daß man nun wieder leicht hinüber kann. Auch der sumpfige Weg ist besser begehbar. Hier haben Jäger einen neuen kleinen Jägerstand errichtet; nur ein Sitz, ohne Bedachung und nicht sehr hoch. Die Buschwindröschen sind nun endgültig verblüht, statt dessen steht Waldmeister dort und Maiglöckchen; jedoch nicht in großer Zahl. Man sieht Spuren im Gras, zertrampelte Pflanzen, achtlos zerbrochene Zweige, die den Pflückern wohl ins Gesicht schlugen und störten.

Beim Blick nach oben, sieht man nun Eichen, die nur spärlich belaubt sind, bräunliche Verfärbungen an den Blättern aufweisen; einige Äste sind völlig kahl. Auch abgestorbenen erkennt man nun, an denen fast kein Laub mehr ist. Die bräunlich-grünen Blätter kräuseln sich. Zum erstenmal wird das Ausmaß dieser Schäden nun sichtbar. Mag es zum einen das Dürrejahr, dann die folgende Nässe gewesen sein; in den Jahren zuvor fand man z. T. mehlig-weiße Blätter, jetzt aber viele der nun fast kahlen Kronen.

Auch am Ausgang des Waldes, wo neben einer etwas größeren Eiche eine kleinere mit schöner runder Krone sich emporreckte, ist diese nun gezeichnet. Möglicherweise hier von der Insektenbekämpfung geschädigt. Die Blätter sehen merkwürdig aus. Jedes einzelne Blatt ist von grün-brauner Farbe. Meine Hoffnung, daß es sich um Frostschäden handeln könnte, wird sich wohl zerschlagen, denn selbst wenn es Frost ist, so dürfte die Eiche angekränkelt sein. Ich werde sie beobachten. Nie mehr kann ich den Weg hinuntergehen, ohne diesen schönen jungen Baum zu betrachten, der nun wohl nicht mehr größer werden wird.  


 

 

 31. Mai1995

 

Die kleine Eiche scheint gerettet. Von weitem, allerdings nur von weitem sah ich, daß ihre bräunlichen kleinen Blätter nun grün geworden sind. Es muß wohl doch der Frost gewesen sein, der vorübergehend den Austrieb schädigte. Nächstens werde ich sie mir genauer ansehen. Ich ging nur den Waldweg hinauf, noch nicht einmal bis zum Waldrand, da ich nur einen Tag dort war. Der Wald ist nun grün, die Blätter der Bäume sind voll ausgebildet. Das zarte helle Gelbgrün ist einem satten Grün gewichen, das wohl im Laufe des Juni noch etwas dunkler werden wird.

Der Wald ist nun nicht mehr durchlässig; wie eine dicke grüne Masse, mal heller, mal schattig steht er still dort, immer höher werdend, wenn man auf ihn zugeht.

Die alten Pflaumenbäume am Waldweg sind nun buschig, nachdem die Blüte vorüber ist. Dort wo man sie beschnitten hat, haben sich kleine Zweige und Blätter gebildet, die um so dichter sind. Diese Pflaumenbäume sind merkwürdig. Ich meine mich zu erinnern, daß es früher normale dicke blaue Pflaumen waren, die auf ihnen wuchsen. Die Bäume sind nun verwildert. Am Stammausgang haben sich im Laufe der Jahre neue Äste gebildet, die fast so hoch sind, wie die alten Bäume. Die Früchte sind klein, entweder gelb oder rotblau. Sie schmecken sehr herbe, doch haben sie ein angenehmes Aroma und ihr Fruchtfleisch ist sehr weich.

am Dorfrand

Die alte knorrige Eiche ist nun auch voll belaubt. Nicht weit davon steht ein Schlehenbusch, in dessen Schatten eine ca. hüfthohe kleine Eiche gewachsen ist, sehr nahe am Wegrand. Ich fürchte, sie wird nicht mehr lange dort stehen, denn ein Trecker oder ein anderes Fahrzeug könnte sie niederwalzen. Schade, man müßte sie verpflanzen. Ich müßte einen Spaten nehmen und sie versetzen - an eine andere Stelle, wo sie ungestört wachsen kann. Seltsam, wenn ich an diese Bäume denke, scheinen sie fast wie Freunde zu sein. Sie sind beständig, wechseln ihr Aussehen, Vögel haben in ihnen Platz, sie spenden uns Sauerstoff, nehmen Staub und Schadstoffe auf. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes unsere Freunde. Man müßte sich ihnen mehr widmen, sie nicht nur ansehen und schön finden.

Am Graben wachsen die Gräser höher. Niemand mäht sie, wie es früher der Fall war. Schilf wächst dort und auch wieder die braunen Rohrkolben. Sie schienen verschwunden zu sein, ausgerottet, denn die Menschen mögen die langen braunen dekorativ wirkenden Fruchtstengel; können sie nicht stehen sehen, ohne sie zu pflücken, um sie zu Hause in Vasen zu stellen. Ich hoffe, sie breiten sich wieder aus.

 


 

 

9. Juli 1995

 

Brütende Hitze. Das Gras am Waldweg ist stellenweise gelblich-bräunlich geworden. Es wächst hoch. Da sich in diesem Sommer Feuchtigkeit und Hitze ausgleichen, wuchert alles. Die Büsche sind dicht.

Der Wald wirkt von einer Ferne von einigen hundert Metern wie eine große grüne buschige Wand. Ängstlich halte ich Ausschau nach gelblichen Farben und entdecke einige zwischen den dunkelgrünen. Hier sind die Kronen dünner als bei den anderen; die Schadstoffe haben hier ihre Wirkung getan.
Wie sagt Wiechert in seinem "Das einfache Leben" vom Wald, er sei nur mit so extremen Landschaften wie dem Meer oder dem Gebirge vergleichbar. Es ist zwar eine schwärmerische Naturbetrachtung, die seinen Helden aus der Stadt fliehen läßt, um auf einer Insel in einem See irgendwo in Ostpreußen sich als Fischer nieder zu lassen, doch es tut gut zu lesen, wenn auch in diesem Buch, es erschien 1957, von einer Umweltbelastung noch nicht die Rede sein konnte. Und so wird der Wald liebevoll beschrieben als ein Refugium, als ein Paradies, welches nur manchmal bedroht wird - durch Brand infolge Blitzeinschlags oder durch Insekten, wie dem Borkenkäfer. Ansonsten wird der Wald auch abgeholzt, um ihn dann wieder neu zu pflanzen. Die wenigen Menschen, die hier leben, sind im Einklang mit der Natur, der Förster, einer alter General mit seiner Enkeltochter sowie ein lediger Graf. Es kommen nur wenige Menschen hierher, so ein Bolschewik und ein Matrose, sowie die Frau des Helden, die hier an TBC stirbt.

Sonst wird das Leben, welches der Held wählt, der nach dem Krieg einen Sinn sucht, von den Jahreszeiten bestimmt, vom Wetter. Die harte Arbeit des Fischens im See, Feuermachen im Haus, Flicken der Netze und das Instandhalten der Boote regeln den Tagesablauf, der nur im Winter Muße läßt. Der Bibelspruch "wir verbringen unsere Jahre zu wie ein Geschwätz" läßt den Kapitän aufhorchen; er gerät in eine Krise und verläßt Frau und Kind, um auf dem Land zu leben. Daß er hier ihm wohl gesonnene Menschen findet, ja sogar Liebe eines jungen Mädchens findet, ist etwas unglaubwürdig. Aus anfänglich nur zeitweiligem Wechsel in eine neues Leben wird Dauer. Er lebt wie ein Mönch, nur schuldig werdend an seiner Frau, die letztendlich doch das Verlassensein nicht erträgt und dort stirbt. Auch der Liebe zu der jungen Adligen ist keine Erfüllung beschieden, da er verzichtet, weil er dem Alter nach ihr Vater sein könnte. Die Frau des Försters stirbt und der Graf, zu dem er sich hingezogen fühlt, der naturwissenschaftliche Studien treibt und eine riesige Bibliothek besitzt, wird von einem Aufständischen niedergeschlagen. Sein einziger Sohn ergreift seinen Beruf und wird Kapitän bei der Kriegsmarine. Er kann seinen Vater nicht verstehen, ja er gibt zum Ausdruck, daß das vom Vater geführte Leben, seiner Karriere schadet.

Auch die junge Adlige kann mit dem jungen Mann nichts anfangen. Es bleibt offen, wen sie heiratet. Daß sie heiraten wird und muß ist in ihrem Pflichtgefühl verankert. So schließ der Roman mit Hoffnung, wenn auch mit schmerzlichem Verzicht.

Mein Hund weigerte sich plötzlich, weiter zugehen. Warum er den Wald nicht mehr aufsuchen will, ist mir nicht erklärlich, vielleicht ist er auch nur zu alt geworden, um länger zu laufen. So ging ich mit ihm nur bis zum Waldrand, da das hohe Gras zudem naß war. Ich erstieg einen kleinen metallenen Jägerstand, band den Hund, der bald zu bellen anfing, unten fest und hoffte, Rehe zu sehen. Doch der Tag war bereits zu weit fortgeschritten. Am Abend zuvor sah ich eines am Waldrand und beim letzten Mal sogar ein kleines ganz aus nächster Nähe. Es verstand noch nicht zu wittern und sich zu sichern. Wir kamen bis auf wenige Meter heran, bis es uns endlich bemerkte, dann aber aufsprang und in vollen Sätzen Richtung Wald verschwand.


 

 

6., 8., 12. August1995

 

Trockenheit und sengende Hitze, als ich den Waldweg hinunterging. Das Gras an den Gräben ist gelb und trocken. Die Kornfelder bereits abgeerntet. Die gelben Stoppelfelder werden von Spatzen und Krähen bevölkert, die die restlichen Körner aufpicken. Ein reich gedeckter Tisch für diese Vögel.

Ich gehe weiter bis zum Waldrand, wo das Gras etwas grüner ist und Kühle mich umfängt. Der Hund weigert sich wieder, weiter zu gehen, was rätselhaft ist. Er bleibt stehen und fängt an Gras zu fressen, gierig die Halme rupfend. Vielleicht will er nicht in den Wald wegen der Zecken oder weil er über Äste klettern muß, denn oft gehe ich mit ihm quer durch das Dickicht. Ich kenne mich aus. Die Äste knacken unter unseren Schritten. Er muß springen, was seinen alten Beinen Schwierigkeiten bereitet. Alle Gräben, die vor einigen Monaten noch hohes Wasser führten, sind nun ausgetrocknet und wir kommen bequem hinüber. Der Weg jedoch ist nur unter Schwierigkeiten zu passieren. Hohes Gras, Brennessel, Büsche und Stauden wachsen an den Rändern, wuchern bis in die Mitte. Der Weg ist wenig begangen und so müssen wir uns die Schritte bahnen, Zweige beiseite schieben, die wieder zurückschlagen. Besorgt mustere ich die Blätter der Bäume. Das Laub einiger Eichen scheint gelb zu werden. Die Spitzen der Zweige sind lang und dünn. Manche Blätter sind weißlich überzogen. Andrea sagt, das sei eben der Kampf der Natur. Die Bäume werden nicht eingehen.

Beim dritten Spaziergang nehmen wir auch Charly mit, die gut laufen kann. Sie wollte auch ihr Dreirad mitnehmen. Wir gehen den Mühlenweg hinunter, um einen besseren Weg zu haben. Unter den schattigen Bäumen ist es etwas kühler. Auch ist es bereits Abend. Allerdings fangen die Mücken an, uns zu plagen. Wir gehen bis zur Lichtung, wo man über die Felder nach Thune hinunterblicken kann. Dann gelangen wir an den Tümpel, der als Feuerlöschteich dient. Eine dichte grüne Algendecke überzieht seine Oberfläche. Frösche hüpfen herum. Dann entschließen wir uns, nicht über den Mühlenweg zurückzugehen, sondern nehmen einen Weg, der an einem Jägerstand vorbeiführt, den wir erklettern.

Wir hoffen, Rehe zu sehen oder warten, daß ein Jäger kommt. Charly spricht ganz leise; ihr ist ein wenig unheimlich. "Warum sitzen wir hier?" fragt sie. "Wir wollen die Ruhe genießen", sage ich. Doch auch Andrea ist ungeduldig, während ich gerne noch sitzen bliebe. Wir sehen noch durch die Bäume hindurch und lauschen den Vogelstimmen, sehen schließlich auch einige Rehe, die vorsichtig zum Waldrand traben, um zu äsen.

Wir müssen nun quer durch den Wald. Es gibt keinen Weg mehr. Ab und zu ahnt man einen Pfad, der vielleicht von Jägern begangen wird oder auch von Rehen benutzt wird. Diese nehmen immer denselben Weg über Gräben, gelangen schließlich zum Waldrand, wo sie auf den Feldern grasen. Wir kommen an dem Dickicht vorbei, wo der Habichthorst ist. Von jeher nisten in den hohen Kiefern Habichte, die ihre ruhigen Kreise über die Felder ziehen.

Als es heller wird und wir schon die roten Dächer von Vordorf durch die Zweige schimmern sehen, bleiben wir betroffen stehen. Aus einen Baumstumpf steigt Qualm empor. Zuerst glauben wir Staub zu sehen, durch unsere Schritte aufgewirbelt, bis wir jedoch entdecken, daß aus dem hohlen Baumstumpf tatsächlich Rauch aufsteigt. Kinder scheinen hier Feuer gemacht zu haben, welches nicht ganz ausgegangen ist. Im Baumstumpf schwelt es. Wir erschrecken. Rund um den Stumpf liegen Steine und Farne wie zu einer Beschwörung.

Ich sage zu Andrea, daß sie nach Hause laufen soll, um die Feuerwehr zu alarmieren. Es besteht Waldbrandgefahr. Das trockene morsche Holz des Stumpfes kohlt weiter; wir können es nicht löschen. Ich bleibe dort und versuche mit den feuchten Farnen alle Ritzen zu stopfen, auch Steine werfe ich hinein. Doch der Rauch quillt immer wieder hervor. Nach einer geraumen Weile kommen zwei Autos den Waldweg hinunter. Ein Mann kommt den Waldrand entlang. Es ist ein Nachbar, der bei der freiwilligen Feuerwehr ist. Auch er erschrickt und meint, es müsse Alarm ausgelöst werden. Auch Andrea erscheint mit dem anderen Auto, welches Mengen von Staub aufwirbelt. Der Mann geht wieder. Ich bleibe mit Teddy zurück, der langsam ungeduldig wird. Ich binde ihn an einen Baum und warte. Schließlich kommt wieder ein Auto den Weg hinunter. Zwei Männer steigen aus, sehen sich den Stamm an und meinen, daß hier etwas unternommen werden müsse. Der eine ist der Brandmeister. Sie müßten mit dem Feuerwehrauto kommen, Äxte mitbringen und den Stamm zerschlagen. Es qualmt weiter. Schließlich gehen sie wieder. anscheinend haben sie es nicht ernst genommen. Ich verlasse die Stelle nicht. Wahrscheinlich habe ich eine Waldbrand verhindert.

Wenn nichts unternommen würde, könnte es passieren, daß wir nachts von einem roten Feuerschein geweckt würden, eine scheußliche Vorstellung. Ich meine schon, meinen geliebten Wald vernichtet zu sehen.

Nach einer weiteren halben Stunde, es wird langsam dunkel, kommt endlich das Feuerwehrauto, aus dem nun sechs Leute in roter Kluft herausspringen und sofort den Baumstumpf umranden. Falls wirklich unmittelbare Gefahr bestanden hätte, wäre die Vordorfer Feuerwehr nicht besonders schnell gewesen, denke ich, sage aber nichts. Es hätte wirklich ein Feuer ausbrechen können. Sie sind auch plötzlich ganz aufgeregt und erkennen die Gefahr.

Nun wird mit einer Axt der Baumstumpf aufgeschlagen und wir sehen am Boden in seiner Mitte tatsächlich rotglühendes Holz. Alle sind wirklich betroffen. Einer meint, sie müßten den Stamm roden. Einer meint, der Löschzug aus Meine müsse kommen, denn sie hätten nur wenig Wasser. Immerhin steht eine Spritze mit einem Behälter da. Nun, da keine Gefahr mehr ist, bzw. sie beseitigt werden kann, mache ich mich mit Teddy auf den Heimweg.

Die Männer sind noch einen Weile beschäftigt, doch bald fährt das Auto wieder den Weg zum Dorf zurück, von kaum jemandem bemerkt. Es schien für die Leute eine Abwechslung zu sein, besser jedoch ein Alarmieren als später eine Katastrophe zu erleben, die hätte eintreten können.

An einem der nächsten Tage gehe ich nochmals zu dem Stamm und breche mir eine Stück morsches verkohltes Holz ab und nehme es mit nach Hause. Es ist schwarz und riecht nach Brand. Eine unheimliche Vorstellung. Dabei nahmen wir nur zufällig den Weg. Wiederum zufällig war, daß wir gerade an der Stelle an den Waldrand kamen und den Stamm sahen. Wären wir einige Meter weiter vorbeigekommen, hätten wir nichts bemerkt. Es ist unwahrscheinlich, daß das Feuer von selbst erloschen wäre. Das Holz hätte weitergekohlt, trockenes Laub wäre aufgelodert. Eine unverantwortliche Sache von den Kindern bei dieser Trockenheit im Walde mit Feuer zu spielen.

 


 

 

10. September1995

 

Es hat in der Zwischenzeit stark geregnet. Unter dem trockenen Gras wächst neues grünes nach. Auf den Stoppelfeldern erscheint ein grüner Schimmer. Nicht aufgelesenes Korn ist aufgelaufen. Die Natur hat sich erholt. Der Weg durch den Wald ist jedoch noch immer trocken. In den Gräben kaum Wasser.

Die großen Lichtmasten sind verschwunden. Was bedeutet das? Werden die Kabel unterirdisch verlegt oder werden neue größere Masten gebaut. Was immer sie tun; selten verheißt es etwas Gutes. Immerhin geht der Blick nun freier. Nur die kleineren Masten sind noch da. Ein Stück Natur ist zurückgekommen.

Die Pflaumenbäume am Weg tragen nicht. Kaum eine Pflaume ist zu sehen. Bei der Blüte war es wohl zu kalt.


 

 

5. November 1995

 

In der Nacht hat es Frost gegeben. Der Boden des Waldweges ist hart und die Gräser sind von Rauhreif überzogen. Die Bäume tragen noch Laub, welches in rotbraunen Farben leuchtet. Manche Zweige sind schon kahl, andere wiederum tragen noch grüne Blätter, so die des Schlehenbusches und der Hagebutte. Die Früchte der Hagebutte sind leuchtend rot und jetzt reif. Ich kann nicht umhin, welche zu pflücken. Ich werde sie trocknen für Tee, was zwar sehr mühselig ist, denn die Früchte müssen aufgeschnitten werden, die Kerne entfernt und die harten Schalen zerschnitten werden. Mal sehen, wie das schmeckt.

Gleich hinter dem letzten Haus, welches einen großen Garten hat, breitet sich ein Feld aus, welches bereits mit Winterkorn bestellt ist. Ich hatte schon befürchtet, es werde in den Bebauungsplan aufgenommen. So wird es wohl noch eine Weile dauern, wenn überhaupt. Das angrenzende Feld zum Mühlenweg hin liegt brach. vielleicht haben es Hausbesitzer erworben, es wäre zu wünschen. Hätte ich Kapital genug, so würde ich Land aufkaufen und Bäume pflanzen.

Die Sonne scheint und ich gehe mit dem Hund, welcher sich merkwürdigerweise wieder leicht sträubt, dem Walde zu. An den Schlehenbüschen hängen die Früchte hoch, so daß ich sie nicht erreichen kann. Dabei wollte ich Schlehen für Schnaps haben. Ich müßte mir eine Leiter mitnehmen, um die blauen kleinen Beeren zu pflücken - so verbleibt es denn.

Der grasige Weg in den Wald ist naß. Rehe haben Spuren hinterlassen; sie wechselten von einer Seite zur anderen. Fern unter den Bäumen liegt Dunst, doch die Sonne scheint und es ist milde Luft. Manche Eichen sind rotbraun gefärbt, manche noch grün. Wahrscheinlich sind die rotbraunen geschädigt. Die Gräben sind noch trocken, es hat noch immer zu wenig geregnet. Ich wende mich nach rechts und komme an die Gabelung, wo am Wegesrand wieder neue Stämme, diesmal Fichten, liegen. Immer wieder wird der Baumbestand ausgelichtet.

Ich gehe geradeaus und komme an das Feld, welches sich hinunterstreckt nach dem Dorf Thune zu. In der Ferne sind Hochhäuser und Türme von Braunschweig zu sehen. Statt mich nach rechts zu wenden gehe ich weiter geradeaus zu der Weide, wo nun keine Pferde mehr grasen. Dann gehe ich zum Walde hin und entdecke mit Erstaunen eine Schafherde, welche zwischen zwei Feldern von einem Schäfer bewacht, rechts und links des Weges grast. Ein Hund umrundet sie. Der Schäfer bleibt stehen und die Schafe wimmeln um ihn herum. Sie gehen nun auf das Feld. Es ist eine ständig bewegte, durch die hin und herlaufenden Schafe unruhige Masse. Es ist gut, daß dort Schafe weiden. Jemand ist auf die Idee gekommen, sich Schafe zu halten. Die Herde ist zwar nicht groß, jedoch sieht es ländlich aus und tut gut.

Der Wald, den ich nun durchquehre, ist an dieser Stelle dicht. Auch hier gibt es verschieden große Bäume. Vielleicht sind sie natürlich gewachsen, wie es eigentlich sein soll. An der Wiese gehe ich nicht geradeaus weiter zum Feuerlöschteich, sondern wende mich nach links, einen Weg, den ich selten gehe. Ich komme zum Waldrand und sehe einige Häuser des Dorfes Eickhorst. Das Dorf ist kleiner als Vordorf, doch auch hier sind eine Menge von Neubauten entstanden. Die Felder sind hügelig. Teilweise stehen noch Zuckerrüben, die aber jetzt abgeerntet werden. Hier sind in verschiedenen Abständen Ölpumpen angebracht. Manche sind in Betrieb; langsam heben und senken sich die Pumpen.

Als ich Kind war, machte man hier Probebohrungen. Im Wald befand sich ein riesiger Bohrturm. Dann ist man wohl fündig geworden. Die Ölpumpen stehen schon lange. Es sind kleine Inseln, von einem Zaun umgeben und über schmale Wege zu erreichen. Einmal roch es auch nach Öl.

Ich gehe weiter auf dem Weg entlang, der teilweise am Rand entlangführt und dann wieder zwischen den Bäumen. Immer sehe ich jedoch die Felder und in weiterer Ferne die Bauernhäuser und die neueren Einfamilienhäuser der Siedler. Um nach Vordorf zu kommen, wende ich mich rechts und gehe einen kleinen Pfad entlang, der kaum noch auszumachen ist, da so viel Laub am Boden liegt. Ich erreiche den Teich, der noch immer wenig Wasser führt. Seine Oberfläche ist mit Algen besetzt; es sieht wie eine trübe dicke Masse aus.

Ich begegne Joggern, Fahrradfahrern und anderen Wanderern mit ihren Hunden. Teddy fühlt sich jetzt wohl. Im leichten Paßgang trabt er neben mir her.

Ich erreiche die Gabelung zur Straße nach Eickhorst, gehe geradeaus weiter und gelange zum Mühlenweg. Hier betrachte ich die Eichen. Die kleine Eiche, die im Frühjahr so besorgniserregend aussah, ist tatsächlich rotbraun; ihre Spitzen sind bereits kahl. Der größere Baum ist in einem guten Zustand. Etwas weiter zum Dorf hin stehen mehrere Eichen in einer kleinen zusammenhängenden Gruppe. Ich glaube, sie nie vorher bewußt gesehen zu haben. Manchmal fällt einem etwas auf, was man glaubt, noch nie bemerkt zu haben, was natürlich nicht stimmt. Aber wenn man sich vornimmt, Eichen zu beobachten, bemerkt man neue. Es stehen noch andere dort. Auch am Dorfrand gegenüber den neuen Häusern.

 


 

 

10. Dezember1995

 

Ein trüber Sonntagmorgen. Der Hund wird unruhig. Er will nach draußen. So ziehe ich mich warm an, Stiefel, Pelzmütze und streife ihm die Leine über den Kopf. Draußen kein Mensch zu sehen. Alles ist ruhig. Das Laub ist nun von den Bäumen, es liegt auch keines mehr auf der Straße. Die ordentlichen Nachbarn haben alles zusammengeharkt, die Wege sind frei. Ich gehe den Waldweg hinunter bis zu den letzten Häusern. Hier hockt sich der Hund hin und macht sein Geschäft. Das Gras ist hier noch grün. Die Hagebutten leuchten rot an den Zweigen. Am Wegesrand liegt etwas Schnee und es ist Frost. Der Boden ist hart gefroren und unter den Schuhsohlen spüre ich die harten Krusten der Erde.

Der Wind pfeift kalt. Ich ziehe den Schal übers Kinn. Der Hund beginnt zu schnüffeln und sträubt sich zum Weitergehen. Doch ich will zum Wald. Nur vereinzelt haben Eichen noch trockenes braunes Laub. Manche sind kahl; sind es die geschädigten?

Ich gehe bis zum Waldrand. Hier ist es geschützter und ich wende mich dem geraden Grasweg zu. An den Halmen ist Rauhreif, der feucht glänzt wie mit Puderzucker bestäubt. Es ist still im Wald. Am Wege, nahe der Gräben noch die grünen Blätter der Brombeersträucher. Ab und zu fällt ein Blatt lautlos herunter. An der Gabelung wende ich mich rechts. Der Graben ist gut zu überqueren, es befindet sich noch kein Wasser darin. Es ist also nach wie vor trotz einiger Regenfälle noch zu trocken. Der Regen der letzten Wochen hat kaum etwas gebracht. Der Weg unter den Bäumen ist trocken. Unter dem Gras die harte Kruste der gefrorenen Erde. Noch immer Stille. Kein Vogel ist zu hören. Kein Reh zu sehen.

Ich komme zu dem Hauptweg, der sich nach rechts gabelt oder sich auch geradeaus in Richtung Thune streckt. Ich wähle den näheren, denn der Hund scheint unlustig zum Traben. Er bleibt oft stehen, wittert etwas, schnuppert, geht dann langsam weiter. Ich gelange zum Feld und sehe Richtung Thune zum Kanal hinunter. Die Stadt liegt im Dunst. Ein Schild für Radfahrer zeigt an, daß es bis Thune noch 2 km sind. Nun begegnen mir Spaziergänger, wenn auch wenige, denn es ist kalt. Auf der Weide grasen viele Schafe. Es sind die, die ich letztens mit dem Schäfer auf den Feldern sah.
Ich gehe an den Zaun. Sie wittern den Hund und blieben stehen. Sie stehen wie angewurzelt, fast leblos. Einige schwarze Schafe sind dabei. Doch die meisten haben ein dickes schmutzig graues Fell. Der Hund bemerkt sie nun auch und würde gerne auf sie los gehen. Doch ich halte ihn fest, eingedenk eines Überfalls auf einige Schafe, als wir im Harz waren. Hier hatte er ein paar Schafe, es war ein Muttertier mit zwei Jungen, gejagt und eines angefallen und es fast blutig gebissen. Es lag wie tot da. Erst als wir den Hund wieder an der Leine hatten, stand es auf, noch benommen, ein wenig Fell hing an der Schulter herunter. Dann rannte es zu seiner Mutter.

Doch nun wandte ich mich wieder dem dichten Holz zu. Wir gingen den schmalen gewundenen Pfad in Richtung Teich. An der Wiese hatten sich Pfützen gebildet, die weiß gefroren mit Luftblasen darin schimmerten. Der Hund ging darüber hin, schlitterte ein wenig und es knackte und knirschte unter seinen Tritten. Auch der Feuerlöschteich war zugefroren, aber auch hier nur wenig Wasser darin. An dem einen Teil des Ufers hatten Waldarbeiter Gestrüpp aufgetürmt, wohl um ein Absacken des Ufers zu verhindern.

Ich gehe weiter, nachdem ich mich eine Weile umgesehen hatte. Hinter mir erschienen wieder Spaziergänger. Ein Mann schob einen Kinderwagen. Rechts vom Wege an den hohen Buchen waren Bezeichnungen in Form von Nummern angebracht. Ich lese 56, 37, 18, unzählige Ziffern. Was mögen sie bedeuten? Will man auch diese Bäume noch fällen? Ich werde es beobachten. Durch die Stämme sehe ich schon die roten Häuser des Dorfes schimmern. Ich bin auf dem Mühlenweg und sehe "meine" kleine Eiche. Sie ist ohne Laub, nun kann man keinen Schäden mehr entdecken bis zum nächsten Frühjahr.

Auf den Feldern wie hingehaucht, liegt stellenweise weißer Schnee. Das Winterkorn ist grün, die Erde schwarz. Es bildet einen starken Farbkontrast. Der Hund läuft nun schneller, da es nach Hause geht.
An den neuen Häusern, die ziemlich dicht stehen, sind die Bäume noch nicht hoch gewachsen. Einige der Häuser haben noch unbestellte Gärten, sie sind gerade erst fertig geworden, doch schon bewohnt. Rauch steigt aus den Schornsteinen und es riecht nach Ruß.

Ich gehe die Lerchenstraße entlang. Einzelne Tannen haben Kerzen und auch an den Fenstern ist Adventsschmuck zu sehen.


 

 

Heiligabend 1995

 

Es herrscht klirrende Kälte, während nur wenig Schnee liegt. Ich mache einen ersten Spaziergang in den Wald. Der Hund begleitet mich; er geht nur langsam, sei es weil er keine Lust hat, sei es weil er nicht mehr so schnell kann. Der Weg ist hartgefroren und als ich aus dem Windschatten der Pflaumenbäume komme, packt mich der Wind aus dem Osten. Obwohl nur ca. 3 Grad unter Null, hat man das Gefühl, es seien 10 oder mehr.

Es ist leicht neblig. an den Zweigen haben sich weiße Schichten gebildet und von ferne sieht es aus, als seien Schleier gewebt zwischen den Bäumen. Der Weg durch den Wald, der geradeaus geht um dann nach links abzuzweigen, ist noch immer mit Gras bestanden. Nur noch wenig grün rechts und links an den Brombeerbüschen. Ab und zu rieselt ein wenig Schnee auf uns herab. Quer über den Weg ist eine schmale Spur von Rehen, die hier wechseln. Der Hund macht sein Geschäft, schnüffelt zwischen dem Laub, dem Schnee und den Gräsern.

Noch immer nicht viel Wasser im Graben; es ist zu trocken. Auf den Feldern bedeckt jedoch der Schnee das kurze Winterkorn und schützt es vor Kälte. Es ist so kalt, daß man unseren Atem sieht. Ich gehe geradeaus weiter und höre Schüsse. Wahrscheinlich sind Jäger unterwegs auf der Jagd. Rehe dürfen jetzt geschossen werden. Es ist schneidend kalt, so daß ich beschließe, den kurzen Weg zu nehmen. Bald bin ich an der Lichtung und sehe hinab nach Thune und dem Kanal. Von der Stadt ist nichts zu sehen, da es zu dunstig ist.

Ich sehe fast keinen Menschen. Sie sind mit Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt oder es ist ihnen zu ungemütlich. Auf den Wegen liegt nur wenig Schnee, doch ich sehe Spuren, die mir sagen, daß hier schon jemand gegangen sein muß. Die Luft ist angenehm klar und rein. Man riecht keinen Schmutz oder Abgase. Weil es so feucht ist, hört man auch kaum Laute. Der leichte Nebel schluckt alle Geräusche.

Laub ist nun nicht mehr an den Bäumen. Rechts und links des Weges liegt Holz. Dickere und auch schmalere Stämme warten auf den Abtransport. Man beutet den Wald seit Jahren aus und schlägt nach meinem Dafürhalten zu viel ab. Die Lichtungen werden immer größer. Ob sie wohl hauptsächlich die kranken Bäumen schlagen; wahrscheinlich. So nimmt der Waldschaden anscheinend ab.

 


 

 

Weihnachten 1995

 

Heute gehe ich Richtung Rethen, an der Siedlung vorbei über die Felder. Wieder hat man ein neues Gebiet zum Bauen ausgewiesen. Auf der Bahwiese sind die Häuser inzwischen fertig. Sie sind alle bezogen. Sie stehen zu dicht, auch ist noch kein Baum in den Gärten hochgewachsen.

Die Sonne scheint schwach durch Wolken hindurch, doch der Wind ist nicht stark, so daß ich es wage, über die Felder zu gehen. Rechts und links sind Pferdeweiden. Ich komme zu einem kleinen Waldstück, wo der Weg sich gabelt. Man nennt des den Busch. Ich wende mich nach links, der Hund trottet etwas lustlos neben mir her. Auch hier liegt Schnee auf den Feldern, wenngleich auch immer durchbrochen von schwarzer Erde oder grünem Winterkorn. Der Weg geht geradeaus bis nach Eickhorst. Doch wir wenden uns dann nach links über einen Feldweg, der dann jedoch endet. Wir müssen ein Stück weit über das Feld, was jedoch nicht weiter beschwerlich ist, da der Boden hart gefroren ist. Dann müssen wir die Straße nach Eickhorst überqueren und gelangen dann wieder in den Wald.

Der Weg ist mit einem Schlagbaum versperrt. Neben der Autostraße befindet sich eine kurze Strecke zum Parken. Hier halten viele Autofahrer, die wohl einen Waldspaziergang machen. Das grüne dreieckige Schild mit der Aufschrift "Landschaftsschutzgebiet" ist leicht verbogen; es weist auch Schmierspuren auf. Man hatte es übermalt. Also auch hier Sprayer. Da weiß man nicht, ob es Gegner des Landschaftsschutzes sind, oder solche die ihn verhöhnen, da er ja doch nicht recht praktiziert wird.

Ich suche ein Stück Wald mit Kiefern bestanden, in dem sich eine Hütte befinden soll. Doch statt dessen sehe ich einen größeren Karren mit der Aufschrift: "Eigentum des Forstamtes Braunschweig". Er sieht unschön aus und dient wahrscheinlich Waldarbeitern als Unterschlupf.

Bevor der Hauptweg sich wieder gabelt, gehe ich links einen kleinen Pfad hinein, der jedoch bald aufhört. Teilweise sind Spuren von Fahrzeugen zu sehen. Wenn ich geradeaus ginge, käme ich auf die Felder links neben dem Mühlenweg. Doch ich suche Wege und teilweise können wir gut vorankommen. Doch hier ist noch niemand gegangen, jedenfalls nicht nach dem Schneefall. Es gibt keine Spuren. Durch die Bäume sehe ich nun den breiteren Weg, der zum Waldrand führt.

 


 

 

28. Dezember1995

 

Heute ist es noch kälter. Doch die Sonne scheint und ich beschließe, hinunter nach Thune durch den Wald zu gehen. Ich biege also, als ich aus dem schmalen Grasweg komme, bei dem die Zweige kaum den Himmel sehen lassen, nach links ab, vorbei an den Lärchentannen, rechts. Links steht der Kiefernwald mit seinen Farnen auf dem Waldboden. Ich komme zum Pavillon, der uns schon einmal vor dem Regen Schutz bot, als ich mit Andrea, Charly und Josephine durch den Forst wanderte.

Ich gehe geradeaus weiter, einen Weg, der bald aufhört und den ich selten gehe. Die Gegend wird hügelig. Ich komme in Gebiete, wo ich noch nie war. Suche nach Trampelpfaden. Da es trocken und gefroren ist, besteht nicht die Gefahr, daß man im Schlamm einsackt. Geradezu ist ein ca. 1 m hoher Abhang. Hier brechen die Felder ab. In nicht weiter Ferne sehe ich die Kanalbrücke, bin also ziemlich weit gegangen. Vor dem Abbruch sind größere gefrorene Wasserflächen. Ich bin längere Zeit gegangen. Es gibt also immer noch Gebiete, wo ich noch nie war. Der Hund schnüffelt verstärkt und scharrt auch am Boden das Laub auf. Wahrscheinlich riecht er Mäuse, einen Fuchsbau oder etwas ähnliches.

Ich erreiche den Waldrand und bin in der Nähe der ersten Häuser von Thune. Der Weg ist breiter und ich sehe zwei Menschen mit einem Schäferhund. Nun geht der Weg durch Felder. Ich gehe wieder bis zum nächsten Waldstück und komme an den Asphaltweg, der an den Weiden vorbeiführt bis zu einer Bank.

Die Sonne ist nun stärker geworden. Der Himmel blau; der Schnee glitzert in der Sonne. Es sieht alles wunderschön aus. Ich atme tief durch, meine kalten Hände sind nun warm geworden, fast fange ich an zu schwitzen. Wir gehen nun in de Wald hinein und sind bald am Teich, der immer noch wenig Wasser führt, welches nun gefroren ist.

Obwohl Schüsse zu hören waren, sieht man keine Jäger. Ich würde gerne einmal einen sehen, womöglich auf dem Jägerstand, doch zumeist sind sie wohl in den Abendstunden auf der Pirsch.

Wir kommen zum Waldrand, gehen den Mühlenweg hinunter bis zum Dorfrand.

 


 

 

27. April 1996

 

Mir ist so, als hätte ich im Februar etwas über einen Waldspaziergang geschrieben. Ich hatte jedenfalls bei Schnee einen Spaziergang unternommen. Vielleicht irre ich mich auch und es war zu kalt zum Wandern.

Der April war schon sehr warm, unnatürlich warm, so an die 29 &Mac251;, was für diesen Monat ganz einfach zu hohe Temperaturen sind. Es war fast unheimlich. Die Hitze und dann die noch fast kahlen Bäume. An diesem Wochenende ist es etwas kühler. Durch die enorme Trockenheit liegt Staub auf den Feldern, und es ist kein Wasser, wie sonst in den Gräben. Dann das verdorrte alte Gras vom vorigen Jahr an den Gräben und auch sonst überall. Das kümmerliche Grün, was sich herausgewagt hatte, versuchte nun zu wachsen, doch mangels Feuchtigkeit blieben die Halme nur kurz. Es war unheimlich. So ähnlich stellt man sich vor, wenn es überhaupt keinen Frühling mehr gibt oder gäbe. Es ist ja nicht so. Aber trotzdem - man konnte sich über das warme Wetter nicht freuen.

Abends ging ich mit Ulrich und seinem Freund Markus in den Wald. Es dämmerte bereits. Die beiden kletterten auf einen Jägerstand am Waldrand. Wir waren links die Wiesen entlanggegangen auf dem schmalen Rand zwischen Feld und Wald. Es war kein Wasser in den Gräben. Das Laub raschelte; es hätte feucht sein müssen. Es gab sogar vereinzelt schon Waldbrände!

Hier in Berlin war ich den ehemaligen Grenzstreifen entlanggewandert.

Auch jetzt - ich schreibe dieses ca. 3 Wochen später - wo alles grün ist, empfindet man etwas merkwürdiges. Man beobachtet die Natur. Ob es noch alles wächst, ob das Grün auch wirklich kommt. Der viele Regen, der jetzt Anfang Mai fiel, hat vieles wieder aufgeholt - es wächst alles. Doch manche Blätter und Gräser sehen anders aus als sonst. Vielleicht auch daher, daß doch vieles erfroren ist.

Die beiden tranken eine Dose Bier und wollten wohl eigentlich lieber auf dem hohen Jägerstand sitzen bleiben, doch ich lotste sie in den Wald - ohne Weg und Steg. Natürlich kannten wir die Richtung. Wir gingen über einige Gräben und waren bald auf dem breiten Grasweg, der Schneise, die zur Kreuzung der Wege führt. Hier steht auch wieder ein hoher hölzerner Jägerstand. Doch wir setzten uns dort, wo man das Dorf Thune und den Kanal sehen kann auf eine Bank. Unsere Gespräche waren der Gefährdung des Waldes gewidmet.

Dann mußten wir uns beeilen, um nicht in die völlige Dunkelheit zu geraten, doch es war klarer Himmel, so daß es noch lange durch den Mondschein ziemlich hell war. Wir erblickten Merkur und Venus. Ulrich jedenfalls bezeichnete den Merkur, der am hellsten leuchtete. Wenn man sich drehte, erblickte man die etwas kleinere Venus. Ulrich kennt sich etwas aus, ich eigentlich kaum.

So waren wir dann bald wieder zu hause.

Das Pfingstfest werde ich in Vordorf verbringen. Dann auch den Hund mitnehmen und sicher auch in den Wald gehen, der nun im Mai am schönsten ist. Maiglöckchen sehen, vielleicht Waldmeister pflücken.

 


 

 

Pfingsten 1996 (geschrieben: 29. 5. 1996)

 

Meine schlimmsten Befürchtungen sind eingetroffen: der Eichenwald scheint tot zu sein oder ist im Sterben begriffen. Ich begab mich in den Wald; es war kühl, und ich ging den Mühlenweg hinunter, da es naß war, geregnet hatte, und ich mit dem Hund nicht über den Grasweg gehen wollte. Die Wege, die man vom Mühlenweg aus erreicht, sind befestigt und trocken.

die Eichen am Mühlenweg


Die kleine Eiche, die ich im vorigen Jahr bereits in einem nicht besonderen Zustand beschrieb - damals war ihr zartes Laub rötlich und es wuchs auch nicht recht, wenngleich es im Sommer doch noch grün wurde. Doch die Spitzen der Zweige waren dünn, fast kahl. Und nun war sie wieder rötlich, wie mir schien von Kälte - ich suche ja nach Entschuldigungen - die kleinen Blätter gekräuselt, völlig unentwickelt. Ich blickte zum Wald hin und sah die Wipfel der Eichen noch kahl, was mich erschreckte. Ich suchte mich zu erinnert, wie sie sonst um diese Jahreszeit aussahen. Eichen treiben ja erst im Mai. Aber nun war es Ende Mai, nach diesem seltsamen Frühjahr: der April trocken und heiß. Jetzt aber der Mai kühl und naß, wie es eigentlich sein soll - er füllt dem Bauer Scheun und Faß!

Die meisten Eichen waren fast kahl, einige wenige standen im vollen Laub, wieder andere mit spärlichem Laub. Ich ging weiter und kam in den Wald, ging dann nach links, wo es zum Waldweg wieder hinaus geht. Die Buchen in gutem Zustand, auch das Buschwerk in sattem Hellgrün - aber die Eichen. Es konnte nicht sein, daß das Laub noch nicht so weit war. Es hätte alles grün sein müssen. Ich ging weiter und konnte mich, wie schon beim vorigen Mal, über den Frühling nicht freuen. Nun ist es geschehen: durch den Frost, den trockenen Winter ist es schneller fortgeschritten, bzw. es war nicht aufzuhalten, es konnte sich nicht bessern. Es gab nur ein Hinauszögern - wie bei einem todkranken Patienten. Nun bin ich tief bekümmert, wütend ob der Unfähigkeit der Verantwortlichen, der Politiker, der Industrie, der Autofahrer. Auch wir, die wir weniger Schuld haben, tragen Verantwortung an diesem Desaster.

eine abgestorbene Eiche


Nun traf es auch den Wald, den ich so über alles liebe. Der für mich eine Erholung und Entspannung war. Den mein Großvater mit Andacht betrat, als sei er in einer Kirche. Jetzt ist es geschehen: es ist nicht wieder rückgängig zu machen. Ich wollte nicht glauben, daß der Wald stirbt. Ich dachte und hoffte immer, er würde überleben. Ich bemerkte wohl manchmal in den letzten Jahren manche Bäume, es waren hauptsächlich die Eichen, die nicht makellos waren; man findet auch kaum in einem dichten Wald makellose Bäume. Der eine ist etwas krumm, bei dem einen sind Äste abgebrochen, der andere ist zu lang und zu schmal, er reckt sich zu sehr nach oben wegen der Enge. Aber immer war alles noch grün.

Und nun. Ich ging traurig, ja fast verzweifelt weiter und erblickte alle Eichen in dem gleichen Zustand. Dann setzte ich mich auf einige Kiefernstämme an der Weggabelung. Ich vermochte nicht mehr weiter zu gehen. Mir kamen die Tränen, ich konnte sie nicht zurückhalten. Ich weinte leise. Dann stand ich auf, zog den Hund an der Leine weiter, der nichts zu bemerken schien.

Dann wandte ich mich doch zum Grasweg und wollte am Waldweg herauskommen, da hier die meisten Eichen stehen. Es war auch hier nicht besser. Unten grünes buschiges Gehölz, welches nun Platz und Licht hat. Oben kahle Kronen, mit winzigen Blättern, aufgerollt, dann die Blüten, die braun herunterhängen. Man sieht sie deutlich, da sie nicht von Blättern verdeckt werden. Es war hell im Wald. Ich trat heraus und spürte hinter mir kein schützendes Grün mehr. Es war Samstag Nachmittag, trübes Wetter. Die Vögel zwitscherten, trotzdem schien mir alles traurig zu sein.

Am nächsten Tag zog es mich wieder hin. Ich ging den Waldweg hinunter. Und nun sah ich mir die Blätter genauer an. Ich brach kleine Zweige ab und sah, daß die Blätter verkrüppelt waren und schwärzlich. Mir schienen auch manche von Raupen oder anderem Ungeziefer zerfressen. Ja die meisten hatten nur Blattansätze. Möglich, daß Raupen über die Blätter hergefallen waren. Ich weiß nicht, welche Schädlinge Eichen angreifen. Sicher hatte es auch mit dem Wetter im späten Frühjahr zu tun, das dann im April innerhalb kurzer Zeit Hitze entwickelte und daß dann die Natur alles nachholte. Es ist kein Trost, daß es evtl. nur Schädlinge sind. Die Bäume werden sterben. Die Äste werden kahl sein.

Wer hätte das gedacht. Vor 40 Jahren, ja noch vor 20 Jahren war noch nichts zu spüren, noch nichts zu sehen, wenn es auch Anzeichen gab und gewarnt wurde. Aber nun das tatsächliche Sterben. Kahle trockene Bäume - man sieht sie mehr und mehr. Kann man sich noch an einem Möbelstück erfreuen, furniert oder massiv? Tropische Hölzer werden ja nicht mehr eingeführt. Was geschieht mit unseren Wäldern. Sie können und dürfen nicht verschwinden.

Andere, weniger empfindliche Sorten werden sicherlich wachsen, aber der Wald ist nicht mehr, was er war. Gerade die Eiche, das Symbol des "deutschen" Waldes. Sie haben es getötet. "Mein Freund, der Baum ist tot", so geht ein Lied.

Wie ich bereits bei der letzten Eintragung schrieb, daß ich nicht mehr froh und unbeschwert durch den Wald laufen kann, sondern mit Besorgnis die Bäume betrachten und beobachten werde. Nun ist es tatsächlich noch schlimmer geworden. Es ist offenkundig. Aber ich werde Ausschau halten, hoffen, trotz allem. Was kann man tun? Den BUND alarmieren. In jeder Zeitschrift wird über neue Umweltsünden berichtet. Greenpeace alarmieren. Diese starten eine Aktion gegen die Überfischung der Nordsee. Jedesmal schreibe ich die Karten an irgendwelche Politiker in aller Welt, daß sie dieses oder jenes bedenken sollen, verhindern sollen. Es gibt schließlich Gesetze und Verordnungen, Strafen. Wenn die Menschen nicht einsichtig sind, und sie sind es nicht, so muß die Politik handeln. Doch die Verantwortlichen versagen.

Wie wird das alles enden? Erst der Wald, dann wir? Züchten wir Pflanzen, die widerstandsfähig sind. Wie viele Arten sind schon ausgestorben. Es gibt viele Mahner, doch ebenso viele, wenn nicht mehr, Sünder, die ohne Bedenken die Schönheit der Natur für irgend etwas opfern. Spekulanten, Profitjäger etc. .

 


 

 

Weihnachten 1996

 

Klirrende Kälte. Schnee. Spaziergang am 1. oder 2. Weihnachtstag mit Andrea und Chris. Gingen den Waldweg hinunter. Chris war es zu kalt; er war nicht warm genug angezogen, nur eine Art Regenjacke. Den Hund nahmen wir nicht mit, da er nicht mehr so schnell kann - leider.

Schnee auf den Feldern, Spuren von Schritten auf dem Weg und auf den Feldern von Hunden und die gezackten Einritzungen von Vogelkrallen. Der Schnee glitzerte. An den Zweigen leichter Rauhreif. Wir gingen den üblichen Weg geradeaus, dann rechts den schmalen Pfad entlang. Das Gehölz und die Stämme waren graubraun, kein Vogel war zu hören. Kaum Gespräche über Bedrohung des Waldes. Das Thema scheint sich totgelaufen zu haben. Von Ferne Rauschen des Verkehrs von der B 4. Sahen kein Wild. Es war alles verstummt, wie tot. Die Kälte ließ uns schnell gehen, dann bogen wir ab über das Feld, sahen Thune in der Ferne unterhalb liegen. An der Straße zu Eickhorst an den Bohrstellen für Öl einen Baustelle, als wenn ein größerer Bohrturm errichtet oder eine größere Pumpe errichtet werden soll. Mal sehen, was daraus wird.

Am Wege ein Stück eingezäunt. Dann bogen wir wieder rechts zum Wald hin ab, wo der Weg leicht nach oben ansteigt. Der Schnee wie ein "Leichentuch". Wo habe ich das schon mal gelesen? Irgendwo, doch unsere Stimmung war nicht trüb aber auch nicht fröhlich, es war zu kalt. Der Wind wehte uns ins Gesicht. Dann im schützenden Wald etwas wärmer. Die Sonne kam heraus. Wir gingen Richtung Teich, der nur wenig gefrorenes Wasser enthielt, weiß die Oberfläche auch hier. Einige Kinder mit Schlitten und Spaziergänger mit Hunden. Keine Jogger, denen fröstelte wohl.

Dann den Mühlenweg zurück an den Häusern vorbei. Eine weiß-graue Katze lauerte auf Vögel. Ihr Schwanz zuckte. Sie beachtete uns kaum.

 


 

 

Ostern 1997

 

Kälte, Regen. Ich gehe den Waldweg entlang mit dem Hund, den ich oft ziehen muß; er ist alt. Die Pflaumenbäume blühen, das Gras wächst grün an den Rändern des Weges. Einige Bäume sind noch kahl. Doch im Wald liegt ein grüner Schimmer. Die Lerchen steigen hoch und zwitschern ihren unvergleichlichen Gesang. Das Korn beginnt schon zu sprießen bis zum Waldrand ohne Unterbrechung: Monokultur. Wo früher Büsche und Zaunpfähle standen nun in einer Linie Felder. Ich wage es, den geraden Weg durch den Wald zu nehmen. Das Gras ist schon so hoch, daß meine Schuhe naß werden. Doch wir gehen weiter. An der Biegung der Graben voller Wasser. Wir suchen eine Stelle, wo wir hinüberkommen. Ich fasse einige Zweige eines Busches, um Halt zu bekommen und springe hinüber. Der Hund muß durchs Wasser. Am Waldboden wachsen Buschwindröchen. Einige blühen bereits.

Wir gehen den bewachsenen Pfad entlang, der immer wieder Sümpfe aufweist, so daß wir ausweichen müssen. Endlich ist genug Regen gefallen, die Trockenheit ist vorbei. Es dürfte sich auf den Baumwuchs auswirken. Ich gehe den bekannten breiten Weg entlang. biege dann dort nach rechts ein, wo die Felder bis an den Waldrand heranreichen. Das Gebüsch ist bereits grün. Das Unterholz ist geschützt und treibt Blätter aus. Die Eichen sind noch kahl, so daß man nicht erkennen kann, welche geschädigt sind. Man wird es bald sehen können.

am südlichen Waldrand


Dann gehe ich den Mühlenweg zurück und sehe mit Erschrecken, daß man die kleineren Eichen, die in Gruppen am Wegesrand stehen, beschnitten hat, und zwar in erheblicher Länge. Es war wohl der Landwirt, der meinte, mit seinen Mähdreschern nicht vorbei zu kommen. Auch am Feld hat man die Zweige gekürzt. Über so viel Unverstand kann man sich nur wundern. Ich ärgere mich und beschließe, ein Schild an den Bäumen anzubringen.

Ich male zu Hause auf eine Tafel die Buchstaben: "Dieser Baum wurde vom Straßenbauamt verschandelt"! Dann geh ich wieder hin und nagele das Schild, welches ich mit einer Plastikfolie schütze, an den Ast des Eichbaumes. Man kann es von weit her sehen. Doch wahrscheinlich wird es nur spöttisches Lächeln hervorbringen.

Als ich in Braunschweig bin, gehe ich zum Bund für Umwelt und Naturschutz und mache mich dort sachkundig. Ich erfahre, daß man nur bis Ende Februar Zweige absägen kann. Die Frau dort zeigte sich interessiert und gab mir eine Adresse in Gifhorn von dem dortigen Vertreter des Bundes. Ich rief ihn an und bekam auch gleich Verbindung. Er will sich wegen des geplanten Gewerbegebietes mit der Samtgemeinde in Verbindung setzen, denn die Naturschutzverbände müssen von einem derartigen Eingriff unterrichtet werden. Hoffentlich nützt es was.

Die zwei Wochen, die ich im Dorf bin, hat niemand das Schild entfernt. Dann rufe ich den Förster an, und erfahre, daß das Waldgebiet "wissenschaftlich" beobachtet wird, was immer das auch heißen mag. Ich hatte noch niemanden beobachtet bei irgendwelchen Tätigkeiten. Wahrscheinlich markieren sie Bäume, die geschädigt sind. Der Förster meinte auch, man müsse die Landwirte verstehen. Ich verstünde sie nicht, meinte ich, ob er noch nichts von Renaturierung gehört hätte, und ob nicht der Wald zu einem "Naturwald" werden könne. Er meinte, dann hätte man kein Nutzholz mehr und müsse es von woanders einführen. Irgendwie stimmt das ja. Aber man kann doch die Monokultur unterbrechen, z. B. mit Schichtholzhecken und Anpflanzungen von Gebüsch, um den Vögeln mehr Raum zu bieten.

Immerhin beruhigte er mich und begrüßte es, daß sich auch mal Bürger melden, die Interesse an der Forstarbeit zeigten.

 


 

 

Pfingsten 1997

 

Das helle Grün der Bäume und Büsche ist in diesem Frühjahr besonders intensiv. Wahrscheinlich durch die viele Feuchtigkeit und den Regen. "Mairegen bringt Segen", sagt der Bauer und "Mai kühl und naß, füllt dem Bauer Scheun' und Faß" oder auch "Gewitter im Mai, schreit der Bauer juchhei"! In diesem Jahr trifft das zu. Nur die Schwalben sind noch nicht da, weil es so kalt war im April. Auch in Berlin sind noch keine zu hören und zu sehen.

Im Wald ist es feucht, Scharen von Mücken fallen uns an, und wieder müssen wir über den Graben springen. Es ist warm und schwül. Es gab Gewitter, stundenlang in der Nacht mit viel Regen; ununterbrochen blitzte und donnerte es. Das Unterholz ist grün und die Eichen haben nun fast das volle Laub. Doch viele Bäume sind krank. Die Wipfel sind fast kahl. Schon beginnt sich das Unterholz auszubreiten und wächst höher. Ein kleiner Trost. Wie schnell man sich doch abfinden kann.

Doch mit Trauer blicke ich nach oben in die fast kahlen Wipfel. Nur wenige Eichen haben volles dichtes Laub. Die übrigen Laubbäume scheinen weniger geschädigt zu sein. Wie kann es Menschen geben, die das unbeeindruckt läßt?! Verse aus Frühlingsliedern fallen mir: "Ich habe den Frühling gesehen". Hier mischt sich Hohn ein. Der Vers, der bewundernd den Liebreiz des Frühlings besingt, kann man anwenden auf die trockenen Äste, die anklagend dürr in den Himmel zeigen.

Der Kuckuck ruft und eine Vielzahl von Vogelstimmen klingt durch die Äste. Nie ist der Wald schöner als im Mai, wenn das Grün der Blätter noch frisch ist, noch hellgrün und unbeschädigt; später wird es dunkler. "Wie schön blüht uns der Maien"! Und ... "das Blühen will nicht enden". Ist das falsche Romantik? Sicherlich nicht. Ich pflücke einige Maiblumen, die sehr stark durften. Ich binde sie zusammen, um sie zu trocknen.

Als ich zum Mühlenweg komme, sehe ich, daß das Schild entfernt ist. Sicher so ein "pflichtbewußter" Bürger, der alles richtig findet, was die Obrigkeit tut! Die Eichengruppe ist auch nicht mehr in Ordnung. Nie wieder kann ich durch den Wald gehen, ohne mit Besorgnis die Bäume zu betrachten.
Mal sehen, was der Sommer bringt!

 


 

 

15. Juni 1997

 

Nun ist das Grün dunkler geworden. Durch den kühlen regnerischen Mai ist das Gras hochgewachsen am Wegesrand, auch die Blätter der Bäume erscheinen mir dichter und an Umfang zugenommen zu haben. Das Gerstenfeld steht schon in Blüte und die langen Ähren glänzen seidig, wenn der Wind darüberhinstreicht.

Ich gehe den Mühlenweg entlang, da ich nicht weiß, ob die Gräben noch voll Wasser sind. Doch im Wald sehe ich, daß sie schon fast ausgetrocknet sind. Nur das dunkle alte Laub kündet noch von Feuchtigkeit.

An der Eichengruppe hat jemand an den Stamm mit schwarzer Farbe ein Hakenkreuz gemalt und "Heil" darüber gemalt! Nicht gerade angenehm, doch regt es wohl zum Nachdenken an, wobei zweifelhaft ist, was damit gemeint ist: Das Beschneiden des Baumes oder das Schild? Wahrscheinlich eher das Verstümmeln der Bäume.

Es ist gegen Mittag, leicht bewölkt und etwas kühl. Der Dom des Waldes empfängt uns. Farnkräuter wachsen am Rande, die sehr hoch sind. Dann aber hauptsächlich Brennesseln. Die meisten Wipfel der Eichen sind dürr.

Ich sehe einen Buntspecht an einem Stamm hinaufklettern, ein zweiter gesellt sich dazu. Sie füttern sich gegenseitig. Der Männchen das Weibchen oder umgekehrt. Es ist das Jahr des Buntspechts, und ich hatte gehofft, einen zu sehen oder zu hören. Nun sehe ich gleich zwei. Sie klettern den Baum hinauf, um den Stamm herum und fliegen dann zu einem anderen. Dann sehe ich sie nicht mehr. Wahrscheinlich füttern sie ihre Jungen.

Radfahrer begegnen mir, eine ganz Meute, die fröhlich durch den Wald radelt. Der Hund ist lustlos und ich muß ihn oft ziehen. Weil es trocken ist, wage ich den Graspfad entlang zu gehen und komme gut durch. Auch der Graben an dem Weg, der dann zu unserem Waldweg führt, ist fast trocken, so daß wir gut hinüberkommen. Doch das hohe Gras ist naß. Der Klee wächst hoch, und der Weg ist fast nicht begangen worden. Wir hinterlassen Spuren. Ab und zu sehen wir niedergetretenes Gras vom Wildwechsel.

Einige Holunderbüsche blühen. Ihre Dolden sind besonders groß in diesem Jahr. Vor dem Wald sind auch die Schlehenbüsche nachgewachsen, doch noch immer haben sie statt einer runden eine eher rechteckige, schmale Form.

Die Doppeleiche begrüßt mich. Ihr Laub ist dicht und sie scheint gesund. Doch die kleine Eiche davor gefällt mir nicht. An ihren Zweigenden sind keine Blätter, daß heißt sie treibt nicht weiter aus. Ein beklagenswerter Zustand.

Am Wegesrand im Graben wächst Schilf.

 


 

 

5. Juli 1997

 

Es ist gegen Abend. Wolken sind am Himmel, doch es ist wärmer, als gedacht, so daß mir warm wird. Auch der Hund kann nicht so laufen. Er läßt sich ziehen.

Durch den Regen ist alles grün, das gelbe Gras ist verschwunden, und mit Freuden sehe ich, daß die Wipfel der Eichen dichter geworden sind. Der Johannistrieb. Sie scheinen sich zu erholen. Auf dem Grasweg sehe ich es deutlicher. Die oberen Zweige haben große Blätter bekommen. Nur die Eichen, die schon fast tot sind, sind unverändert, auch die abgestorbenen. Hier rührt sich nichts mehr. Die Feuchtigkeit im Boden hat aber die meisten sich erholen lassen. Gebe Gott, daß es von Dauer ist!



Weggabelung am Grasweg

Vögel zwitschern. Wir gehen durch das hohe Gras. Nicht nur Brennesseln wachsen am Rand, auch andere Stauden haben sich ausgebreitet. Matschige Stellen am Pfad. Spuren sind zu sehen. Doch hier begegne ich noch niemandem. Erst auf den breiteren Wegen ziehen Fahrradfahrer und Jogger dahin. Manche grüßen. Es sind viele Leute im Wald.

Der Hund wird langsamer, so daß ich meinen Schritt verhalten muß. Er schnuppert am Wegesrand. Ich lasse ihn und atme tief die würzige Luft. Immer wieder geht mein Blick in die Höhe, auch hier sind die Spitzen dichter geworden. Gott sei Dank! Es war also wohl die Trockenheit, die die Eichen in diesen Zustand kommen ließ. Nun haben sie sich erholt. Aber für wie lange? Es wird vom Wetter abhängen. Die Sonne scheint durch das dichte Grün. Wieder fällt mir der Spruch von meinem Großvater ein: "Wenn ich an einem Maimorgen durch den Wald gehe, bin ich dem Herrgott näher als in der Kirche"! Wie wahr. Es gibt nichts Schöneres. Das helle Grün der Blätter, die im Winde leise rascheln, der Vogelgesang, die dunklen Stämme, das dichte Unterholz, die hohen Farnkräuter. Gerne wäre ich weiter gegangen, doch ich muß auf den Hund Rücksicht nehmen. Langsam trotten wir weiter und sind bald am Mühlenweg, wo die gestutzten Eichen am Wegesrand stehen. Es sind keine Bäume mehr, sondern schmale deformierte Eichenbüsche.

Die Gerste ist an vielen Stellen schon gelb und wird bald geerntet werden. Der Weizen ist noch grün, die dichten Ähren schwanken im Winde. An den neugebauten Häusern sind die Bäume und Büsche größer geworden. Bald wird man nur noch ihre Dächer hervorragen sehen wie an der Lerchenstraße. Ich wende mich zurück zum Wald und sehe die großen Bäume in dichtem Grün.

 


 

 

5. Oktober 1997

 

Es wird Herbst. Die Blätter der Bäume färben sich gelb. Das Eichenlaub ist noch grün. Ein früher Herbst in diesem Jahr, da es sehr trocken und warm war. Auch jetzt ist es staubig. Im Wald ist es zwar feucht, doch es steht kein Wasser in den Gräben.

Wie immer im Herbst fallen die geschädigten oder toten Bäume nicht länger auf. Ein schwacher Trost. Es ist kaum windig und daher still, nur die Blätter fallen, spärlich noch. Der Weg rechts von der geraden Verlängerung des Waldweges ist mit kurzem grünen Gras bedeckt, hin und wieder steht Wasser in dem aufgewühlten Erdreich. Zum erstenmal seit langer Zeit begegnen mir Menschen, ein Ehepaar. In diese Ecke des Waldes verirrt sich selten jemand, wohl weil der Weg so "schlecht" ist. Meine Stiefel werden etwas nass. Ich muß den Hund, der mich noch trotz seines hohen Alters begleitet, hinter mir herziehen. Armes altes Tier. Er nimmt kaum noch Witterung auf. Sein munteres Gehabe, wenn wir den Wald betraten, ist dahin. Mühsam stolpert er durch das Gras. Er sieht nicht mehr. Trotzdem bleibt er hin und wieder stehen, um zu schnuppern, nach anderen Hundespuren. So wähle ich wohl oder übel den kurzen Rundweg und wende mich nach rechts, nachdem wir einige Zeit auf einer Bank gerastet haben.

Einige Eichen sind fast kahl, das sind die toten. Am Mühlenweg sehe ich mir die Eichen an, die zurückgeschnitten wurden. Es ist etwas Laub nachgewachsen, doch sie sind weiterhin deformiert. Wann werden die Menschen endlich vernünftig?

 


 

 

5. April 1998

 

Bis zum Wald gegangen. Die abgesägten Zweige der Büsche und
Pflaumenbäume liegen noch in den Gräben. Der Waldboden ist trocken, die Blätter des Unterholzes sind etwas grün. Die Buschwindröschen blühen. Niemand begegnet mir. Nur am
Waldrand, wo man hinunter zum Kanal blickt, sehe ich einige Spaziergänger. In der Ferne die Türme von Braunschweig, dahinter ahnt man die wuchtigen Bergkuppen des Harzes. Bei entsprechend hoher Luftfeuchtigkeit kann man den Brocken sehen.

Dann sehe ich drei junge Männer auf dem Feld. Es scheinen Ausländer zu sein. Ich stehe eine Weile dort wo die Bank aus einem Baumstamm mit einer Lehne unter einer Eiche plaziert ist.
Die Männer fotografieren, der eine versucht auf einen Baum zu klettern.

 


 

 

15. März1999

 

Noch sehr kalt in diesem Jahr. Es ist noch kein Grün zu sehen. Es ist Samstag, ein trüber Tag. Ich gehe den Waldweg hinunter. Die Felder sind naß, es hat viel geregnet. Lange hat es nicht so viel Nässe gegeben.

An den Zwillingseichen haben Kinder sich etwas gebaut. Doch es fällt unangenehm auf, daß sie dabei weiße beschichtete Holzplatten genommen haben. Diese liegen im Durcheinander mit Latten vor der Eiche auf dem Feld. Wie eine Müllhalde. Es sind halt doch recht unkultivierte Leute jetzt im Dorf.

Ich blicke zum Wald den Weg hinunter. Es sind keine Beschneidungen vorgenommen worden, doch wer weiß, wann die nächsten vorgenommen werden.

Der Wald sieht grau-schwarz aus in seinem filigranen Astwerk der verschiedenen Bäume. Am Waldrand, wo der Hauptweg hineinführt, hat man eine neue Sperre aus Holz errichtet. Ich sehe frisch gefahrene Spuren und ahne, daß man wieder abgeholzt hat. Da es schon Abend ist, gehe ich nur ein Stück an den Feldern entlang bis zum Jägerstand. Das Dorf liegt in der Ferne.

Am nächsten Tag gehe ich den Mühlenweg hinunter, da ich befürchte, am Waldweg wegen der Nässe im Wald nicht durchzukommen. Es sind viele Menschen unterwegs, da das Dorf sich zusehends vergrößert hat. In den Gräben steht Wasser. Nun fällt mir weiter auf, daß vor dem Wald links auf dem Feld sich alte Fernsehgeräte befinden, die in schwarzem Durcheinander vor den Sträuchern lagern. Mein Eindruck von gestern erweitert sich. Wie kann man nur! Sehr beziehungsreich. Vielleicht wollten die Übeltäter darauf aufmerksam machen, daß der Wald "beobachtet" wurde.

Ich gehe diesmal umgekehrt. Selten bin ich zuerst zum kleinen Teich gegangen, der nun randvoll ist. Ich blicke zwischen die Stämme, und sehe Verwüstung. Man hat große Stämme gefällt und nicht eben sorgfältig. Überall zersplitterte Äste, die sich in den Zweigen der noch stehenden Bäume verfangen haben. Große, dicke, mindestens 100jährige Stämme lagern am Waldboden und warten auf den Abtransport.

Ich gehe nicht an der Lichtung vorbei, sondern Richtung Eickhorst, wo ich an kleine Schonung von Tannen gerate, die vor der Wiese liegt. Hier sind im Sommer Schafe oder Pferde. Ich finde eine Stelle, wo ich den Stacheldraht passieren kann und gehe ein Stück auf der Weide zurück, um auf den Weg nach Thune zu gelangen. Die Felder sind noch kahl. Eines ist umgepflügt; große schwarze Schollen reihen sich aneinander. Ich gehe den abschüssigen Asphaltweg hinunter, um mich dann links zu wenden. Vorbei an einem Anhänger der Forstverwaltung. Von weitem sah es wie ein kleines Gebäude aus. Ich dachte schon an eine Hütte o. ä.

Nun begegne ich kaum noch Menschen; es ist zu kalt und zu unfreundlich, auch sind in der Gegend des Waldweges wenig Spaziergänger, weil die Gräben naß sind, die man überqueren muß. Ich komme zum Pavillon, gehe an dem Kiefernwaldstück entlang, wo man auch abgeholzt hat. Dann bin ich am Grasweg. Ich wage es doch, weiter zu gehen. Einige Male muß ich auf den mit Laub bedeckten Waldboden ausweichen, mich unter die Zweige bücken, die an meiner Mütze zerren. Nun bin ich am Graben, der so breit ist, daß ich nicht hinüberkann. Ich gehe ein Stück weiter, wo er nicht mehr so breit ist und beginne, Zweige und herabgefallene Äste zu sammeln, die ich darüber lege, bis ich eine kleine Brücke habe. Ich wage es, auf die brüchigen Zweige zu steigen, mich an Zweigen eines niedrigen Baumes festhaltend. Ich schaffe es, trockenen Fußes nun auf den breiten Weg zu kommen, der in den Waldweg mündet.

Der Wald hat sich gelichtet. Das Forstamt hat mal wieder zugeschlagen. So viel, wie umgehauen wurde, wächst wohl in einem Jahr nicht nach. Der Wald wird immer lichter und spärlicher. Die abgestorbenen Bäume genügen wohl nicht, vielleicht hat man aber gerade diese herausgeschlagen, um die Schande nicht vollends offenbar werden zu lassen. Ich wußte, daß sich wieder etwas verändert hatte. Doch warum immer nur zum Schlechten. Gibt es nichts besseres, als nur abzuholzen. Auf dem Weg nach Thune hatte ich auch gesehen, wie man wieder einige Bäume beschnitten hatte.

Eine Firma in Eickhorst war tätig, um zu Geld zu kommen. Der Verband der Landwirte hat keinen Sinn für Natur, für unberührten Wald. Was kann man dagegen tun?


 

 

6. April 1999

 

Wie meist ist das Wetter kühl und wechselhaft. Am Waldweg sind einige Pflaumenbäume schneeig mit Blüten überdeckt. Auf dem Weg wächst Moos. Der Wald schimmert nun hellgrün. Das Unterholz wie ein grüner Schleier vor den dunklen Stämmen und Ästen der Eichen und Buchen.



Waldrand Richtung Thune


Zu Ostern hat man den Müll, welchen Kinder zum Bauen an der Eiche anschleppten, entfernt. So ist es nun ein erfreulicher Anblick, der sich einem bietet. Wenngleich es bei mir nun immer auch ein prüfender sein wird. Nun, wo so viel zerstört ist, ist es doppelt schön, eine einigermaßen unversehrte Landschaft zu sehen; es gibt sie noch.

Abends gehe ich am Waldrand entlang, wo die Gräben immer noch randvoll mit Wasser sind. Die Blätter der blauen Iris wachsen aus dem dunklen Wasser empor. Bald werden sie aufblühen.

Auf dem Waldboden sind nun die Buschwindröschen in voller Blüte, wenngleich es auch in manchen Jahren schon mehr gab.

Zuweilen bin ich im Wald auf der Gemarkung Ochsenrode, welcher entgegengesetzt zum südlich des Dorfes gelegenen Walde mit den Kindern spazieren gegangen. Doch bald endete der Weg. Auch mußte man eine längere Strecke auf der Aphaltstraße an Meine vorbei gehen, um dorthin zu gelangen, so daß es meist verblieb, dort zu wandern.

Nun nach den Ostertagen bin ich mit Andrea, ausgerüstet mit Rucksack und Wanderstiefeln, mit dem Auto zum Platz des Osterfeuers gefahren, um dann in die "Maaßel", wie man dieses Gebiet auch nennt, zu gelangen. Zunächst waren die Wege breit, als Forstwege durch den Wald geführt. Dieses Waldgebiet ist größer, abwechslungsreicher und nicht so viel begangen.

Wir wanderten an Wiesen, Bächen und Feldern vorbei, sahen einen Greif kreisen. Um dann einen kleinen Pfad Richtung Norden einzuschlagen. Nun empfing uns Tannenwald, dann wieder niedriges Gehölz, Weiden standen am Feldrand. Der Mischwald dann war alter Waldbestand. Wir gingen einen feuchten Grasweg entlang, wo man immer drohte, im Morast zu versinken. Dann sahen wir Heidelbeersträucher. Ich beschloß, hier im September Beeren zu sammeln.

Man sah, daß der Wald forstamtlich "gepflegt" war; auch gab es eine Reihe von Jägerständen. Doch im ganzen war er urwüchsiger, wilder als der in "unserem" Gebiet. Es war auch stiller dort, weil das Gebiet weiter entfernt von Straßen und Dörfern liegt. Umgestürzte Stämme mußten wir überklettern. Unser Ziel war eine alte Eiche, ein Naturdenkmal. Doch es gab keinerlei Wegweiser, zum Glück. So war alles abenteuerlich.

Plötzlich jedoch mußten wir eine Autostraße überqueren, um dann an Lichtungen zu gelangen. Eine Jägerhütte mit Sitzplätzen stand an einer Waldwiese.

Dann erreichten wir einige Häuser: "Klein-Vollbüttel". Wir waren also doch recht weit nach Norden vorgedrungen. Idyllisch gelegen, mit großen Gärten, hohen Tannen, waren diese Häuser fast ein Urlaubsdomizil. Die Straße war nur mit Sand und Steinen befestigt.

Wir gingen den geraderen Weg zurück, setzten uns auf Baumstämme, um ein wenig zu rasten. Dann empfing uns wieder der dichte Wald, immer wieder aufgelockert durch Schonungen, Wiesen und Felder. Es gab noch eine Menge anderer Wege Richtung Nordwesten, wo auch die Eiche stehen mochte, die wir verfehlt hatten.

Ich kannte diesen Wald eigentlich gar nicht, bis auf das kurze Stück hinter dem Osterfeuerplatz. Zu meiner Schande mußte ich das gestehen. Warum bin ich hier noch nicht gewesen, in diesem großen Gebiet, wo man stundenlang niemanden trifft. Ich beschloß, hier nun öfter herzukommen. Es gab sicher viel neues zu entdecken. Auch das Beerensammeln sollte mich locken.

Noch ehe wir den Waldrand erreichten, um an den Wiesen, die ein Feuchtgebiet waren, entlang, vorbei an den Kiefern, zu unserem Auto zu gelangen, setzte starker Regen ein, so daß wir uns beeilen mußten. Wir wurden doch recht naß.

 


 

 

Pfingsten 1999 (23. 5. 99 - Pfingstsonntag)

 

Die Büsche und Bäume am Waldweg sind nun dicht belaubt und noch von hellem Grün. Auch die Schlehenbüsche sind wieder dicht belaubt; die Wunden der Schnitte sind fast nicht mehr zu sehen. Fast haben sie wieder die ursprüngliche Dichte und Form. Wie lange nicht mehr sind die Bäume des Waldes in einem relativ guten Zustand. Das nasse Frühjahr, dann der wechselhafte April mit seinen Regenschauern, abgelöst von Sonnenschein und Wärme. Auch der Mai war wie er im Buche steht, feucht und kühl, aber auch warm mit Gewittern, daß Pflanzen und Bäume wachsen konnten.

Der Geruch von Gülle auf dem Feld hat nachgelassen. Die ehemalige Eichenschonung, nun fast ein halbes Jahrhundert alt, ist hoch gewachsen, fast unterscheidet sie sich nicht mehr von den angrenzenden hohen Bäumen. Die Eichen haben gutes Laub, vermutlich haben sie sich von den Dürrejahren erholt. Oder man hat die kranken Bäume markiert und dann herausgeschlagen.

Frühling


Die Heckenrosen am Wege fangen an zu blühen, eine Pappel ist schon recht groß geworden. Leider kenne ich nicht alle Sorten, auch hier nicht, wo nur so wenige vertreten sind. Haubenlerchen steigen steil in die Lüfte und zwitschern ihr unvergleichliches Lied. Grünlinge und natürlich Feldsperlinge in Scharen flattern hoch, als ich mich nähere. Buntschillernde Stare sitzen auf dem Feld, um Würmer oder auch Körner zu picken.

Beim ersten Spaziergang gehe ich nur den Weg am Waldrand entlang, auf der anderen Seite steht ein grüner Jägerstand, von denen es viele gibt, manche sind im Umfallen begriffen. Noch niemals habe ich einen Jäger im Stand gesehen; wahrscheinlich sitzen sie dort in den Abendstunden, man müßte mal in der Dämmerung einen Gang machen.

Rechts des Weges, zum Feld hin, stehen auch noch einige Eichen, manche beschädigt, wohl beim Mähen angeschlagen. Ich blicke zurück zu den roten Dächern des Dorfes, mich stört nur der Autoverkaufsplatz des Gewerbegebietes am Stadtweg. Je älter die Siedlungshäuser, je höher die Bäume um die Häuser herum, meist sind es Tannen, Birken und andere Nadelhölzer, wie Lärchen und Blautannen.

Der Graben trägt kaum noch Wasser. Am Boden dunkles Laub aus dem Vorjahr. Es riecht modrig. Der Weg mündet auf den Wiesenpfad, der nun begangen werden kann. Im Graben blüht nun die Iris. Farne beginnen zu wachsen, sie haben sich vermehrt. Sonst nur Brennesseln. Dann aber Waldmeister, der schon am Verblühen ist. Der Blick in den dunkel schattigen Wald mit Klee und anderen Bodendeckern zwischen hellgrün schimmernden Zweigen des Unterholzes geht auch über Stümpfe, herabgefallene Zweige, die am Vermodern sind.

Am Ende des Wiesenweges steht die Eiche, auf der ein Jägersitz angebracht ist. Hier geht es nicht mehr weiter, es sei denn, man wagt den Sprung über den Graben, der sich hier gabelt. Auch ein Meilenstein befindet sich hier. Die Grenze zum Landkreis Braunschweig. Mücken schwirren in der Luft. Sie sind sehr lästig.

Am nächsten Tag, als die Kinder mitkommen, sitzt eine große Zahl von Mücken auf der weißen Strumpfhose von Charly. Als sie merkt, daß gestochen wird, beginnt sie zu laufen, schreit und will aus dem Wald heraus. Doch wir sind auf dem kleinen Pfad, der rechts vom geraden Forstweg abgeht und müssen weiter.

Vögel zwitschern, sonst sehen wir kein Wild, es ist im Dickicht verborgen. Dabei gibt es Wildschweine, man sieht es an der schwarz aufgewühlten Erde. Der Boden ist teilweise schlammig, daher die vielen Mücken. Weiter unter den Bäumen stehen Maiglöckchen. Ihre großen spitzen Blätter stehen dicht bei dicht. Ich pflücke einige, doch sie sind am Verblühen. Nachdem ich immer wieder ihren Duft verspürt habe, indem ich sie an die Nase führte, werfe ich sie weg, ohne noch mehr zu pflücken.

Am nächsten Tag gehe ich den umgekehrten Weg über die Felder Richtung Rethen. Pferde sind bereits auf der Weide. Aber auch hier haben sich die Häusergruppen weiter ausgedehnt und es sind viele Menschen unterwegs. Ich laufe fast, um endlich auf das freie Feld zu kommen. Wie wird es hier erst in 50 Jahren aussehen? Es ist möglich, daß dann ein Wildpark eingezäunt ist, die Häuser sind bis an den Waldrand vorgedrungen, wie in Eickhorst. Windräder stehen auf den Anhöhen. Ich habe nichts dagegen, denn sie sind wirklich eine Alternative zum Braunkohle- und Atomstrom. Doch wenn sie erst in Massen dort stehen, ist die Landschaft verändert.

Der Weg ist gut befestigt, es riecht schlecht, da hier Abwasserkanalisation entlangläuft. Es rauscht in den Gullys. Ich versuche nach links zur Straße nach Eickhorst zu gelangen. Einen früheren Weg gibt es nicht mehr, so daß ich über die Felder muß. Die Gerste steht schon recht hoch und ich muß am Rand, wo es recht holprig ist, an dicken Blättern, die meine Beine streifen, mich entlangtasten. Endlich habe ich wieder einen Weg unter den Füßen, überquehre die Straße an der langen Kurve und biege in den Waldweg ein, wo ein Schlagbaum das Hereinfahren von Autos verhindern soll. Hier endlich auch ein Schild, grün amrandet, welches verkündet, daß es sich hier um Landschaftsschutzgebiet handelt. Sonst nur Schilder an den Wegen, welches das Befahren von Kraftfahrzeugen verbietet, außer Forstfahrzeugen, natürlich zum Abtransport von geschlagenen Stämmen.

Wie sagte doch der Förster zu mir? Die Landwirte wären mit einem Naturschutzgebiet nicht einverstanden und die Wege würden verwildern. Wie wäre es, wenn man einen Kompromiß fände: Keine oder nur noch wenige Bäume zu fällen und dafür die Wege zu pflegen. Doch das kostet und bringt nichts ein, außer ideellen Werten. Immerhin ist man schon dazu übergegangen, Mischwald zu pflanzen.

 


 

 

20. Juni 1999

 

Wucherndes Gras, hohe Stauden und Schilfpflanzen im Graben. Der Holunder blüht und die Hundsrose. Alle Blätter sind fast unnatürlich groß und haben nun ein sattes Grün; die Zweige sind lang und dicht. Im Graben am Waldrand sind nun die Iris fast verblüht in der letzten Feuchtigkeit des Grabengrundes.

Ich beginne, Kräuter zu sammeln zum Trocknen. Gänsefingerkraut, Mädesüß, Himbeerblätter und binde sie zu Sträußen zusammen, die ich am Küchenfenster aufhänge. Es gibt noch mehr Kräuter und Pflanzen, die ich sammeln könnte, doch ich bin vorsichtig. Manche Pflanzen ähneln sich. Schafgarbe und die bereits genannten kenne ich. Der Rainfarn ist mit Vorsicht zu genießen. Ich habe ein Pflanzenbestimmungsbuch, wo ich nachschlage, doch nur allmählich lerne ich die Kräuter kennen, welche zu verwenden sind, als Gewürz oder für Tee.

Im Wald ist es nun schattig, das Gras steht hoch und ist sattgrün. Auf dem Graspfad sind immer noch feuchte Stellen, die Mücken in Scharen anziehen. Ich gehe schnell weiter. Der Waldmeister blüht nun, die Maiglöckchen sind verblüht und Hasenklee bedeckt den Waldboden. Er schmeckt leicht säuerlich, ist aber nur frisch zu verwenden.

Zuhause lege ich Schafgarbendolden in Sonnenblumenöl ein, koche mir Tee aus Himbeerblättern, welcher grün-milchig ist. Ich bin skeptisch, doch er schmeckt nicht schlecht. Er soll leicht harntreibend und entzündungshemmend im Mund- und Rachenraum sein.

 


 

 

1. - 15. August1999

 

Fast täglich im Wald gewesen, darunter längere Spaziergänge von bis zu 2 Stunden. Trotz der Hitze war es im Wald schattig und kühl. Noch immer Feuchtigkeit auf dem Pfad zwischen der Verlängerung des Waldweges und dem Forstweg nach Thune. Sonst waren die Gräben trocken.

Verschiedentlich Rehe gesehen, am Waldweg im Weizenfeld einen Rehbock, der kaum scheu war und nicht flüchtete, als er mich sah. Einige neue Jägerstände sind errichtet worden. 2 jüngere Rehe auf dem breiteren Weg nach Thune, die die Gefahr anscheinend noch nicht kannten und zunächst neugierig zu mir herübersahen, um dann doch in langen Sätzen zu flüchten. Das Reh, die Gazelle Norddeutschlands, kann leichtfüßig springen, weit und hoch.

am Kiefernwaldstück Richtung Thune

Der Wald ist schattig und dicht; wegen der Trockenheit beginnt gelbes Laub herabzufallen von den Buchen. Sonst scheinen die Bäume in gutem Zustand. Einige Eichen haben trockene unbelaubte Äste, doch das ist nichts neues. Am Weg, wo es nach Meinholz geht, war ich länger nicht. Hier sind sehr viele Lärchen umgehauen worden.

Als es sehr heiß war, drückte selbst unter den dichten Zweigen die Hitze herab. Was ist vergleichbar mit den schimmernden Lichtflecken, welche die Sonne durch die blattbehangenen Zweige schickt auf den grünen Waldboden, das Moos, die Gräser? Es ist unvergleichlich. Die Luft ist würzig und kühl; feucht steigt es aus den Gräben auf, Blätter rascheln im Luftzug, trockene Äste knacken; es fällt etwas zu Boden. Dann hört man einen Specht hämmern. Ein Vogel fliegt auf.

Am Waldrand beginnen die Schlehen zu reifen und die Brombeeren. Das Gras ist nun trocken und gelb an Stellen, wo die Sonne ungehindert hinkommt.

Das Wetter wechselt von flirrender Hitze zu rauschendem Regen, vor dem man am Anfang Schutz unter dem dichten Laubdach findet. Nun schwanken die dicken Äste, sie ächzen im Sturm.

An einem Tag gehe ich Richtung Thune, um dann einen Feldweg nach Mainholz einzuschlagen. Er führt leicht bergan. Hier bin ich noch nie gewesen. Es ist das Waldstück am Meinholzer Berg, welches zwar in den großen Forst übergeht, jedoch an einer Stelle endet der Wald und wird von einem Acker unterbrochen.

Um nicht auf die B 4 zu kommen, muß ich über ein Feld laufen und gelange dann an den Waldrand, wo jedoch kein Weg ist. Wie angedeutet ein Pfad. Er führt zu einem Jägerstand. Nun muß ich unter Zweigen hindurch, durch raschelndes Laub. Ein niedriger buschiger Wald breitet sich vor mir aus, bis ich schließlich einen breiteren Weg erreiche, der auf den Pavillon stößt.

Es gibt also immer noch Stellen, welche ich nicht kenne, immer noch Wege, wo ich noch nicht gegangen bin. Auch im Eickhorster Wald auf der anderen Seite des Sundern. Hier schlängelt sich ein Weg unter dichten hohen Bäumen, Buchen und Eichen, dazwischen mal eine Fichte. Die Bäume sind so dicht, daß darunter kaum etwas wächst. Es ist kein Nieder- oder Mittelwald. Rechts neben mir befindet sich die "Villa" am Waldrand. Es wäre heute wahrscheinlich nicht mehr gestattet, dort zu bauen. Wie schön wäre es, auch so ein Haus direkt am Wald zu haben. Es wäre wunderbar, den ganzen Tag und die Nacht den Atem des Waldes zu spüren. Man würde mehr sehen als jetzt, noch vertrauter mit allem werden.

 


 

 

26. September1999

 

Noch immer eine verschwenderische Fülle des Grün: der Blätter, des Grases, der Büsche. Ein selten milder September bei nicht allzu großer Trockenheit läßt den Sommer lang erscheinen. Noch immer ist alles grün, nur hin und wieder ein paar gelbe Blätter.

Am Waldweg hat man die Pflaumenbäume "gesäubert". Die unteren Zweige, die ausschlugen und die eben die wilden Pflaumen hervorbrachten, hat man abgeschlagen und ihre trockenen Äste am Graben gelagert. Wie als wenn man beweisen wollte, daß noch etwas zu tun ist nach der Beschwerde über die abrasierten Büsche. Nun gibt es über Jahre keine Pflaumen mehr, wenn überhaupt jemals wieder, da man wahrscheinlich die alten Bäume auch eines Tages umhaut.

Ich dachte an eine Beschwerde; ich würde dem Bürgermeister oder den dafür Zuständigen ein Glas meiner schönen fruchtigen Marmelade bringen. Doch was soll`s. Die Bäume werden wieder ausschlagen, und so sieht es auch nicht schlecht aus. Warum läßt man aber die Natur nicht so, wie sie ist. Daß die Menschen doch allerorten glauben, die Natur regulieren zu wollen, sie nach ihrem Willen zu bescheiden, um ihr einen Stempel aufzudrücken.

Da es regnete und alles naß war, konnte ich nicht durch den Wald und mußte mich darauf beschränken, nur ein kurzes Stück den geraden Weg entlangzugehen, bis das Gras zu dicht wurde, um trockenen Fußes weiter zu kommen.

Auf dem Rückweg sammle ich noch einige Schlehen ein. Dabei muß ich auf dem Acker längs gehen, wo noch niemand war. Hier prangten die blauen Beeren noch in den Zweigen. Ich pflücke sie, wobei mir Regentropfen ins Gesicht fallen, die durch die Bewegung sich lösen. Ich will nochmals eine Flasche Korn damit ansetzen, da die bereits vorhandene nun ausgereift ist und allzu gut schmeckt.

Auf dem Feld ist bereits Wintergetreide aufgelaufen. Auf der gegenüberliegenden Seite scheinen Futterpflanzen zu wachsen.
Auch jede Menge Hagebutten wachsen an den dornigen Hecken. Doch ich habe bereits Mengen von Hagebuttenmus und scheue die neuerliche Arbeit.

 


 

 

6. November 1999

 

Das Wetter ist regnerisch und feucht. Trotzdem ist es im Wald noch trocken. Kein Wasser in den Gräben, ja noch nicht einmal im Feuerlöschteich. Ein Phänomen, welches ich eigentlich noch nie beobachtet habe. Mag auch sein, daß er mal wieder ausgehoben werden muß.

Das Laub der Bäume ist nun gelb und braun. Einige Bäume haben kahle Äste, auch Eichen. Diese dürften krank sein. Dei meisten haben noch jene hellbraune, gleichmäßige Farbe auf ihren glatten Blättern. Der Wald sieht nun von der Ferne wie ein rotbrauner Busch aus, vermischt mit rost, gelb, auch gelbgrün in allen Schattierungen. Das Gras ist noch grün an den Wegrändern. Auch Brennesseln stehen noch in vollem Grün. An den Eschen hängen rote Beerenfrüchte.

Ich gehe mit Ulrich, auch Markus hat sich dazugesellt. Die beiden meinen, daß man möglicherweise noch Maronen finden würde. Wir verlassen den Weg, um unter den Bäumen durch das Laub zu streifen. Die Pilze sind nur schwer auszumachen, doch wir finden einige, die sich allerdings als wurmstichig herausstellen. Nur 2 oder drei kann ich verwerten.

An den Schlehenbüschen, wo ich hoffe, noch einige Beeren zu finden, hängen, wenn überhaupt, nur vertrocknete. Daran sieht man, daß die Jahreszeit dem Kalender voraus ist um einige Wochen. Auch wäre sonst Mitte November das meiste Laub noch an den Bäumen, was nun nicht der Fall ist.

Am nächsten Tag gehe ich an der Gabelung nach dem Grasweg links Richtung Thune entlang. Auch hier in den Schneisen, wo sonst meist Wasser steht, kann ich bequem entlanggehen, bis ich zum Waldrand komme. Das Wintergetreide ist aufgelaufen und leuchtet in frischem Grün. Auf einigen Äckern stehen Futterpflanzen.

Ein leicht modriger Geruch steigt vom Waldboden auf, angenehm würzig.


 

 

5. Februar 2000

 

Die Luft ist feucht, es hat stark geregnet und ich fürchte, nicht über die Gräben zu kommen. Doch der Wasserverlust ist immer noch nicht aufgefüllt, denn die Gräben sind trocken.

Am Waldweg sind wieder die Schlehenbüsche beschnitten, wobei "beschnitten" ein unzureichender Ausdruck ist: Man hat die nach einigen Jahren füllig gewordenen Büsche bis in die Spitzen hinein kahl geschnitten. Die ausgefransten Schnitte der Äste, die noch weit hinein in die Büsche gespalten sind, sehen häßlich aus. Die Fräse hat ganze Arbeit geleistet. Die großen buschigen Zweige liegen am Wegesrand. Ich bin erzürnt und erwäge eine Beschwerde bei der Naturschutzbehörde.

Es war wieder die Genossenschaft, an der Spitze die Firma in Eickhorst, die kommerziell Beschneidungen durchführt. Warum, wahrscheinlich, um eine Auslastung der Maschinen zu bekommen. Es sieht katastrophal aus und ist völlig unnötig. Was haben sie noch vor? Der Weg ist breit, außerdem kann der Landwirt zum Bestellen seiner Felder den unteren Zugang benutzen. Es ist wie eine Provokation. Hier, seht her, wir machen, was wir für richtig halten, ihr könnt nichts dagegen ausrichten.

Wütend und traurig ob soviel Ignoranz gegenüber der Natur, betrete ich den Wald und halte Ausschau nach weiteren Zerstörungen. Ging man in den vergangenen Jahren noch glimpflich mit der Abholzung vor, so wurde nun stark ausgelichtet. Vom Waldrand kann man durch die Bäume hindurch Licht sehen Richtung Meinholz, was es noch nie vorher gab, selbst bei kahlen Bäumen nicht. Tote Bäume und das Abholzen haben das vollbracht. Ich müßte etwas tun, mich an den BUND wenden. Ein vernünftiges Naturschutzgesetz läßt immer noch auf sich warten.

In der Tat gibt es am Rand zu den Feldern Richtung Meinholz einen Kahlschlag, wo nur noch einige Kiefern stehen. Man hat die Fläche eingezäunt. Will man hier neu anpflanzen oder was?

Kahlschlag


Am nächsten Tag gehe ich in die andere Richtung. Giulia begleitet mich und teilt meine Entrüstung über die Beschneidungen. Man muß es ihnen nahebringen. Sie hat eher wie Charly Verständnis für die Schönheit des Waldes.

Feuchtigkeit steigt hoch vom brauen Laub. Durch das milde Wetter sind bereits die langen Haselblühten aufgebrochen und hängen hellbraun an den kahlen Zweigen. Nur auf den Feldern am Ausgang Mühlenweg steht Wasser, obwohl hier eine Anhöhe ist. Mir ist das unverständlich, aber es wird wohl eine logische Erklärung haben. Die kleinen Eichen sind verschont, aber vielleicht war man hier noch nicht und es wird noch getan.

Rot leuchten die Dächer vom Dorfrand durch die kahlen Äste.

 

Anfang April 2000.
die Pflaumenbäume am Waldweg

Das Wetter ist kühl und regnerisch. Trotzdem beginnen die Blüten der Pflaumenbäume bereits aufzubrechen. Nur der gerade Rückschnitt entlang des Weges ist auffällig. Auch das Entfernen der wilden Triebe, die mit ihren Zweigen fast die Höhe der alten Bäume erreicht hatten, läßt die Bäume nun kahl erscheinen.

die Schlehenbüsche

Die Schlehenbüsche sind noch wie tot. Um so mehr fällt auf, wie sehr auch sie verstümmelt wurden durch die Heckenscheren. Gesplitterte Ūste und zerfledderte Zweige zeugen von der Zerstörung, die unnötig war.
die beschnittenen Büsche

Am Waldrand schimmert das Unterholz grün. Es beginnt auszutreiben. Der Weg weist eine schwarze aufgewühlte Spur auf, wie von schweren Fahrzeugen verursacht. Selbst am geraden Forstweg sind untere Zweige weggeschnitten. Am  bergang zum Graspfad sind die Gräben noch immer trocken, obwohl es ausnehmend viel geregnet hat in letzter Zeit. Erst die breiteren tieferen Gräben weisen Wasser auf.  berall an den Wegen lagern große Stapel zerschnittener Stämme. Es ist außergewöhnlich viel Holz gefällt worden. Wie sagte doch der Förster vor einigen Jahren? "In diesem Waldstück sind lange Zeit nicht viel Bäume gefällt worden; das solle man bedenken". Nun, das hat man wohl jetzt nachgeholt.
abgeholzt


Beim nächsten Spaziergang sehe ich bei Sonnenschein die ersten Buschwindröschen aufbrechen. Stellenweise, wo die Bäume nicht so dicht stehen, bedeckt ein weißblühender Teppich den Waldboden. In den 80iger Jahren waren es jedoch zuweilen mehr. Am Weg Richtung Thune hinter der Kiefernwaldfläche sehe ich Waldarbeiter, die Stämme zusammenschichten. Einer der Männer scheint kein Waldarbeiter zu sein. Ich spreche ihn an und erfahre, da‡ er aus Thune stammt und einige Meter Holz erworben hat, die er für den Abtransport fertig macht. Er sagt nicht, wofür er das Holz benötigt, doch es ist anzunehmen, da‡ er es als Kaminholz nutzen möchte. Ich gehe weiter und komme auf den Weg, der leicht bergab geht und zwischen Feldern hindurchführt. Auf dem Weg, der dann rechts wieder die Anhöhe in den Wald hineinführt fährt ein Auto entlang. Ich warte unter den Bäumen, um zu sehen, welchen Weg er nimmt. Der Fahrer des Wagens steigt aus, um ein Tor zu öffnen. Ich frage ihn, warum er mit einem Kraftfahrzeug in den Wald führe, das sei doch verboten. Er reagiert sehr ungehalten und meint, er könne wohl in "seinen" Wald fahren, wie es ihm beliebe. Weiter erfahre ich, da‡ der Wald Richtung Thune und links bis zum kleinen Teich in Privatbesitz sei. Er würde sich über Spaziergänger ärgern, die meist keine Ahnung hätten, was man für die Erhaltung eines Waldstückes aufbringen müsse. Worauf ich erwiederte, da‡ doch sicherlich die gefällten Stämme auch wieder etwas einbrächten. Da bliebe nichts, meinte er und weiter: "Dann kaufen Sie sich doch einen Wald!" Der Unmut dieses Waldbesitzers war mir nicht recht erklärlich. Beim Rückgang durch den Wald erwog ich seine Wort. Man konnte sich also Wald kaufen. Wahrscheinlich über die Landwirtschaftskammer Hannover und dann auch Zuschüsse bekommen. Ich spielte mit dem Gedanken, ein Grundstück zu verkaufen und statt dessen Wald zu erwerben oder eine brachliegende Ackerfläche, die dann aufgeforstet wurde. Das wäre eine Aufgabe, die durchaus bedenkenswert schien. Doch zunächst erfreute ich mich beim weiteren Gang unter den Bäumen zum ehemaligen Feuerlöschteich an der Natur und an den aufbrechenden Knospen der Zweige. Beim Teich entdeckte ich ein Schild, auf welchem stand, da‡ der Teich nun zu einem schützenswerten Biotop erklärt sei und Verunreinigungen oder Zerstörungen mit hoher Geldstrafe geahndet würden. Mal ein Hoffnungsschimmer. Es war wohl doch noch nicht alles verloren. Am Mühlenweg mußte ich daran denken, daß hier noch vor wenigen Jahrzehnten Birken gestanden hatten. Und daß dort, wo Kühe grasten nun eine dichte Bebauung durch Einfamilienhäuser erfolgt war.


1. 6. 2000 (Himmelfahrt)

Am Spätnachmittag gehe ich den Waldweg hinunter, vorbei an den Pflaumenbäumen links des Weges. Das Gras steht hoch am Graben. Teilweise ist es gelb wegen der großen Trockenheit im vergangenen Monat. Rechts befindet sich die dichte Hecke von Schlehenbüschen und Heckenrosen. Davor stehen Taubnesseln in weißer Blüte, Brennesseln und Rainfarn.
Die alte Doppeleiche ist wie eh und je in dichtem Laub; nur ein großer Ast am Weg ist vollkommen trocken.


die alte Doppeleiche


Der Wald ist grün in dichtem Laub. Nur einige Wipfel sind etwas ausgedünnt. Die Schlehenhecke ist wieder weitgehend zugewachsen. Dichte kleine Zweige verbergen an den meisten Stellen die Rückschnitte. Auf der anderen Seite bemerke ich bei näherem Hinsehen viele kleine grüne Früchte. Die Hecke muß ü.ppig geblüht haben, was aber sicherlich nicht die folge der Beschneidung gewesen sein dürfte. Kurz vor dem Waldrand steht eine Pappel, die in den letzten Jahren immer höher gewachsen ist.
Die Verlängerung des Weges ist offen. Die Sperre aus einem dicken Holzstamm ist zur Seite gebogen. Auf dem Weg steht nicht so viel Gras, da er im Winter wegen der Fällarbeiten stark befahren wurde. Brennesseln, Pimpernelle und Springkraut säumen den Weg. An der Gabelung entdecke ich auch noch kleine Pfefferminzpflanzen wie im Vorjahr. Da sie noch nicht blühen, verzichte ich darauf, einige zu pflücken. Zwischen hohen Brennesseln muß ich mir den Weg bahnen, um über den Graben zu kommen, der kein Wasser trägt. Der Waldboden ist relativ trocken. Nur einige schlammbedeckte Pfützen in der Mitte zwischen hohem Gras lassen mich vorsichtig darüberhinwegsteigen. Zwischen den Stämmen viele verbl¨hte Maiglöckchenblätter und Waldmeister.


einer der vielen Jägerstände



der Bienenstand


Auf dem Weg dann im Schlamm sehe ich Hufspuren, die anscheinend von Wildschweinen stammen. Sie sind etwas breiter als die von Rehen. Die Schweine müssen sich hier gesuhlt haben, denn stellenweise sind die Ränder der Schlammlöcher glatt und rund, wie von Körperabdrücken. In diesem Teil des Waldes gibt es Wildschweine, die man jedoch sehr selten zu Gesicht bekommt. Der Wald ist fast undurchdringlich: ein Mischwald aus Eichen, Buchen, Kiefern und Niederholz. Dazwischen schrägliegende, umgestürzte dünne Bäume, dann wieder Farne und an helleren Stellen Holunderbäsche Wahrscheinlich liebe ich deshalb diesen Wald, da er so "ungepflegt" ist. Die Wälder um Berlin sind eher sauber und wirken ausgerämt. Hier hat man eher noch den Eindruck eines "Urwaldes", obwohl das natürlich nicht stimmt. Zwar haben sich viele Bäme selbst eingesamt, doch ist die urs&ruuml;ngliche Bewaldung inzwischen mindestens dreimal erneuert, im 19, Jahrhundert aber planmäßig angepflanzt bzw. aufgeforstet worden. Es ist zwar möglich, daß sich an dieser Stelle schon immer Wald befunden hat. Doch mögen sich unter den Bä ehemals Ackerflächen oder sogar Siedlungen befunden haben.
Eine große völlig abgestorbene Eiche steht an der Wegbiegung.

wieder eine abgestorbene Eiche




3. 6. 2000

Wieder am Spätnachmittag gehe ich in die andere Richtung, nachdem ich über den Grasweg auf die breitere Forststraße gelange. Ich komme zu dem rotweiß-metallenen Schlagbaum, der den Weg zu den Feldern für Autofahrer absperrt. Hier befinden sich auch zwei Schilder mit Entfernungsangaben für Vordorf und Thune für Radfahrer.
Es ist dunstig, so daßich kaum die Türme von Braunschweig erkennen kann. Durch einige Baum- und Buschreihen blicke ich über die Felder auf Thune. Kurz vor der Bank, wo sich die beiden Schilder mit den Aufschriften "Forstweg" und "Landschaftsschutzgebiet" befinden, bemerke ich, daß das eine dreieckige Schild mit der Kennzeichnung Schutzgebiet umgeworfen wurde. Befürworter des Naturschutzes können das gerade nicht gewesen sein.
Dann bin ich am Biotop, dem ehemaligen Feuerlöschteich. Er ist voller Wasser, dessen Oberfläche grün bewachsen ist.


der Feuerlöschteich

Wahrscheinlich hat man ihn ausgehoben; er scheint auch etwas größer geworden zu sein. Doch lediglich ein Schild aufzustellen ist leicht. Und sogleich wird für den Bürger ein Verbot postuliert. Für Vergehen gegen den Naturschutz auf administrativer Ebene gibt es keine Verbote! Ich gehe weiter Richtung MŁhlenweg bis zur Weggabelung. Vor dem tiefen Graben steht eine hohe Eiche, auf deren Stamm die Nr. 5 in einem Viereck mit weißer Schrift einmalt ist. Was das bedeuten mag? Auffallend sind die groößen grünen und völlig unversehrten Blätter der Eiche. Ist das eine vollkommen gesunde Eiche in gutem Zustand? Dann sind all die anderen mit den kleineren Blättern und dürrem Laub angekränkelt oder schwer geschädigt! Ich werde das beobachten.
Am Mühlenweg befinden sich auf der rechten Seite, wo früher Birken standen, einige kleinere Eichen und auch Schlehensträucher, die noch recht niedrig sind. Ich hatte sie vorher noch nicht bemerkt. Wahrscheinlich haben sich diese von selbst eingesamt.

1. Juli 2000

Das Wetter ist bewölkt und es hat ein kurzes Regenschauer gegeben. Diesmal beschließe ich, den Weg nach Rethen hinunterzugehen. Die Kinder begleiten mich, weil wir zur Pferdeweide wollen. An der Kastanienallee ist die Straße nun mit einem gepflasterten Fußweg versehen. Wieder ein Stück versiegelten Bodens hindert das Wasser am Versickern. Die Einfamilienhäuser an der Bahwiese sind nun fertiggestellt. Das Regenwasser-Rückhaltebecken ist an der Oberfläche dicht mit Algen bedeckt, denn es hat längere Zeit nicht geregnet. Trocken und gelb sind auch die Gräser am Wegrand. Dichtes Eichengebüsch zwischen uralten und fast abgestorbenen Apfelbäumen säumen eine Weide. Eine weitere befindet sich nach der Linksbiegung des Weges hinter dem kleinen Waldstück. Ein halbes Dutzend Pferde versucht, auf dem verdorrten Boden noch Gras zu rupfen. Doch es ist alles gelb vor Trockenheit. Die Pferde blicken uns Spaziergängern erwartungsvoll entgegen. Charly und Giulia sind brechen mit meiner Hilfe einige Rainfarnkräuter und halten sie ihnen zum Fressen hin. Gierig schlappern sie selbst die grünen harten Str&uum;nke mit den Blättchen in ihre Mäuler. Auch Gras rupfe ich aus und halten es ihnen hin, wobei ich auf meine Finger achtgeben muß.



Charly hat wenig Lust, weiterzugehen und bleibt bei den Pferden. Ich gehe mit Giulia weiter den Weg entlang an Bäumen und Sträuchern vorbei. Am Rande des kleinen Gehölzes hat man eine Totholzhecke aufgeschichtet. In weiter Ferne sehen wir die Häuser von Eickhorst hinter Feldern und Bäumen auftauchen. Unter dem Weg befindet sich Kanalisation, und aus den Gullideckeln steigt ein unangenehmer Geruch auf. Rechts wieder eine Weide hinter einem Graben. Dann folgt eine Brache, auf der Gras in die Höhe wuchs und nun fast vergilbt ist. Ich entdecke einen Pfad zwischen dem Gras und wir gehen nun Richtung Rethen. Giulia folgt mir in einiger Entfernung.

Für meine Tee-Sammlung pflücke ich Johanniskraut und Schafgarbe, welches hier in Fülle wächst. Ich werde die Sträuße zusammenbinden und am Küchenfenster aufhängen.

Am Spätnachmittag dann fahre ich mit Ulrich und Markus den gleichen Weg per Fahrrad entlang. Wir wollen zum Großsteingrab, welches sich vor der Maaßel, dem Waldgebiet zwischen Rethen und Meine, befinden soll. Wir überquehen die Kreisstraße und folgen einem Feldweg, der sich links von einem Waldstück befindet. Auf den Feldern steht Roggen und Weizen, der schon fast ausgereift ist. Er ist wegen der lang anhaltenden Trockenheit nicht hoch gewachsen. Die Landschaft ist abwechslungsreich. Bäume und Buschwerk, wie Weiden, Schlehen, Holunder und Eschen säumen den Weg. In einiger Entfernung beginnt das Naturschutzgebiet der Maaßel. Wir fahren nun rechts auf einem holprigen Weg entlang und kommen schließlich an eine eingezäumte Baumgruppe. Auf dem Weg stehen mehrere Autos mit Braunschweiger Kennzeichen, und überraschenderweise befindet sich hinter dem Zaun ein Telefonhäuschen. Wir hören Gelächter und Sprachfetzen von Menschen zwischen den Tannen. Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe ist beim Grillen. Wer wohl dieses St¨ck Land gepachtet haben mag? Dann geht es weiter an einem Weizen-Feld vorbei, welches bereits abgeerntet ist. Wir biegen dann nach links ab und machen Halt vor niedrigen Gehölzen. Ein Schild mit der Aufschrift, daß hier seit einigen Jahren die Kiefern-Monokultur ersetzt wird durch eigens angepflanzten Mischwald. Ein Teil davon will man sich selbst überlassen und sehen, was sich dort einsamt und anwächst.

Nicht weit davon entfernt gealangen wir wieder an einem Zaun und kommen an einen Platz mit einer Mulde in der Mitte.



Hier befinden sich in der Tat einige große Steine, die planmäßig aufgestellt zu sein scheinen: Das Großsteingrab, welches man vor einigen Jahren gefunden hat. Es ist jedoch eine gestörte Anlage, wie das Hinweisschild verkündet. Irgendwann haben hier Menschen bereits gegraben und Steine entfernt, wahrscheinlich um sie zum Hausbau zu verwenden. Von den Archäologen wurde Schotter zwischen den Steinen verteilt, der inzwischen mit Gras und Vogelknöterich durchwachsen ist. Die Anlage wurde ca. 3000 Jahre v. Chr. errichtet.

Wir setzen uns auf der Anhöhe ins Gras und blicken nachdenklich auf die gro¤en Granitsteine, welche hellgrau in der Sonne leuchten. Das Wetter hat sich gebessert, es ist fast schwül. Als wir die Anlage verlassen, suchen wir noch den Wegrand zum Feld hin ab, denn in diesem Gebiet soll sich auch die Wüstung Asenrode befinden. Ein Dorf, auch Ochsenrode genannt, soll hier vor einigen 100 Jahren gestanden haben und dann aufgegeben wurde. Einige Wölbäcker sollen sich sogar noch im Wald erhalten haben. Markus findet schließlich einen rostigen eisernen Haken, wobei es aber zweifelhaft ist, ob er aus der alten Zeit stammt und nicht von einer Erntemaschine aus diesem Jahrhundert. Er steckt jedoch den Haken ein, dessen Unregelmäßigkeit und Krümmung doch auf einiges Alter schließen läßt.

Wir treffen auf einen Landwirt, der offensichtlich ein größeres Feld mit Weizen mittels eines Mähdreschers abgeerntet hat. Einige Wagen mit Stroh und Säcken stehen auf dem Feld.

Markus vermutet, daß diese Landwirte sicherlich mehr über die Wüstung wissen, alte Karten besitzen und vielleicht auch archäologisch wichtige Funde gemacht haben. Doch es ist hier nie offiziell gegraben worden; die Wüstung wurde lediglich lokalisiert und in Karten verzeichnet. Auf dem Weg nach Vordorf jenseits der Kreisstraße befindet sich eine weitere Wüstung, das ehemalige Sinesrode. Auch dieses Dorf war von den Bewohnern verlassen worden und ist dann verfallen. Wir fahren einen Weg entlang, der schließlich ein Stück Wiese freigibt, an der Weidenbüsche stehen. Da das Feld noch mit Roggen bedeckt ist, können wir wenig sehen. Wir suchen jedoch die Ränder ab, und ich finde einen dicken rostigen Krampnagel. An der Stärke der Rostschicht könnte man natürlich mit einigen Kenntnissen oder auch Laboruntersuchungen ermitteln, wie alt dieser Nagel ist. Ich nehem ihn jedenfalls mit. Ulrich findet zwei größere Stücke Metall, über deren Herkunft und Bedeutung wir rätseln. Sie scheinen von einem Pflug zu stammen. Nach einigen Versuchen können wir die St¨cke sogar zusammensetzen. Es ist grob behauenes Eisen, rund, wie von einem Trichter. Wir nehmen es schließlich mit. Ich werde meine nächsten Besuche in dieses Gebiet ausdehnen und auch die Maaßel einmal wieder begehen.

August 2000

Mehrere Spaziergänge führen mich in diesen Wochen sowohl in das Waldgebiet "Sundern" als auch in die "Maaßel". Da es ausreichend geregnet hat, ist das gelbe Gras verschwunden. Der Waldweg ist zwar an den Rändern gemäht, doch schon wächst das Gras, die Kräuter und die verschiedenen Stauden wieder hoch. Johanniskraut und Rainfarn stehen in Blüte sowie große Mengen von Taubnesseln.



Die Schlehenbüsche haben sich gottlob von den radikalen Rückschnitten erholt und sind wieder dicht geworden.


Schlehen haben in diesem Jahr besonders viele Früchte, die sogar schon reif zu werden beginnen.



Das Korn auf den Feldern ist abgeerntet, und schon beginnt es aus den in der Erde verbliebenen Körnern grün zu sprießen. Das Laub einiger Bäume am Waldrand wird schon gelb. Der gerade Weg ist hoch mit Gräsern bewachsen, und der Graspfad ist teilweise recht feucht und schlammig. Trotzdem steht immer noch kein Wasser in den Gräben, woraus zu schließen ist, daß der Grundwasserspiegel immer noch nicht wieder aufgefüllt ist.

Ich gehe links, um zu sehen, was sich am "Kahlschlag" getan hat. Auch hier ist der Waldboden zwischen den vereinzelt stehenden Stämmen der Lärchen, Tannen und Buchen inzwischen von Stauden bedeckt. Bei näherem Hinsehen findet man kleine Ahornbäume, Buchenschößlinge und Eschen. Wahrscheinlich will man diesen Waldboden sich selbst überlassen.



Der Weg Richtung Meinholz ist fast zugewachsen. Auf den Feldern befinden sich große Rollen von zusammengepreßtem Stroh.



Ich muß durch hohes Gras stapfen und dann ein Stück über ein Stoppelfeld gehen, um wieder in den Wald zu gelangen. Einige Jägerstände stehen zwischen Büschen, und am Waldrand befindet sich eine Reihe von Blautannen, die gegen die dunkelgrü Bäume einen Kontrast bilden.



Zwischen dem Wald und dem kleineren Waldgebiet gibt es einen Einschnitt, an dem man auf einem Weg an Feldern entlang Richtung Thune gelangen kann. Die roten Dächer der Dorfes tauchen aus der Niederung auf. Am Wegrand finde ich die aromatische, violett blühende Pfefferminze, von der ich ein Sträußchen mitnehme.

An einem der nächsten Tage gehe ich Richtung Rethen. Auch hier ist die Wiese, noch vor wenigen Wochen gelb und vertrocknet, wieder grün geworden. Neben Rainfarn, Johanniskraut wächst hier vor allem Schafgarbe. Ich überquere die Kreisstraße zwischen Meine und Rehten und bin der Feldmark vor der Maaßel. Ein langer gerader Weg verliert sich in der Ferne am Wald. Auf einer Weide erblicke ich erstmals wieder Kü:he, von denen sich einige am Rand des Zauns gelagert haben.



Das Gebiet ist sehr groß, und ich komme vorbei an einem eingezäunten Tannenwaldstück vorbei, in dessen Mitte sich ein kleiner Teich befindet. Da ich nicht den selben Weg zurückgehen will, wende ich mich nach rechts und muß über eine feuchte Wiese gehen. Eine Reihe von Bäumen säumt einen ehemaligen Weg, der plötzlich endet, weil hier Felder zusammengelegt wurden. Ich gelange an Zuckerrübenfeldern Richtung Vordorf und treffe am nördlichen Ende auf die Dorfstraße, wo die großen Bauernhöfe liegen.

Die Beschreibungen werden fortgesetzt unter dem Titel "Vordorf, eine Gemeinde im südlichen Niedersachsen".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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